Alessandro Melanis Oper L’Empio Punito in Rom

Ein früher Don Giovanni

In Rom wurde Alessandro Melanis Oper „L’Empio Punito“ von 1669 aufgeführt – eine frühe Don Giovanni-Oper

Von Thomas Migge

(Rom, Oktober 2019) Im Februar 1669 wurde im römischen Palazzo Colonna die Oper „L’Empio punito“ („Der bestrafte Bösewicht“) uraufgeführt. Die Oper von Alessandro Melani, der die Handlung des Theaterstücks „Der Betrüger von Sevilla und der steinerne Gast“ von Turso de Molina zugrunde liegt, ist die erste musikalische Komposition, die das Don-Giovanni-Thema aufgreift, das Mozart berühmt gemacht hat.

Melanis Oper, bei ihm heißt der spätere Don Giovanni Acrimante, war ein voller Erfolg. Uraufgeführt wurde sie vor Bischöfen und Kardinälen, Adligen und der König Christina von Schweden, auf deren Anordnung hin so gut wie keine anderen Frauen bei der Aufführung anwesend waren. Eine Oper mit einer deftigen Handlung, bei der es um Verführung, Liebe, Sex und um die Bestrafung des Bösewichts geht.

Die Handlung ist spannend. Acrimante, der Neffe des Königs von Korinth, erreicht nach einem Schiffsunglück zusammen mit seinem Diener Bibi den Hof von Atrace, des Königs von Mazedonien. Er verliebt sich sogleich in die Schwester des Königs, Hypomene. Am Hofe befindet sich auch Atamira. Sie war ein Geliebte von Acrimante, wurde aber von diesem verlassen.

In drei Akten wird deutlich, dass Acrimante ein zutiefst unmoralischer, skrupelloser Mann ist, dem es einzig darum geht, Frauen zu verführen und sie dann zu verlassen. Wehe, eine Frau verliebt sich in ihn. Sobald er sie „herum bekommen“ hat, verliert er das Interesse an ihr. Das Libretto von Filippo Acciaiuili ist gespickt mit Anspielungen auf antike und italienische Autoren, und wer es liest, fühlt sich an nicht wenigen Stellen an Lorenzo da Pontes „Don Giovanni“ erinnert. Die Handlungen beider Opern ähneln sich sehr. Wie auch das Verhältnis zwischen Acrimante und Bibi, zwischen Herrn und Diener, sowie die Präsenz einer mysteriösen Person, die stark an Mozarts „Commendatore“ erinnert.

In Melanis Oper tötet der Wüstling Tidemo, der in Hypomene verliebt ist. Dem Toten zu Ehren wird im Palastgarten eine Marmorstatue errichtet. Natürlich wird sie von dem respektlosen Acrimante verspottet. Doch die Statue reagiert auf die blasphemischen Worte Acrimantes. Der akzeptiert die Einladung der Statue zu einem Bankett. Doch zu einem Festmahl kommt es nicht, denn die Statue fliegt in den Himmel und Acrimante stürzt in die Hölle, wo er von Caronte bereits erwartet wird. „L’Empio punito“ endet mit dem Chor der übrigen Protagonisten, die die gerechte göttliche Bestrafung begrüßen.

Alessandro Quarta und das Reate Festival Baroque Ensemble boten in der Produktion der Oper Rom im Teatro Torlonia eine sehr spritzige und rhythmisch sehr bewegte Interpretation der an melodischen und gefühlvollen Arien und Duetten ungemein reichen Partitur. Vor allem manche Duette erinnerten an frühe Kompositionen von Georg Friedrich Händel.

Cesare Scarton führte Regie. Wie schon 2018, als er, zusammen mit Quarta, beim Reate Festival Monteverdis „Il ritorno di Ulisse in Patria“ auf die Bühne brachte, nutzte Scarton auch dieses Mal nur einige wenige Bühnenbilder und verlegte die Handlung in unsere Gegenwart. Das machte die Geschichte mit ihren antikisierten Protagonisten auch für Nicht-Barock-Opern-Gewöhnte nachvollziehbar und verständlich.

Sämtliche Rollen waren hervorragend besetzt. In der Hauptrolle des Frauenhelden trat Mauro Borgioni auf. Groß und kräftig gewachsen, ein männliches Gesicht mit dunklem Bart und Locken, hatte er die perfekte „physique du role“ für die Rolle des Acrimante.

Doch Borgioni ist ein Bariton, mit einer sehr kräftigen Stimme. Melani hatte diese Rolle aber für einen Kastraten komponiert. Zum Entsetzen von Musikexperten entschied sich Quarta, Acrimante von einem einen Bariton singen zu lassen. Auch wenn er für diese in Fachkreisen und unter Musikjournalisten umstrittene Entscheidung keine offizielle Erklärung lieferte, ist die Idee gar nicht mal so schlecht. Der Umstand, dass der Bösewicht nicht von einer hohen, sondern einer tiefen Stimme gesungen wurde, ließ die gesamte Oper modern wirken. Ein Countertenor wäre sicherlich philologisch die richtige Entscheidung gewesen. Aber ein Bariton machte die thematische und in weiten Teilen auch inhaltliche Nähe zwischen Melani und Mozart überdeutlich.

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