Neue Direktoren an der Wiener Staatsoper

Während Welser Möst, zur Zeit Chefdirigent des Cleveland Orchestra und Generalmusikdirektor an der Zürcher Oper, schon seit längerem im Gespräch für den prestigreichsten Kulturposten Österreichs war, erscheint Meyer als Überraschungswahl. Mit Meyer ist Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) ein Coup gelungen, der letztlich auch ihren "Chef" und Parteigenossen, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, überzeugte. Der hatte sich für den in Wien beheimateten, aus den USA stammenden Tenor Neil Shicoff stark gemacht. Den Nachfolger für den auch politisch einflussreichen Ioan Holender zu finden, hatte sich in Österreich zu einer Frage von nationaler Bedeutung ausgewachsen.

Dominique Meyer ist sowohl Manager als auch Kunstliebhaber. Der Sohn eines Diplomaten wurde am 8. August 1955 im Elsass geboren. Obwohl die Kultur schon früh seine Leidenschaft war, entschied er sich für das Studium der Wirtschaft in Paris. Unmittelbar nach dem Studium wandte er sich der Politik zu. Ab 1980 war er für Elektronik und Computerindustrie zuständig, bis ihn 1984 der legendäre Kulturminister Jack Lang als Berater in sein Ministerium holte.

1989 wurde er Generaldirektor der Pariser Oper, 1994 - nach einem dreijährigen Zwischenspiel im Kulturministerium - Leiter der der Oper von Lausanne. 1999 folgte die Rückkehr nach Paris, mit der Berufung an das Theatre de Champs-Elysees. Meyer zeigt sich auch dem Neuen in der Oper gegenüber offen, achtet aber auf die Akzeptanz durch das Publikum: "Neue Opern müssen geschaffen werden, aber nicht solche, die nach ein paar Vorstellungen wieder vom Spielplan verschwinden", sagte er einem österreichischen Magazin. "Die Komponisten müssen verstehen, für wen sie Musik schreiben."

Franz Welser-Möst zählt zu den österreichischen Dirigenten mit Weltruf. Internationale Bekanntheit erlangte er, als er 1990, mit 30 Jahren, zum Chefdirigenten des London Philharmonic Orchestra berufen wurde. Neben seinen leitenden Funktionen in Cleveland und Zürich ist er regelmäßig Gast bei den Festspielen in Salzburg und Luzern, bei den Berliner und Wiener Philharmonikern und beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. In seinen Konzertprogrammen zeigt sich Welser-Möst sehr engagiert für die Moderne Musik.

Die Entscheidung war auch deshalb mit großer Spannung erwartet worden, weil Ioan Holender bei seinem Ausscheiden 2010 der Wiener Staatsoperndirektor mit der längsten Dienstzeit überhaupt gewesen sein wird: 18 Jahre wird er dann die Geschicke des Hauses am Ring bestimmt haben.

Laszlo Molnar