Meldungen

Gewinner des Internationalen Mut-Autorenwettbewerbs 2016 stehen fest

Am Samstag, den 23. Juni, präsentierte das Münchner Gärtnerplatztheater im Akademietheater das Finale »Frei zur Uraufführung!« des Internationalen Mut-Autorenwettbewerbs für musikalisches Unterhaltungstheater. Mit insgesamt 40 eingereichten Stückkonzepten hatten sich Komponisten, Liedtexter und...

65. Internationaler Musikwettbewerb der ARD in den Fächern Kontrabass, Horn, Harfe und Streichquartett

Vom 29. August bis zum 16. September 2016 treffen sich Nachwuchsmusiker aus allen Teilen der Welt in München zum 65. Internationalen Musikwettbewerb der ARD. In diesem Jahr wird der Wettbewerb in den Fächern Kontrabass, Horn, Harfe und Streichquartett ausgetragen. Insgesamt gab es 345 Bewerbungen...

Polizei äußert bei einigen Beschäftigten der Bayreuther Festspiele Sicherheitsbedenken

Bei der Überprüfung des Personals der Bayreuther Festspiele hat die Polizei bei einigen Mitarbeitern Sicherheitsbedenken angemeldet. Die etwa 35 Personen sollen nicht mehr in sicherheitsrelevanten Bereichen, also im Festspielhaus eingesetzt werden, heißt es. Die polizeilichen Bedenken beziehen sich...

Der Preis ist nicht heiß: fragwürdiger Echo-Klassik 2016 vergeben

Anna Netrebko, Philippe Jaroussky, Sol Gabetta, Pinchas Zukerman, Holger Falk, Asya Fateyeva, Grigory Sokolov, Christiane Karg und Andrea Bocelli – sie alle und noch viele viele Musikerinnen und Musiker mehr, 48 um genau zu sein, gehören zu den Preisträgern des Echo-Klassik 2016; frei nach dem...

BR-Klassik-Festspielzeit bietet Festival-Highlights des Jahres 2016

An rund 70 Abenden vom 26. Juni bis 10. September bietet BR-Klassik die großen musikalischen Ereignisse dieses Sommers in Mitschnitten und Liveübertragungen. Den Auftakt machte die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele am 26.6. mit der Neuinszenierung von Jacques Fromental Halévys Oper „La Juive“....

Münchner Philharmoniker starten eigenes Label

Am 30. September 2016 veröffentlichen die Münchner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Valery Gergiev die ersten beiden Live-Konzertaufzeichnugen des orchestereigenen Labels MPHIL: Mahlers Symphonie Nr. 2 (Antrittskonzert) und Bruckners Symphonie Nr. 4. Die Aufnahmen erscheinen ein Jahr nach...

Bayreuther Parsifal-Premiere live auf BR-Klassik und am 30. Juli in 3sat

Die Richard-Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel von Bayreuth werden in diesem Jahr mit der Premiere der „Parsifal"-Neuproduktion eröffnet. BR-Klassik überträgt am Montag, 25. Juli, ab 15.57 Uhr live aus dem Bayreuther Festspielhaus im Hörfunk und im Videostream auf br-klassik.de/concert. Am...

Facebook erhält Verschlossene Auster

Das amerikanische soziale Netzwerk Facebook erhält in diesem Jahr die "Verschlossene Auster", den traditionellen Preis für den Informationsblockierer des Jahres, den die Journalistenorganisation Netzwerk Recherche vergibt. Sie kritisiert damit den intransparenten Umgang von Facebook mit...

Harte Zeiten für Bayreuth-Besucher

Das Bayreuther Festspielhaus verfügt über die vermutlich unbequemsten Opernsitze der Welt. Fünf Stunden Wagner werden hier schnell zu einer Herausforderung für Rücken und Beine, selbst für ausgesprochene Fans des Meisters. Und jetzt dürfen die Besucher nicht mal mehr Sitzkissen mit ins Auditorium...

