Die Waldhaus-Konzerte in Flims in der Schweiz werden seit drei Jahren vom neuen Nürnberger GMD MarcusBosch geleitet und präsentieren zwei Wochen lang in spektakulärer Sommerfrische-Umgebung hochkarätige Musiker und Ensembles
(Flims, Anfang August 2012) Zur gepflegten Sommerfrische in Flims/Waldhaus gehört traditionell auch ein musikalisches Programm. Darunter versteht man an dem malerisch gelegenen Ort in Graubünden unweit von Chur, an dem schon so berühmte Gäste wie Friedrich Nietzsche, Albert Einstein oder Marlene Dietrich kurten, freilich nicht einfach die Auftritte einer Kurkapelle. Seit der gewesene Aachener GMD und jetzige Nürnberger GMD MarcusBosch fürs Programm verantwortlich ist, geben sich in dem kleinen Ort auf 1100 Metern Höhe tatsächlich Weltklasse-Musiker die Klinke in die Hand.
Sowohl für die Musiker als auch für die Besucher besteht der Reiz der Konzerte gerade in dem besonderen Ambiente, in dem diese stattfinden. Der Jugendstilsaal in Flims, Teil einer weitläufigen Hotelanlage, sucht tatsächlich seinesgleichen. In ihm ist sogar Platz für ein ganzes Symphonieorchester, weshalb Bosch hier auch sein Nürnberger Orchester auftreten lässt.
Das wunderbare spanische Barockensemble Al Ayre Espaniol - fünf Musiker um den Cembalisten Eduardo Lopez Banzo - klang darin jedenfalls ganz hervorragend. Zusammen mit der fantastischen Flötistin Dorothee Oberlinger präsentierten die Spanier Triosonaten von Telemann, Händel, Scarlatti und Manzoni mit enormer Virtuosität und faszinierender Klanglichkeit. Ausgedünntes Gezirpe ist ihre Sache nicht, vielmehr ein runder, satter Klang, der dennoch niemals dicklich oder bräsig wirkt. Allein die Continuo-Gruppe ist von so wunderbar sonorer Homogenität und Beweglichkeit, das man sich kaum Besseres vorstellen kann. Und dieser "Grundierung" setzen die beiden Geiger des Ensembles violinistische Glanzlichter auf.
Besonders spannend und beglückend war das Miteinander von Flöte und erster Violine (Farran James) - in Händels Triosonate c-Moll gibt es sogar einen Satz ausschließlich für die beiden. Es war fantastisch zu erleben, wie sich hier die beiden Musikerinnen die Bälle zuwerfen.
Höhepunkt unter den Stücken, die das Ensemble ohne die Flötistin bestritt: die Triosonate op. 5 Nr.4 von Händel mit ihrer sehr an Pachelbel erinnernden Passacaglia. Hier demonstrierten die Al Ayres aufs Beglückendste Händels enormes kreatives Potential in der Verbindung des italienischen mit dem deutschen Stil.
Ebenfalls im Jugendstilsaal trat zu abendlicher Stunde die phämonenale Pianistin Olga Scheps auf - mit Intermezzi und Rhapsodien von Brahms, Walzern von Schubert und Tschaikowsky und dem "Faschingsschwank" von Schumann. Auch wenn der Saal für Klavier solo zunächst ein wenig überakustisch wirkte - Olga Scheps ließ sich davon nicht beirren und versenkte sich in die virtuosen Seelentöne der Werke. Das Spiel der 27-Jährigen ist gekennzeichnet von hoher Kreativität; man hat bei ihr in jedem Augenblick den Eindruck, als entstehe die Musik gerade völlig neu. Das macht ihr Spiel - ganz abgesehen von ihrer zupackenden Virtuosität - zu einem Ereignis, das einen in jedem Moment gefangen nimmt. So wurde aus diesen "Salonstücken" eine tief empfundene und spannende poetische Reise. Ähnlich wie das Lächeln von Olga Scheps beim Applaus, bewahrt auch ihr Spiel immer ein Geheimnis, hat es etwas Unergründliches und Unvorhersehbares.
Das Klassik-Festival in Flims "leisten" sich einige der in Waldhaus gelegenen, zumeist um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erbauten Hotels für ihre Gäste, aber natürlich stehen sie auch Besuchern offen. Eine schöne Idee, die die Tradition der gehobenen Sommerfrische aufrecht erhält und den Ort im Sommer zusätzliche Attraktivität verleiht.
Neben den genannten Musikern waren in diesem Sommer auch der Bariton Roman Trekel, das Prager Benewitz Quartett, die Geigerin Alena Baeva (begleitet von MarcusBosch am Flügel) und der Cellist Alban Gerhardt hier zu erleben. Dazu dirigierte Bosch wie schon im vergangenen Sommer eine konzertante Oper mit der Nürnberger Staatsphilharmonie in der Waldhaus-Arena: Richard Strauss' "Elektra" mit Rachel Tovey, Mardi Byers und Daniela Denschlag. Ergänzt wird das Angebot durch Meisterkurse und eine Sommerakademie speziell für Kinder.
Robert Jungwirth
Die Waldhaus-Konzerte Flims werden veranstaltet von den Festivalhotels Adula, Ayurveda-Wohlfühlhotel Fidazer Hof, Schweizerhof, Sunstar Hotel, Waldhaus Flims Mountain Resort & Spa.
www.flimsfestival.ch
www.MySwitzerland.com
www.swisstravelsystem.com