Hervorragende Partnertauglichkeit

Viviane Hagner gibt dem Hagner Trio seinen Namen - und läßt es vor allem optisch gut aussehen. Foto: Promotion

Viviane Hagner, Daniel Müller-Schott und Jonathan Gilad fanden sich im Münchner Herkulessaal zum Hagner Trio zusammen

(München, 5. Mai 2010) Das Klaviertrio gilt gemeinhin als die heikelste Gattung der Kammermusik, denn die Klangcharaktere der drei Instrumente, die hier zu einem gemeinsamen Ganzen verschmelzen sollen, liegen weit auseinander: ein hohes Streichinstrument, ein tiefes, dazu das Klavier, das man den Schlaginstrumenten zurechnen kann. Dass sich das mischt und nicht ein Nebeneinander bleibt, dafür braucht es ein intensives Aufeinanderhören und Aufeinanderreagieren und den Willen, die Klangerzeugung aneinander anzupassen.
Umso erstaunlicher, dass sich dennoch immer wieder prominente Solisten zu Trioformationen zusammenfinden: Perlman-Harrell-Ashkenazy sind so ein Beispiel oder Kremer-Maisky-Argerich. Nun haben sich im Hörtnagel-Konzert im Münchner Herkulessaal die Geigerin Viviane Hagner, der Cellist Daniel Müller-Schott und der Pianist Jonathan Gilad an Schumann, Ravel und Brahms als Trio versucht (die Premiere gab es kurz zuvor beim Heidelberger Frühling).

Daniel Müller-Schott ist derzeit sicherlich einer der interessantesten Vertreter der jüngeren Cellisten-Generation. Sein Ton hat nicht Rostropowitschs Schwere, sondern eher die Noblesse eines Pierre Fournier. Hinzukommt eine große Wärme, eine schier unendliche Fülle an Klangnuancen und eine musikalische Leidenschaft, die weder aufgesetzt, noch übertrieben wirkt. Wunderbar, wie Müller-Schott in der Pasacaille von Ravels a-Moll-Trio das Thema sanft, fast übergangslos vom Klavier übernahm, es exotisch duften ließ, sich anschließend wieder zurücknahm und dennoch vom Cello aus die Entwicklung dieses Satzes steuerte, der so magisch changiert zwischen dem Exotismus des Materials und dem Akademismus der Form.  

Müller-Schott war der Mittelpunkt, der Kristallisationspunkt dieser Trioformation. Eng bei ihm war Jonathan Gilad, der für einen solistisch ausgebildeten Pianisten eine erstaunliche Partnertauglichkeit bewies: Sind die Pianisten ob der Statur ihres Instrumentes in solchen Ad-hoc-Trios sonst oft diejenigen, die das Geschehen dominieren, versuchte Gilad nichts dergleichen, hielt sich manchmal sogar zu stark im Hintergrund und fand sich mit seinem nie aggressiven, nie auch in zu viel Pedal ertränkten Anschlag perfekt mit Müller-Schotts nobler Tongebung und organischer Phrasierung zusammen: Selten erlebt man, dass sich Klavier und Cello klanglich so eng aneinander schmiegen, wie es Müller-Schott und Gilad im langsamen dritten Satz von Brahms' Trio op. 8 gelang: Gerade, weil sie jeden falschen Gefühlston mieden, stellte sich da Bewegtheit, ja Betroffenheit ein: der junge, schwärmerische Brahms im Dialog mit dem alten, reifen, der dieses Trio umfassend umgearbeitet, ihm, wie er selbst an Clara Schumann schrieb, "die Haare ein wenig gekämmt und geordnet" hat.

Leider war die Geigerin Viviane Hagner keine wirklich glückliche Ergänzung für Müller-Schott und Gilad. Hagners Ton ließ - lag es an der Abendform? - in der Tiefe Substanz, in der Höhe Brillanz vermissen. Ihre Bogenführung wirkte gelegentlich unstet und unorganisch, gerade größere Phrasen litten unter schwankenden Tonintensitäten. Auffällig war das bereits zu Beginn des Abends im späten g-Moll-Trio op. 110 von Robert Schumann. Die leidenschaftlichen melodischen Aufschwünge, die Schumann der Geige im rastlos dahinstürmenden ersten Satz zugedacht hat, gelangen Hagner nicht so recht, im Scherzo fehlt es ihr an der Akkuratesse der Artikulation. Hagner fand sich nie restlos hinein in die Gemeinsamkeit der Klangsprache, deren Fundament Müller-Schott und Gilad so vielversprechend gelegt hatten. Deren Versprechen blieb so, die Schwierigkeiten des Trio-Spiels bestätigend, letztlich unerfüllt.

Markus Schäfert

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