Neue Weihnachts-CDs aus Norwegen, Böhmen, kammermusikalisch liedhaft und im Geiste der deutschen Romantik
Eine wunderbar schlichte a-cappella-Weihnachts-CD hat der Kammerchor Werningerode herausgebracht, von seinen jungen Mitgliedern exquisit gesungen. Wie beiläufig endet sie in modernen Sätzen alter Lieder: "Es ist ein Ros entsprungen" etwa wurde pro Strophe von einem anderen Komponisten arrangiert oder man wird überrascht durch eine Rarität wie "In the bleak mid-winter" von Gustav Holst (zu beziehen über Kaufhaus Beck in München, www.jpc.de oder www.kammerchor-wernigerode.de).
Auch wenn man die englischen Übersetzungen im Booklet nicht mitliest, hat diese CD mit Oslo Domkirkes Guttekor, also dem Knabenchor des Osloer Doms, der Mezzosopranistin Marianne Beate Killand und dem charismatischen jungen Bariton Johannes Weisser beglückenden Charme. Anrührende Innigkeit prägt diese Platte, die neben herrlichen norwegischen Liedern, sparsam instrumental begleitet, natürlich auch deutsche Weihnachtslieder oder "Adeste fideles" auf Norwegisch enthält, etwa ein solistisches "Stille natt, hellige natt" (Simax).
Endlich wurde die "Tschechische Weihnacht" mit Magdalena Kozená außerhalb ihrer Heimat veröffentlicht (Deutsche Grammophon). Denn die "Böhmische Hirtenmesse" für Soli, Chor und Orchester von Jakub Jan Ryba (1765-1815) ist ein zauberhaftes Juwel zur Feier der Geburt Christi. Stets klingen traditionelle Weihnachtslieder an, ohne dass sich das je musikalisch konkretisieren ließe. Kozenás Kollegen Gabriela Eibenová, Jaroslav Březina und Michael Pospí?il singen mit der Capella Regia Musicalis unter Robert Hugo ganz aus dem Geiste des Mozarts der "Zauberflöte".
Leider ist die neue CD des Münchener Bach-Chors ein allzu ambitioniertes Projekt. Dessen Leiter Hansjörg Albrecht hat eine "Deutsche romantische Weihnacht" veröffentlicht, die mit Sätzen von Brahms, Humperdinck, Bruch, Loewe, Reger und Wolf den Ohren in halliger Akustik das beschert, was zu viele süße fette Plätzchen mit einem Magen machen: Zunehmend stellt sich der Eindruck der Unverdaulichkeit ein. Dabei war das Konzept so schön, die Stücke chronologisch als Verkündigung, Geburt, Anbetung und Offenbarung aufeinander folgen zu lassen(Oehms). Aber trotzdem greift man lieber ins Regal zur nach wie vor lieferbaren Weihnachtslieder-CD des Bach-Chors von 1996 unter Hanns-Martin Schneidt (Arte Nova).
Klaus Kalchschmid