Das Tecchler Trio und Klarinettist Sebastian Manz mit einem Geburtstagskonzert für Robert Schumann beim Bayerischen Rundfunk in München
(München, 8. Juni 2010) "Auge gegen Auge, da sieht man die Fetzen alle, die die Blößen verbergen sollen", schrieb Robert Schumann über das kammermusikalische Miteinander, das er so liebte, weil er in ihm ein menschliches und ästhetisches Rückzugsgebiet fand. Unersetzliches hat Schumann für verschiedene kammermusikalische Besetzungen komponiert. Anlässlich seines 200. Geburtstags am 8. Juni hat das Tecchler Trio gemeinsam mit dem Klarinettisten Sebastian Manz einiges davon beim Bayerischen Rundfunk in München präsentiert.
Das Konzert der ARD-Preisträger der Jahre 2007 und 2008 war das zweite von insgesamt drei live übertragenen Konzerten, die BR-Klassik in diesem Jahr den Jubilaren Chopin, Schumann und Mahler widmet. Im Vergleich zu Anna Gouraris Chopin-Abend Anfang März war es recht mäßig besucht: Nur etwa die Hälfte des kleinen Studios 2 im Münchner Funkhaus war besetzt. Schumann füllt nicht so leicht die Häuser, auch in seinem Jubiläumsjahr nicht. Während unzählige Pianisten mit Chopin durchreisen und jedes Orchester, das auf sich hält, einen Mahler-Zyklus stemmt, sind die Veranstalter relativ zögerlich, in größerem Maße Schumann aufs Programm zu setzen. Wie beglückend ein Schumann-Abend sein kann, wenn Interpreten sich dieser Musik und deren innerem Glühen ganz verschreiben, hat das Konzert mit dem Tecchler Trio und Sebastian Manz bewiesen. Selten hört man Kammermusik in unterschiedlichen Besetzungen auf so durchweg hohem Niveau.
Konzessionen an das Publikum machten die Musiker dabei ebenso wenig wie Schumann selbst. Im Klaviertrio op. 63 und in der späten Sonate für Violine und Klavier op. 105 lässt Schumann die Hörer kaum zum Atmen kommen, so ungeduldig peitscht er - mit recht wenig thematischem Material auskommend - motivische Entwicklungen voran und setzt auseinanderstrebende Seelenzustände abrupt nebeneinander. Die drei Mitglieder des Tecchler Trios, die Geigerin Esther Hoppe, der Cellist Maximilian Hornung und der Pianist Benjamin Engeli, plausibilisierten Schumanns Musik, indem sie im intuitiven, gleichberechtigten Miteinander den Kraftstrom gemeinsam dosierten und allein demjenigen den Vortritt ließen, dem Schumann Besonderes zu sagen gab.
Auch Maximilian Hornung, der als Solocellist der BR-Symphoniker und künftiger Sony-Exklusivkünstler mit gerade einmal 24 Jahren schon eine staunenswerte Karriere hingelegt hat, fügte sich völlig natürlich und selbstverständlich in dieses Konzept. Die Fünf Stücke im Volkston op. 102, die er gemeinsam mit Pianist Engeli interpretierte, missverstand er weder als simple musikalische Mundartdichtung, noch pfropfte er ihnen unpassende Manieriertheiten auf. Hornungs Ton ist ebenso edel wie klar fokussiert, sein Blick für Form und Struktur von verblüffender Reife. Musikalische Bögen gelingen ihm organisch, sie geben dem Hörer das angenehme Gefühl des "So soll es sein".
In Jörg Widmanns Nachtstück, das den Schumann-Abend mit Modernem würzte, trat noch der schlanke, weiche Klarinettenton von Sebastian Manz hinzu, mit dem dieser auch Schumanns Fantasiestücke op. 73 veredelte. Hornung und Manz zauberten verwischte Klangwirkungen, ließen Töne auseinander erwachsen und befragten ihre Instrumente auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Jörg Widmann zählt den mutigen Neuerer Schumann zu seinen größten musikalischen Vorbildern. Eines sollte sich Widmann, der sich so gerne und ausführlich zu eigenen Werken äußert, vielleicht noch vom großen Musikschriftsteller Schumann abschauen: Wenn Komponisten über Musik schreiben, dann besser nicht über die eigene. Gute Musik erkennt man auch daran, dass sie verstanden wird, ohne erklärt zu werden.
Markus Schäfert