Stromklavier

Vladimir Spivakov als Dirigent und der Pianist Nikolai Tokarev begeistern mit dem National Philharmonic Orchestra of Russia

(München, 6. März 2010) Ein Tschaikowsky-Klangbad der Extraklasse richteten Vladimir Spivakov und das National Philharmonic Orchestra of Russia am Samstagabend im Münchner Gasteig an. Kein Wunder, dass das Publikum, das den Saal bis in die hohen Ränge gut füllte, aus dem Häuschen geriet. So samtig, so elegant, so farbig und klangprächtig wie das russische Elite-Orchester die 5. Symphonie in e-Moll spielte, taugte sie geradezu als Live-Mitschnitt.
Erst 2003 schlug die Geburtsstunde dieses Orchesters, in dem Spivakov, selbst ein Weltklasse-Geiger, als Dirigent die besten Kollegen aus Moskau und St. Petersburg um sich schart. Das Klangniveau ist phänomenal, Präzision Ehrensache: Die dunkel grundierten Streicher schürten Tschaikowskys Glut mit homogenem Strich. Holzbläser und Hörner (butterweich das Solo zum Adagio-Beginn) faszinierten mit geschmeidigem Legato und vollem Ton. Das Blech tönte wie aus einem Guss - edel in der Intonation und mit sattem Glanz.
Da schaute man locker über Spivakovs seltsame Schlagtechnik, die gelegentlich eitle Pose hinweg und schwelgte im Adagio, drehte sich im duftigen Walzer oder ließ sich von der Bravour der verzahnten Ecksätze mitreißen.
Dass auch das eröffnende Beethoven-Klavierkonzert (Nr. 5) mit sieben Kontrabässen daherkam, verwunderte nicht. Denn mit Klangfülle geizt die Russische Nationalphilharmonie nie. Der junge Nikolai Tokarev faszinierte als wundervoller "Erzähler", als einer, der weiß, worum es geht. Ob er kristallene Klarheit im Diskant ausspielte, silberhelle Triller flirren ließ oder Beethoven kraftvoll (Kopfsatz) und übermütig (Finale) folgte - Tokarev setzte seine Zuhörer unter Strom.           
Gabriele Luster

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