Heute berät der Münchner Stadtrat über die Vertragsverlängerung von Christian Thielemann als Chef der Münchner Philharmoniker
Wie Teile der Münchner Presse im Vorfeld der Stadtratssitzung erfahren haben wollen, gibt es im Münchner Stadtrat Widerstand gegen die Verlängerung des bis 2011 laufenden Vertrags von Christian Thielemann als Chef der Münchner Philharmoniker. Grund dafür seien Bedingungen, die Thielemann gestellt habe, die nicht zu akzeptieren seien. Konkret geht es um das Recht, bei der Programmgestaltung von Gastdirigenten mitzubestimmen. Außerdem wird auch seine lange Anwesenheit während der Bayreuther Festspiele beklagt.
Dazu ist zu sagen, dass das Engagement von Christian Thielemann in Bayreuth schon vor seiner Münchner Tätigkeit bekannt war. Es ist also fadenscheinig, ihm daraus jetzt einen Strick drehen zu wollen.
Was die Gastdirigenten betrifft, so ist es natürlich das gute Recht des GMD grundsätzlich ein Auge auf sein Orchester zu haben, auch wenn es von Kollegen dirigiert wird. Das sollte Thielemann freilich nicht dazu veranlassen, seinen Kollegen allzu sehr hineinzureden. Es geht also weniger um Grundsätzliches, als vielmehr um die Art, wie man miteinander arbeitet. Und da hat natürlich auch Christian Thielemann nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Was ihm vermutlich auch nicht entgangen sein wird.
Sollten die Stadtväter und -mütter wegen der genannten fragwürdigen Streitpunkte allen Ernstes einer Verlängerung von Thielemanns Vertrag nicht zustimmen, geben sie sich auf ganzer Linie der Lächerlichkeit preis. Und es wäre eine kulturpolitische Katastrophe für die Stadt und ihr Klassikpublikum.
Wenn die Regierenden der Stadt nicht erkennen, welch herausragende Dirigentenpersönlichkeit das Orchester mit Thielemann hat, welch phänomenale Leistungen beide erbrachten und erbringen, Leistungen, um die die Isarmetropole so manche große internationale Musikstadt beneidet, dann sollten diese Damen und Herren doch besser die Finger von der Musik lassen und sich wieder Abwasserfragen zuwenden. Kann man solche Themen nicht endlich mal Leuten überlassen, die etwas davon verstehen?
Sollte München Thielemanns Vertrag nicht verlängern, wäre das eine der peinlichsten Entscheidungen, die die Stadt in künstlerischen Fragen je getroffen hat. Allein schon die Debatte im Vorfeld ist ja hochnotpeinlich und einer Musikstadt unwürdig. Die ach so kunstsinnige Metropole München verkommt einmal mehr zum Kuhdorf.
Robert Jungwirth