Klang-Theater

Thielemann und Kremer führen in München Schumanns Violinkonzert D-Dur auf

(München, 4. März 2010) Selbst wer geglaubt hatte, seine ultimative Interpretation von Beethovens Fünfter mit Nikolaus Harnoncourt und dem Mahler Chamber Orchstra erlebt zu haben, konnte der Verführung nicht widerstehen, der Christian Thielemann und die Münchner Philharmoniker ihn aussetzten. Schon die Orchesterbesetzung mit acht Kontrabässen wies den Weg zu einer üppigen Klangbasis. Entsprechend inszenierte Thielemann Beethovens "Schicksal-symphonie" aus romantischem Geist: Mit pulsierendem Vorwärtsdrang im Kopfsatz, mit lustvoll ausgekosteten, satten Steigerungen im 3. und 4. Satz und mit untrüglichem Sinn für die richtige "Beleuchtung". Bei aller Hitzigkeit und Massierung des Klangs, verlor er die Transparenz nie aus dem Blick, holte Nuancen - ob in den Holzbläsern(Oboe) oder in den Streichern (Bratschen) - ans Licht und riss den Zuhörer mit in die Entfesselung der Schlusscoda. Großes Klang-Theater! Zu dem sich die Philharmoniker von ihrem (noch-)Chef mit Freude herausfordern ließen. Danach schäumte die Begeisterung im Publikum hoch.

Zuvor hatten Thielemann und das Orchester dem heuer 200jährigen Schumann gehuldigt. Nicht auf dem einfachsten Weg (etwa mit der "Rheinischen"), sondern mit dem nicht unproblematischen späten Violinkonzert in d-Moll. Es erklang nach einer dramatisch brodelnden Wiedergabe der Ouvertüre zu Schillers "Die Braut von Messina". Der introvertierte, klar analysierende Gidon Kremer arbeitete sich an dem nicht für die Gasteig-Akustik geschaffenen riesigen Solo-Part ab und Thielemann dimmte das Orchester in Grenzbereiche, trumpfte nur im Alleingang auf. Ob er mit einem "saftigeren" Solisten mehr Reibung erzeugt hätte?
Gabriele Luster

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