Aida in Valencia

Ein phänomenales Talent

Die Sandalenoper lebt. Foto: Tato Baeza / Palau de les Arts Reina Sofía

Der junge Dirigent Omer Meir Wellber empfiehlt sich mit Verdis Aida im Palau de Les Arts Reina Sofia in Valencia als Nachfolger von Lorin Maazel

(Valencia, Dezember 2010) Er ist erst 29 Jahre jung, wirkt ungemein entspannt und ein wenig schlacksig, und das, obwohl er eine Stunde später über drei Stunden lang am Dirigentenpult stehen wird. "Wir können uns bis kurz vor 20 Uhr unterhalten, dann ziehe ich schnell die eleganten Klamotten an und gehe hoch", sagt Omer Meir Wellber und antwortet bereitwillig auf die Fragen des Interviewers.
Omer Meir Wellber dirigiert nicht nur am Palau de Les Arts im spanischen Valencia sondern ist auch der neue Herr in dem architektonisch spektakulären Haus. Nach Intendantin Helga Schmidts Willen ist er der designierte Nachfolger von Generalmusikdirektor Lorin Maazel. Und das, man muss es wiederholen, mit nur 29 Jahren!
Helga Schmidt wollte den jungen Israeli unter allen Umständen an ihr Haus holen. Das erstaunt, denn Wellber hatte das Orquestra de la Comunitat Valenciana noch nie dirigiert. Zunächst waren die Musiker verständlicherweise skeptisch, doch als sie Wellber kennen lernten und mit ihm zusammenarbeiteten änderten sie schnell ihre Meinung.
 
Wie auch das Publikum und alle Musikkritiker, die aus dem übrigen Europa nach Velancia angereist kamen, um Wellbers Interpretation des Italo-Klassikers "Aida" zu lauschen. Wellber scheint keiner jener jungen Überflieger zu sein, die eine schnelle Karriere hinlegen, gefördert von grossen Namen, in seinem Fall vor allem von Daniel Barenboim, die mal eben über eine Partitur fliegen und damit basta. Wellber durchlief eine knochenharte Schule bei einer rumänisch-jüdischen und, "extrem strengen aber ausgezeichneten Musiklehrerin, die von ihren Schülern verlangte, einmal gehörte Musikstücke umgehend in Noten zu Papier zu bringen".
Wahrscheinlich entwickelte Wellber auf diese Weise sein besonders sensibles Gespür für Partituren, für deren Feinheiten, für jene Notenstellen, die die Interpretation eines Dirigenten herausfordern, die in die Länge gezogen oder verkürzt oder sonst wie hervorgehoben werden müssen, sollten, können.
Wellbers Interpretation von Verdis Meisterwerk war in sich ein Meisterwerk. Schon lange bekam man keine so frische, so ernste, so gewichtige "Aida" zu hören wie jetzt in Valencia. Man sollte die Karriere dieses Nachwuchsdirigenten genau beobachten.
 
David McVicar hatte die Regie. Er hatte für die Londoner Inszenierung der Ko-Produktion mit dem Royal Opera House Covent Garden eine weitaus dekadentere Version des ägyptischen Pharaonenhofes geboten, die aber in Valencia in ihrer allzu üppigen Ausdruckskraft ein wenig beschnitten wurde, was der Inszenierung sicherlich positiv entgegenkam. Eine eher klassische Regie mit klassischen Kostümen, die an Historienfilme erinnern. Ausgezeichnet waren hingegen, neben der musikalischen Leitung, die Protagonisten der Inszenierung. Eine harmonische Besetzung, bei der keine Rolle aus der Reihe fiel.
 
Die Chinesin Hui He bot eine stimmlich kraftvolle und einfühlsame Aida mit grosser Bühnenpräsenz. Amneris sang Rossini-Fachfrau Daniela Barcellona mit ihrem tiefen Mezzosopran. Auch in diesem Fall eine perfekte Besetzung. Jorge De Leon war Radamès: auch er, wie alle Protagonisten, stimmlich auf der Höhe und ein überzeugender Darsteller.
 
Die neue "Aida" in Valencia beweist wieder einmal, dass dieses Opernhaus, ohne wenn und aber, nicht nur eine der wichtigsten Bühnen Spanien sondern eines der ersten Häuser in Europa ist. Solange Helga Schmidt, wegen ihrer Autorität und Durchsetzungskraft ihrer Ideen und Vorstellungen "Kaiserin Maria Teresia von Valencia" genannt, das Palau führt, wird das sicherlich auch so bleiben.
Thomas Migge
 
 

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