Tristan zum Schmunzeln

Der Bayreuther "Tristan" des Christoph Marthaler ist jetzt auf DVD erhältlich

Der für seinen skurrilen Humor berühmt-berüchtigte Christoph Marthaler machts möglich: dass man in einem Bayreuther "Tristan" sitzt und immer wieder schmunzelt! Auf DVD (Opus Arte) verstärkt sich der Effekt, denn die Protagonisten sind in Mimik und Gestik so nahe herangerückt, dass man Isoldes Augenrollen, das ungeduldig auf eine imaginäre Uhr Schauen, wenn der vermeintliche Todestrank einfach nicht wirken will, geradezu hautnah erlebt. Und auch das Spiel mit den unzähligen kreisrunden Neonröhren an der Decke eines Schiffes, dessen Schichten, sprich drei Stockwerke im Laufe des Abends freigelegt werden (Bühne und Kostüme: Anna Viebrock), entbehrt nicht der Komik.

Dabei ist dies die präzise, konkrete Umsetzung der Tag/Nacht-Metaphorik, die das ganze Stück durchzieht. Ein großes "M" leuchtet da am Ende des ersten Akts für König Marke an der Decke oder Isolde verliert sich traumverloren mit dem Zeigefinger auf flackernde Röhren deutend während Markes Monolog, nachdem die Liebenden in flagranti entdeckt worden waren. Wie fein erotisch ist zuvor der Moment, wenn Tristan seiner Isolde im Schoß liegt und den rechten weißen Handschuh auszieht, während sie den linken mit den Zähnen abstreift und damit Tristan liebkost.

Ebenso grandios gelingt die Choreographie des Neben- und Hintereinandersitzens von Isolde und Brangäne (Michelle Breedt) in riesigen Sesseln im ersten oder auf einer Bank im zweiten Akt. Umso härter erzählen Marthaler und Anna-Sophie Mahler, die 2009 die Wiederaufnahme in Bayreuth betreute, das Siechtum des schwer verletzten Tristan. Eine halbe Schiffsmannschaft defiliert während des Vorspiels zum dritten Akt mit Sicherheitsabstand am Krankenbett vorbei, Robert Dean Smith aber singt und spielt die anschließenden Fiebervisionen mit hellem, dramatischem Tenor und unbedingter Ausdruckskraft. Iréne Theorin ist eine nicht minder starke Isolde, die manche Schärfe in der Stimme mit intensiver Darstellung wettmacht.

Peter Schneider bietet mit dem Festspielorchester für eine ebenso differenzierte wie expressive Deutung. Und Bildregisseur Michael Beyer sorgt dafür, dass kein Detail unsichtbar bleibt, läßt Totale, Halbtotale und Nahaufnahme präzise im Einklang mit der Musik wechseln und verwendet ebenso sparsam eine Handkamera auf der Bühne wie Schwenks, die den Bewegungen der Sänger folgen. So wird aus einer wunderbaren Bühnenaufführung ein beeindruckender Opernfilm.

Klaus Kalchschmid

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