Musikpreis des VDKD geht an Alexej Gerassimez

Der mit 10.000 Euro dotierte Musikpreis des Verbandes der Deutschen Konzertdirektionen e.V. (VDKD) geht in diesem Jahr an den Percussionisten Alexej Gerassimez. Die Auszeichnung wird jährlich wechselnd an förderungswürdige junge Musiker oder Ensembles, beziehungsweise Bands, aus den Bereichen der...

Hartmut Haenchen springt für Andris Nelsons in Bayreuth ein

Hartmut Haenchen wird den Bayreuther "Parsifal" in diesem Jahr dirigieren. Nelsons hatte die Proben kurzfristig verlassen, weil es zu "atmosphärischen Störungen" gekommen war - was immer das im Detail bedeutet. Die Festspielleitung freue sich, dass es nun gelungen sei, mit...

Revolution im Münchner Nationaltheater: Dallmayr übernimmt Catering von Käfer

Es ist eine gastronomische Revolution, die sich in Münchens Musentempel, dem Nationaltheater, ereignet hat: Nach über 50 Jahren ununterbrochener Tätigkeit als Caterer für die Opernbesucher wird die Firma Käfer diesen Service nun an den Konkurrenten Dallmayr abtreten müssen. Bei einer Ausschreibung...

Nelsons steigt aus Bayreuther Parsifal aus

Der Dirigent Andris Nelsons hat seinen Rückzug von der Bayreuther Neuproduktion des "Parsifal" in diesem Sommer angekündigt. Die Festspielleitung hat bestätigt, dass Nelsons um die Auflösung seines Vertrags gebeten habe. Die Umstände bei den diesjährigen Festspielen hätten nicht die...

Opernpartituren von Spontini in Belgien gefunden

Handschriftliche Partituren von vier verloren geglaubten Opern Gaspare Spontinis sind in der Bibliothek des Schlosses Ursel in Hingene in Belgien sind entdeckt worden. Es handelt sich um die frühen Opern «Il quadro parlante» (1800), «Il geloso e l’audace» (1801), «Le metamorfosi di Pasquale ossia...

427.000 Euro durch Benefizkonzert mit Lang Lang für Bamberger Klosterkirche St. Michael

Das Benefizkonzert zugunsten der Stiftung Weltkulturerbe Stadt Bamberg für die Renovierung der Klosterkirche St. Michael mit Lang Lang, Jonathan Nott und den Bamberger Symphonikern Ende März in der ausverkauften Brose Arena in Bamberg war ein voller Erfolg. Durch den Ticketverkauf und die großzügig...

Siemens Musikstiftung ließ Partituren von Luigi Nono digitalisieren

Über 1,5 Terabyte mit digitalisierten Originalpartituren, Notizen und Skizzen aus der Hand Luigi Nonos hat ein Projekt der Ernst von Siemens Musikstiftung erstellt, das jetzt kurz vor dem erfolgreichen Abschluss steht. Die Daten werden an die Paul Sacher Stiftung übergeben, das digitale Archiv soll...

15. UniCredit Festspiel-Nacht

Sängerinnen und Sänger der Bayerischen Staatsoper mitten in der Stadt – das bietet die UniCredit Festspiel-Nacht am Freitag, 24. Juni, ab 20 Uhr. Zum bereits 15. Mal präsentieren zum Auftakt der Münchner Opernfestspiele Künstler auf mehreren Bühnen und an verschiedenen Spielstätten Höhepunkte aus...

Interpretationen im Vergleich: "L'Orfeo" von Monteverdi

Die Sendung "Interpretationen im Vergleich" auf BR-Klassik widmet sich am 21. Juni, 20.03 Uhr, Claudio Monteverdis Oper "Orfeo".
Im Jahr 1607 komponierte Monteverdi seinen "Orfeo", der bis heute vielen als das erste vollgültige Beispiel der Gattung gilt. Der...

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Hurra, das Wagner-Jahr ist da! - IV. Teil - Zum Raum wird hier die Dynamik

Angela Denoke und Simon O'Neill kurz vor dem gefährlichen Kuss! Foto: Petra Coddington

Ein erster Höhepunkt des jungen Wagner-Jahrs: Thomas Hengelbrock rückte im Dortmunder Konzerthaus Wagners "Parsifal" mit den Originalklangmusikern seines Balthasar-Neumann Ensembles zu Leibe - u.a. mit einem originalgetreuen Nachbau einer Bayreuther Donnerpauke und einer Alt-Oboe, die Wagner dem Englischhorn vorgezogen hat, allerdings ohne die legendären Ritterbratschen, die immer noch als unspielbare Erfindung gelten.

