Zum Tod des bedeutenden Klarinettisten und Musikforschers Dieter Klöcker und über seine letzte CD
(München, Ende Mai 2011) Er war immer ein Team-Player, ein großartiger Musiker, Ensemble-Leiter, wunderbarer Trüffelsucher und -finder, und ein reizender, liebevoller Mensch: Der Klarinettist Dieter Klöcker. Wer ihn kennenlernen durfte, erlebte einen ausnehmend charmanten, klugen Herrn, der sich nie in den Vordergrund rückte, sondern nach neun Jahren als Soloklarinettist in verschiedenen Orchestern in den 60er Jahren das Consortium Classicum gründete - und von 1975 bis 2002 in Freiburg Klarinette und Bläserkammermusik lehrte. Mit seinem variablen Ensemble aus Bläsern, zu dem manchmal Streicher hinzukamen und das aus Mitgliedern erster Orchester in Deutschland bestand, präsentierte Klöcker Schätze abseits der ausgetretenen Pfade. Am Samstag, 21. Mai ist Dieter Klöcker 75-jährig nach schwerer Krankheit verstorben.
Sein Vermächtnis sind nun die letzten Aufnahmen, die zum Teil erst kürzlich beim Label Orfeo in München erschienen sind, aber bereits 2006 aufgenommen worden waren: Harmoniemusiken nach drei Opern von Antonio Salieri und Kammermusik des Wahlmünchners Peter von Winter (Septett op. 10 sowie ein Quartett und ein Oktett). Auf insgesamt 21 CDs, die Klöcker als Klarinettist mit oder ohne sein Consortium Classicum bei Orfeo einspielte, hat er, der für andere Labels auch populäre Werke aufnahm, uns mit heute so unbekannten Komponisten wie Theodor von Schacht, Andreas Romberg, Vater und Sohn Bärmann - berühmte Münchner Klarinettisten des 19. Jahrhunderts - oder eben Winter bekannt gemacht - in Werken, die es allesamt wert sind, dem Vergessen entrissen zu werden. Oft schrieb Klöcker dazu selbst die Texte für das Beiheft und veröffentlichte damit meist den andernorts nicht zu lesenden Stand der Forschung. Unermüdliches Wühlen in Archiven erfuhr so eine Belohnung - für alle: Musiker, Musikwissenschaftler und Hörer.
Das letzte, das Salieri-Album, macht mit Musik von hörenswerten Opern bekannt, die zwar mittlerweile in Gesamtaufnahmen auf CD erschienen sind, aber immer noch viel zu selten aufgeführt werden: die komische Zauberoper "La grotta di Trofonio" (1785), das dramma tragicomoco um den Despoten "Axur, Rè d'Ormus" (1788) und das Ausstattungsstück "Palmira, Regina di Persia" (1795). Dabei waren etwa die ersten beiden dieser Werke seinerzeit in Wien erfolgreicher als Mozarts gleichzeitig gespielte Da-Ponte-Opern! Rein instrumentale Querschnitte - hier in Ersteinspielung vorgelegt! - sind das, die in einer Zeit ohne CD und Rundfunk für die Verbreitung erfolgreicher Opern sorgten. Die Besetzung ist fast immer je zwei Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte - hier kommt noch ein Kontrabass dazu! Auch wer den Inhalt der Opern und die Arientexte nicht kennt, auf die sich die instrumentale Essenz bezieht, hat große Freude an dieser ausnehmend schönen, farbigen und gehaltvollen Musik der Mozart-Zeit.
Klaus Kalchschmid
Am Sonntag, 16. Juni 2011, spielt das Consortium Classicum im Festsaal von Schloss Schleissheim Mozarts Oktett Es-Dur, eine zeitgenössische Kontrafaktur nach KV 452, Miroslav Webers Septett "Aus meinem Leben" und Beethovens Septett op. 20.