Doppel-CD Wolfgang Amadeus Mozart: Complete Works for String Trio (TrioFenix)
Fuga Libera FUG569, LC 14899
Ein "Unikum" hat der Musikwissenschaftler und Mozart-Experte Alfred Einstein das Streichtrio KV 563 einst genannt, ist diese Komposition mit der unschuldigen Bezeichnung "Divertimento" doch alles andere als leichte Unterhaltung, vielmehr ein ausgewachsenes Kammermusikwerk, das Interpreten und Zuhörer gleichermaßen fordert.
Zwar entspricht die sechssätzige Form den Konventionen der Divertimento- und Serenaden-Tradition; aber die Raffinesse dieser Sätze, die Kunstfertigkeit, mit der sie untereinander verknüpft sind, der Reichtum der motivisch-thematischen Arbeit, die anspruchsvolle Harmonik und auch die Sorgfalt, mit der die drei Instrumente gleichberechtigt ins musikalische Geschehen einbezogen werden, all dies steht dem Klischee von harmloser Unterhaltungsmusik entgegen.
Der Anlass für die Entstehung dieses eigenartigen Werkes liegt im Dunkeln. Lange Zeit kursierte die Vermutung, Mozart habe damit seinen Geldgeber Michael Puchberg besänftigen wollen; eine entsprechende Andeutung bezieht sich jedoch auf ein anderes Werk. Vielleicht hat er es einfach zu seinem Vergnügen komponiert, immerhin saß er bei der ersten Aufführung, während einer Konzertreise 1789 in Dresden, selbst am Bratschenpult.
In unserem Jahrhundert galt das Trio als nahezu unspielbar. Innerhalb einiger Jahrzehnte hat es sich dann zu einem beliebten Werk dieser unterschätzten Gattung entwickelt; eine Handvoll hervorragender Aufnahmen sind auf den Markt gekommen, eine der bemerkenswertesten ist die des Grumiaux-Trios von 1967.
Das TrioFenix hat nun also eine weitere hinzugefügt - und braucht sich hinter den namhaften Konkurrenten nicht zu verstecken. Die drei Streicher sind allesamt Absolventen des Brüsseler Konservatoriums. Die Geigerin Shirley Laub war einige Jahre lang Konzertmeisterin im Royal Philharmonic Orchestra in London und hat inzwischen eine Professur in Brüssel inne; Tony Nys, ehemals Mitglied des Quatuor Danel, ist Solo-Bratscher im Orchester der Opéra de la Monnaie und der Cellist Karel Steylaerts Mitglied in der Brüsseler Philharmonie. Zum TrioFenix haben die drei schon 2006 zusammengefunden, nun aber mit Mozarts Streichtrios ihre erste gemeinsame CD vorgelegt - und auf der spielen sie in perfekter Balance, mit ausgesprochen schönem, leichtem Ton, zupackend, aber nicht ruppig. Das Ganze ist sehr plastisch und präsent aufgenommen, ein Vorzug gegenüber vielen älteren Einspielungen.
Auf einer zweiten CD finden sich die sechs Präludien und Fugen KV 404a, die üblicherweise Mozart zugeschrieben werden, obwohl die Autorschaft mangels eines überlieferten Manuskriptes nicht gesichert ist. Es handelt sich um Bach-Bearbeitungen, aus der Kunst der Fuge, dem Wohltemperierten Klavier und der Orgelsonate BWV 526 sowie einer Fuge des ältesten Bach-Sohns Wilhelm Friedemann; vier der einleitenden Präludien hat Mozart neu komponiert. Gewiss ist der musikhistorische Wert höher einzuschätzen als der pure Hör-Genuss, spiegelt sich doch hier die Beschäftigung mit den großen Komponisten des Barock wider, zu der der Musikkenner und -förderer Baron van Swieten Mozart angeregt hatte. Das TrioFenix geht aber auch an diese eher etwas trockenen Stücke sehr spielerisch heran, und sie belegen einmal mehr Mozarts souveränen Umgang mit der scheinbar defizitären Trio-Besetzung.
Alles in allem eine sehr gelungene Produktion, man darf auf weitere Aufnahmen des TrioFenix gespannt sein.
Eva Blaskewitz