Das Boulanger Trio begeistert auf seiner neuen CD mit Brahms, Liszt und Schönberg
Am 31. März sind die drei Musikerinnen beim KlassikInfo-Konzert in München (Künstlerhaus am Lenbachplatz) zu erleben (Kartenbestellungen an info(at)klassikinfo.de. Infos am Ende des Artikels.)
(Februar 2012) Würden einen nicht drei schöne junge Frauen auf dem Cover anstrahlen, man wäre manchmal versucht zu denken, dieses oft kämpferische, satte, im besten Sinne kraftvolle, intensive Spiel wäre typisch männlich. Aber vielleicht konnte sich das Boulanger Trio nur besonders gut in die Welt dieser drei Männer hineinversetzen: in die Kompositionen eines späten Johannes Brahms (Trio c-moll op. 101), Franz Liszt oder Arnold Schönberg ("Verklärte Nacht"); und das ganz ohne Angst vor Pathos, Passion oder Leidensdruck, aber auch mit der Fähigkeit, ganz fein, leise und zurückgenommen zu spielen.
Welche Flexibilität der Phrasierung, des Klangs verströmte schon das späte Brahms-Trio! Nichts wird hier verzärtelt, bleibt in Pianissimo-Nebeln verunklärt oder erstickt im Dauerespressivo. Stattdessen eine Klarheit des Spiels und der musikalischen Aussage, dass man die CD gleich wieder von vorne beginnen möchte. Geradezu verblüffend das trockene Parlando im Presto non assai und ein vibratoarmes, aber dennoch ausdrucksvolles Andante Grazioso im Wechsel des Streich-Duos (Birgit Erz, Ilona Kindt) mit dem Klavier (Karla Haltenwanger). Und im Finale dann die Kombination aller Gesten und Spielweisen. Tonmeister und ?ingenieur haben ebenfalls für Profil Hänssler beste Arbeit geleistet, so dass die beiden Streicher und der Flügel gleichermaßen präsent sind, sich nie wechsel- und gegenseitig überdecken.
Franz Liszts "Tristia" nach dem Klavierzyklus "La vallée d'Obermann", vom Komponisten selbst für Klaviertrio arrangiert oder besser bearbeitet ist ein eigenständiges, neu gerahmtes elegisches, tiefdunkles 12-minütiges Abschiedswerk eines 74-jährigen. Auch hier verhaltener Ausdruck pur, ganz aus den Harmonien und komponierten Klangfarben entwickelt. Der Name Boulanger - in Reminiszenz an die Schwestern Nadia und Lili Boulanger, die beiden großartigen und enorm einflusreichen französischen Musikerinnen - ist da Programm und Verpflichtung.
Und endlich der Höhepunkt der CD, der fast unmerklich an Liszt anschließt mit seinen langsam in die Tiefe tropfenden Eingangstönen: "Verklärte Nacht", Schönbergs berühmtes, auf dem Höhepunkt der Spätestromantik komponiertes Streichsextett op. 4, das er später für Streichorchester bearbeitete und das hier in der bestechenden Version von Eduard Steuermann für Klaviertrio zu erleben ist. Was ist nach tastendem Beginn für eine Eruption an Farben, Gesten und Klängen zu hören! Welches Mit- und Gegeneinander von Geige, Cello und Flügel!
Selten spürt man in der "Verklärten Nacht" das Getriebensein des Komponisten auf der Schwelle zu Atonalität und Zwölftonmusik, den Versuch aus der Dur-Moll-Tonalität das letzte herauszupressen und doch Neues zu wagen, mehr als in dieser Aunahme. Stärker noch als beide Fassungen von Schönberg selbst, offenbart das Werk im spezifischen Klang von Geige, Cello und Klavier diese aufregenden, spannungsvoll sich entladenden Kräfte, wenn man denn so differenziert, so detailgenau musizierend, ohne je die großformale Architektur aus dem Blick zu verlieren wie das Boulanger Trio. Dazu braucht man das zugrundeliegende Gedicht von Richard Dehmel - Gespräch eines Mannes mit seiner Geliebten, die das Kind eines anderen erwartet - gar nicht unbedingt zu kennen. Man erfasst Atmosphäre und widerstrebende Gefühle durch die klingende Oberfläche hindurchschimmernd.
Klaus Kalchschmid
Am 31. März 2012 spielt im KlassikInfo-Konzert das Boulanger Trio im Künstlerhaus am Lenbachplatz (19.30 Uhr): Joseph Haydns Trio in Es-Dur Hob. XV:29 , Maurice Ravels Trio in a-Moll und Franz Schuberts Trio Nr. 2 in Es-Dur
Karten gibt es für 35, 25 und 15 Euro.
Bestellungen/Reservierungen bitte unter: info@klassikinfo.de oder telefonisch: 0151 466 46701