Lothar Zagrosek dirigiert beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Messiaens "Et exspecto resurrectionem mortuorum", Strawinskys Symphonie in drei Sätzen und Ravels Klavierkonzert G-Dur
(München, 11. Juni 2009) Messiaen, Ravel, Strawinsky, ganz ohne klassisch-romantische Zuwaage sorgen immer noch für Zurückhaltung. Dennoch war die Philharmonie im Gasteig am Fronleichnams-Abend gut gefüllt, als das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit diesem Dreigestirn aufwartete. Der Begeisterungspegel stieg zunehmend, sorgten doch neben dem Orchester Dirigent Lothar Zagrosek und der Pianist Fazil Say für mitreißende (Erst-)Begegnungen.
Zagrosek ist nicht nur ein klarer Analytiker, sondern auch ein messerscharfer Rhythmiker. Das kam diesem Programm sehr zugute. Schon bei Messiaens Bläsern und Schlagwerk vorbehaltenem "Et exspecto resurrectionem mortuorum" (Und ich erwarte die Auferstehung der Toten) führte seine rhythmische Punktgenauigkeit zu einer beeindruckenden Wiedergabe. Ob im linearen Auf- und Absteigen, in den üppig-kompakten Klangflächen oder in den sich bis zu ohrenbetäubendem Donner steigernden Exzessen - Zagrosek und die vorzüglichen BR-Bläser und -Schlagzeuger hielten die Spannung, vor allem auch in der Stille. Besonders innig tönte das zarte Zusammenspiel von Oboe, Klarinette, Flöte und Englischhorn in der Versicherung von Christi Auferstehung.
Rhythmisch bestens geeicht, ging Fazil Say in Ravels Klavierkonzert G-Dur als Partner des Orchesters durchaus eigene Wege. In den extrovertierten, vom Jazz inspirierten Ecksätzen schlug er lustvoll seine rhythmischen Kapriolen, raste durch Läufe, trillerte sich in die Kadenz und wirkte zuweilen wie ein furioser Improvisator. Im Adagio wagte er zu träumen und suchte, sich hinwendend, seine Kollegen bei den Holzbläsern. Bis hin zum betörend sanften Ausklang.
Bei Strawinskys "Symphonie in Three Movements", diesen lose gefügten drei Sätzen, bestach wieder Zagroseks Genauigkeit auch im oft heftigen rhythmischen Gegeneinander. Leichtigkeit, ja Luftigkeit blieben gleichwohl gewahrt.
Gabriele Luster