Simultaneität der Stimmen

Daniel Barenboim Foto: Ricardo Dávila

Das West-Eastern Divan Orchestra zu Gast bei den Salzburger Festspielen

"Wir sind keine Alternative zur Politik, aber wir sind ein Modell dafür, wie man auch miteinander umgehen kann." Mit diesen Worten stellte Daniel Barenboim in Salzburg bei einer Pressekonferenz einige Mitglieder seines West-Eastern Divan Orchestras vor. Das 1999 von Barenboim und dem palästinensischen Schriftsteller Edward Said gegründete Orchester für junge Musiker aus Israel und verschiedenen arabischen Staaten des Nahen Ostens - eigentlich ein Orchesterworkshop - möchte die musikalische Aus- und Weiterbildung von Musikern aus diesen Ländern mit der Möglichkeit des gegenseitigen Austauschs, des Kennen- und Verstehenlernens über alle Gegensätze und Konflikte hinweg verbinden. "Musik allein kann selbstverständlich nicht den arabisch-israelischen Konflikt lösen, aber sie ist in der Lage, Menschen zusammen zu führen und miteinander bekannt und vertraut zu machen." Der einzige politische Aspekt, der die Arbeit des West-Eastern Divan Orchestra durchdringe, sei die Überzeugung, dass es eine militärische Lösung nicht geben kann, stellte Barenboim heraus. Die Arbeit in einem Orchester lebe von der Simultaneität der Stimmen. "Man drückt sich selbst aus und muß gleichzeitig anderen zuhören", das könne ein gutes Beispiel sein.
Im August gibt das Orchester nach einer Arbeitsphase im spanischen Sevilla mehrere Konzerte in verschiedenen europäischen Städten, am 13. und 15. August auch bei den Salzburger Festspielen. Auf dem Programm stehen Werke von Beethoven, Schönberg und Tschaikowsky. Begleitend zu den Konzerten finden in Salzburg Diskussionen u.a. mit Joschka Fischer und dem österreichischen Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sowie Vorträge u.a. mit Pierre Boulez statt. Informationen unter www.salzburgfestival.at
Am 21. August gastiert das Orchester in Luzern, am 26. August zum Abschluß der Tournee in der Berliner Philharmonie.
R.Jungwirth