Die Neuinszenierung von Paul Dessaus und Bertolt Brechts Oper "Die Verurteilung des Lukullus" an der Komischen Oper Berlin
(Berlin, 2. Dezember 2007) Gewiss hält sich auch George Walker Bush für einen großen Feldherrn. Und wenn es saudumm läuft, wird das sogar einst die Nachwelt von ihm denken. Je nachdem, wer dann das Sagen hat, und wer die "Wirklichkeit" nach seinen Vorstellungen zurecht zimmert.
Keine neue Erkenntnis. So war es auch schon zu Zeiten des römischen Feldherrn Lukullus der in Asien auf Teufel komm raus mordete und brandschatzte (von 80 000 Toten ist die Rede) und dafür zu Hause als großer Held gefeiert wurde, vor allem nach seinem Tod.
Im Jenseits ist die Begeisterung über Lukullus freilich nicht so groß. Außer Mord und Totschlag hat er nicht viel zu bieten vor den Richtern, die über seine Taten und sein Leben richten sollen. Nichts jedenfalls, was ihn von seiner Blutschuld entlasten könnte. Lukullus muss sich einer peinigenden Befragung vor einem reichlich improvisiert wirkenden (jüngsten) Gericht unterziehen, das aus menschlichen Schöffen besteht, die - eben weil sie Menschen sind - nur sehr unzureichend dazu in der Lage sind, die "Wahrheit" zu ergründen. Was ist die Wahrheit eines Menschenlebens? Wie es bewerten?
Ein Lehrstück ist ein Lehrstück
Bertolt Brecht schrieb sein Hörspiel "Lukullus" 1939 im schwedischen Exil als Reaktion auf die sich abzeichnende Weltkriegs-Katastrophe, ein Lehrstück mit mahnendem Charakter von einem Rufer in der Wüste.
In der Opernversion durch Paul Dessau kam es 1951 in der Berliner Staatsoper heraus und wurde nach einigen Umarbeitungen zu einer der erfolgreichsten Opern der DDR.
Und heute? Heute wirkt das Lehrstück nicht mehr und nicht weniger lehrstückhaft als früher. Nur gibt es in Deutschland halt keine verordnete Begeisterung mehr für eine solche Art von Theater. Was sich schon allein darin zeigt, dass die Zuschauerreihen in der zweiten Vorstellung halb leer blieben.