Unkulturminister

Unglaublich: Bayerns Kunstminister Heubisch setzt dem höchst erfolgreichen Intendanten des Münchner Gärtnerplatztheaters Ulrich Peters den Stuhl vor die Tür

(München, 11. März 2010) In einer Ansprache an Mitarbeiter und Ensemble gab der Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters Ulrich Peters heute bekannt, dass er vom  Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Wolfgang Heubisch über die Nicht-Verlängerung seines Vertrages informiert wurde. Die Nicht-Verlängerung blieb ohne Angabe von Gründen. Das Ministerium stellte allerdings nochmalige Gespräche in Aussicht. Die Amtszeit von Peters als Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz endet somit am 31. August 2012. Hintergrund ist ganz offensichtlich die anstehende dreijährige Sanierung des Theaters, die Heubisch womöglich zum Anlaß nimmt, das Theater in dieser Zeit ganz zu schließen.

Ulrich Peters dazu: "Ich bedaure diese Entscheidung zutiefst. Nach über zwei Jahren harter Arbeit für dieses wunderbare Theater, dem ich mit großer Leidenschaft vorstehe, ernten wir gerade in dieser Spielzeit spürbar die Früchte unserer Arbeit für das und mit dem Publikum. Der Übergang in die dreijährige Sanierungsphase ab 2012 ist von existenzieller Bedeutung für Theater und Ensemble und muss mit großer Umsicht geplant werden. Das Zeichen für eine so schwerwiegende Zäsur zu diesem Zeitpunkt halte ich für fatal und gefährlich für den Fortbestand dieses unverzichtbaren Kulturstandorts.
Ich bedanke mich schon heute bei allen meinen Mitarbeitern und dem fantastischen Ensemble, das in den vergangenen zweieinhalb Jahren den oft steinigen Weg mit mir gegangen ist. Gerne hätte ich ihn bis zur Wiedereröffnung begleitet. So verbleiben zweieinhalb Jahre, in denen wir weiterhin Musiktheater und Tanz auf höchstem Niveau für München und den Freistaat präsentieren werden."

Das Staatstheater am Gärtnerplatz wird ab Mai 2012 einer etwa drei Jahre dauernden Generalsanierung unterzogen. In dieser Zeit kann das Haus nicht bespielt werden. Geplant ist eine Ausweichung auf mehrere andere Spielstätten in München und Umgebung.
Das Staatstheater am Gärtnerplatz erreicht in der laufenden Spielzeit mit 78,14% (in den Monaten September bis Februar im Großen Haus) die höchste Auslastung der vergangenen acht Jahre. Peters hat dem Haus zu viel beachteten großen künstlerischen Erfolgen verholfen. Der Spielplan ist um einiges innovativer als derjenige der großen Schwester der Bayerischen Staatsoper.

Kommentar:
Die Kündigung von Ulrich Peters' Vertrag ist ein Akt dreisten Banausentums und ganz und gar würdelos gegenüber einem derart erfolgreichen Intendanten, wie Peters einer ist. Es ist ein Skandal, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Heubisch hier agiert und durch nichts gerechtfertigt. Der Kunstminister muß diesen Schritt schleunigst korrigieren, andernfalls wird er mit massivem Protest gegen diese Art der Holzhammer-"Kulturpolitik" zu rechnen haben.
Robert Jungwirth