(Dortmund 20.01.2013) Es gibt Aufführungen, die schon genug Schreibstoff liefern, bevor sie überhaupt anfangen. Das als entschlackter „Ruhr-Parsifal“ angekündigte Wagner-"Bühnenweihfestspiel" im Dortmunder Konzerthauses am 20. Januar könnte dazu gehören. Thomas Hengelbrock stand am Pult, ein Dirigent, der in Bayreuth gescheitert ist. Nach der Tannhäuser-Premiere im Juli 2011 ist er nicht mehr  zurück gekehrt. Spekulationen schossen ins Kraut. Aber der Grüne Hügel ist längst nicht mehr das Maß aller Wagnerdinge. Und zum Auftakt des Wagner Jahres 2013 steht Hengelbrocks Name in NRW ganz oben. Konsequent hat er den „Parsifal“ unter den damaligen Bedingungen für Dortmund und weitere Aufführungen in Essen und in Madrid revitalisiert, an einem Klangbild gearbeitet, das den Orchesterklang mehr aus dem „woher“, als dem „wohin“ herleitet.

Das Blech gegen die Streicher, Männer gegen Frauen, Verdammung gegen Erlösung! Inmitten der von Anfang an regierenden Gegensätze schwelgende Holzbläser, oftmals solistisch gekoppelt, drei Klappenflöten, aber nicht die Böhmflöten, die gerade über Paris ihren Siegeszug in die Orchester antraten, sondern die noch konisch gebohrten und daher sanfter klingenden Typen sind im Einsatz. Und die drei frühromantischen Klarinetten halten die Stimmung bis zuletzt perfekt! Inklusive der einen Bassklarinette, die in den ersten beiden Aufzügen stets einen im Verhauchen ausklingenden Nachsatz hat, dass es zum Dahinschmelzen ist. Die vier Hörner blasen wie aus einem Horn, und lassen gestopft wirklich hässlich-hämische Kommentare ab. Die zwei Paukenisten drehen unentwegt an den Kurbeln ihrer sechs Kessel, um auf Tonhöhe zu sein, bevor sie loswirbeln. Und die ändert sich ständig! Bei diesem "Parsifal" lohnt es sich, auf dem Orchesterbalkon zu sitzen und nach unten zu schauen. Das Orchester arbeitet wie selten zu erleben an der Erlösung mit. Und nicht, weil das Orchester entschlackt klingt, ist das ein völlig neues Wagner-Erlebnis. Es klingt gewaltig, und manchmal sogar etwas zu laut für die Sänger.

Auf „kammermusikalisch“ getrimmte Wagner-Partituren sind außerdem nichts neues. Das hat in NRW schon Stefan Soltesz im Graben vom Aalto Theater in Essen oft genug vorgeführt. Aber jetzt fließen die Klangblöcke, die Wagner kontrastreich und bedeutungsschwanger schon in der Ouvertüre gegenüberstellt, so perfekt in einander! Die Übergänge von der einen in die andere Klangwelt gelingen, weil sie hörbar sind und dennoch bruchlos. Und es gibt auch den fließenden Übergang ins Unhörbare auch bei den Streichern, die ohne Vibrato spielen und im unisono ad hoc ein unglaublich durchdringendes Fortissimo aufbauen können. Die Dynamik wird hier zum Raumerlebnis. Und wenn die Posaunen mit der Tuba aus den Untiefen der verruchten Klingsorwelt herauf tönen und die Streicherbögen tremolierend übernehmen, dann wackeln die Wände der hehren Gralswelt.

