Alexandre Tharaud

CD-Rezension

Francois Couperin: Klavierstücke mit dem Pianisten Alexandre Tharaud
harmonia mundi HMC 901956

Dass es eine Komposition „Le tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel gibt, hat vermutlich auch damit zu tun, dass Ravel häufig Gast eines privaten Musikzirkels war, bei dem neben Stücken aus aktueller Produktion auch Werke zu hören waren, die damals weitgehend vergessen waren: zum Beispiel Klaviermusik von Rameau, Scarlatti oder Couperin.

1693 trat Couperin als Organist in die Kapelle Ludwigs XIV. ein. Bald darauf wurde er zum Cembalo-Lehrer der königlichen Familie ernannt. Im Lauf der Jahre erschienen zahlreiche Cembalo-Stücke von ihm im Druck, die so genannten Livres de Pièces de clavecin. 220 Stücke hat Couperin veröffentlicht. Galant, graziöse Charakterstücke, die die neuen Möglichkeiten der um 1700 entscheidend verbesserten Instrumente entsprechend ausnützte.
Der französische Pianist Alexandre Tharaud, der vor fünf Jahren mit seiner Aufnahme von Klaviermusik von Rameau für Aufsehen sorgte, wählt für diese Stücke einen modernen Konzertflügel. Authentisch ist das nicht, aber Tharaud läßt solche Fragen angesichts eines wunderbar beseelten und feinsinnigen Spiels zweitrangig erscheinen. Was Tharauds Wiedergabe an historischer Authentizität vermissen lässt, das gewinnt sie an Anschlagsnuanciertheit. Und die wäre mit einem Cembalo natürlich nie zu erreichen gewesen. Die musikalisch-künstlerische Ausgestaltung der von ihm ausgewählten 19 Stücke jenseits virtuoser Nähmaschinen-Motorik steht im Vordergrund seiner Interpretation. Gerade durch minutiöse dynamische Abstufungen auf dem Flügel gelingt es ihm, in diesen Stücken eine Ausdrucksvielfalt zu erreichen, die man so noch nicht gehört hat. Auch die Gewitztheit, den Humor in Stücken wie „Les Calotine“, „Les Tricoteuse“ oder „Les Tours de passe-passe“ kitzelt Tharaud mit feinem Gespür und Charme gleichsam aus dem Flügel hervor.
R. Jungwirth
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