Geiger und Dragon

Tan Dun Foto: Nan Watanabe

Tan Dun dirigiert bei den Münchner Philharmonikern eigene Werke - Lang Lang spielt eines davon

(München, 3. April 2009) Es ist ein weiter Weg von Garmisch-Partenkirchen nach Peking - von Richard Strauss zu Tan Dun. Auch wenn der chinesische Komponist, der vor allem als Filmkomponist (er bekam einen Oscar für "Tiger and Dragon") berühmt wurde, natürlich souverän mit westlichen Kompositionstechniken umzugehen versteht, liegt der Reiz seiner Musik gerade in der Verbindung dieser Techniken mit traditionellen Elementen der chinesischen Musik. Etwa in seinem Konzert für Pipa und Streichorchester von 1999. Die chinesische Laute ist eines der charakteristischsten Instrumente der traditionellen chinesischen Musik. Tan Dun bindet sie in einen Dialog mit westlichen und chinesischen Musikelementen ein. Dabei müssen die Geigen fernöstlich klingende Melodien in ziemlich raschem Tempo spielen, in Skalen, die unseren Ohren fremd sind. Die Streicher der Münchner Philharmoniker - die sich gerade von Christian Thielemann zum ersten Strauss-Orchester der Welt ausbilden lassen - ließen sich nicht schrecken und folgten dem sympathischen Tan Dun auf diesem abenteuerlichen Weg - auch wenn das gelegentliche Rufen, Schreien, Schnauben - das von den Musikern außerdem verlangt wird - vielleicht doch ein wenig zu viel des Guten (Chinesischen?) ist. Wie überhaupt sich in den beiden Werken Tan Duns, die an diesem Abend zu hören waren - außerdem noch das für Lang Lang komponierte Klavierkonzert mit dem Titel "Fire" aus dem vergangenen Jahr - sich der Eindruck einer mehr am Effekt orientierten Filmmusik einstellte. Es gibt in diesen Stücken kaum thematisches Material, mit dem gearbeitet wird, und wenn, dann ist es so kleinteilig und mitunter banal einfältig, dass man kaum von einer wirklich eigenständigen Kunstmusik sprechen mag. Vielmehr vermißt man stets den Film, der dazu gezeigt wird.

Der hochmögende Pianist Lang Lang kann in dem Klavierkonzert zwar manchmal mit rhythmischem Staccato auf sich aufmerksam machen, bleibt aber doch über weite Strecken einigermaßen unterfordert. Das gilt insbesondere für den langsamen Satz des dreisätzigen Werks, der ohne Zweifel eine schöne elegische Melodie im Klavier als thematisches Zentrum hat. Tan Dun führt diese aber nicht weiter, entwickelt sie nicht. Er stellt sie aus, auf dass sie bewundert werde - und das war's. Vielleicht Material für eine gute Filmmusik, aber keine Konzertmusik! Die Philharmoniker machten gute Miene zum seltsamen Spiel und entledigten sich ihrer Aufgabe mit Anstand und freundlichem Bemühen.

In den darüber hinaus zu hörenden Stücken, dem "Feuertanz" von Manuel de Falla und vor allem der Tanz-Suite von Béla Bartok war das Orchester dann doch noch gefordert und entwickelte rhythmischen Drive und musikantischen Charme (wenngleich manchmal die Lautstärke über den Ausdruck triumphierte).

Robert Jungwirth