Auch inhaltlich besteht der "Parsifal" aus nichts als Gegensätzen, die ständig aus verschiedenen Perspektiven vorgeführt sich zu erschüttern versuchen. In der Verführungsszene im zweiten Aufzug wird sogar mit psychologischen Doppelbindungen gearbeitet, die Kundry in ihrer Verzweiflung dem reinen Toren Parsifal aufdrängt, damit er sich ihr endlich ausliefern möge. Fiese Moral bis zum Geht nicht mehr. Bei Wagner braucht am Schluss sogar der Erlöser Erlösung!
Der Balthasar-Neumann Chor als patriarchalische Gralsgesellschaft mal nicht als hin und her irrende oder rumstehende Masse auf der Bühne, sondern konzentriert und wunderbar genau auf der Bühnenempore hinter dem Orchester agierend, zelebriert zusammen mit dem Dortmunder Knabenchor vom Konzerthaus einen himmlischen Karfreitagszauber. Gerade weil der musikalisch so überwältigend ist, stören da einige Worte der Herrengesellschaft und stoßen um so übler auf: „in Leibes Kraft und Stärke, treu bis zum Tod … zu Lebens feurigem Blute, froh im Verein zu kämpfen mit seligem Mute“ … Da hätte man und frau gerne geklatscht nach diesen Worten, einfach um dem umwerfend inszenierten Ritual zwar musikalischen Applaus zu zollen, sich aber dem einbindenden Weihe-Gedanken aus der Publikumsperspektive zu entziehen. Genau das wurde einem ausdrücklich per Videotext auf der Übertiteltafel verboten. Wie nach einer Kommunion musste man Kopfgesenkt den Saal verlassen, ein lächerlicher Wermutstropfen in dieser Aufführung! Schließlich klatscht man auch nach einer Matthäuspassion in der Kirche!

„Durch Mitleid wissend, der reine Tor!“ Den wollen wir nur auf der Bühne! Die im vierstimmigen Solistenquartett mit zwei Chorknaben und zwei Chorsolisten aus dem Chorhimmel vorgetragene Droge half allerdings darüber hinweg und in die Pause. Die Sängerbesetzung war in dieser Dortmunder Aufführung, die noch nach Essen weiterwandert und dann an das Madrider Theater, natürlich ein unerhörter Superlativ. Mark van Hove legt als Grunemanz, der Zuchtmeister und Königsmacher unter den Gralsrittern, eine Sprechverständlichkeit an den Tag, dass man ihm wirklich an den Lippen klebt. Matthias Goerne verkörpert die Zerrissenheit eines Versagers, der zwischen Pflichtbewusstsein und Todessehnsucht hin und her schwankt, auf der Bühne sich windet und an seinen extrem dunkel timbrierten Tönen schwer zu kauen hat. Zumal ihm Victor von Halem als Titurel und Übervater mit Donnergewalt die Leviten liest („Du büß im Dienste deine Schuld!“).
Angela Denoke als Kundry behält in den hochdramatischen Stellen ihrer Mordspartie im zweiten Aufzug eine Rundheit und Wärme, dass ihr in jedem Moment auch als böser Verführerin emotional die Sympathien zu fliegen. Und Johannes Martin Kränzle  leiht in seinem Rollendebüt dem konzertanten Klingsor nicht nur seine bekannten Stimmqualitäten, sondern auch eine Bühnenpräsenz, dass das Böse nur so triumphiert. Herrlich, wie das Gralsmotiv im Orchester musikalisch "entartet". Simon O'Neill ist einer der wenigen Wagnertenöre, denen die großen Töne einfach so aus dem Mund zu fallen scheinen. Und noch einmal hat die Männergesellschaft einen wichtigen Auftritt, wenn sie im dritten Aufzug den Gral endlich wieder enthüllt vor sich haben will. Der Balthasar-Neumann Chor kehrt das gefährliche und aggressive Potential der Herrenklasse ganz deutlich hervor. Mit denen ist im Ernstfall nicht zu spaßen! Das hat hoffentlich auch der reine Tor Parsifal begriffen... Übrigens hat der WDR mitgeschnitten. Wer keine Karte mehr bekommen hat, kann es sich am 19. Mai ab 19.05 Uhr auf WDR3 anhören.

Sabine Weber

Nächste Aufführungen: 26.01. Essen, Philharmonie, 29.01. Madrid, Teatro Real, 31.01.2013 Madrid, Teatro Real und 02.02.2013 Madrid, Teatro Real