Wettbewerbs-Kalender

Allgemeine Information unter: www.ard-musikwettbewerb.de

Das Abschlusskonzert wird statt Hans Zender, der aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, die junge estnische Dirigentin Anu Tali leiten. [Biographie lesen]

Preisträgerkonzerte

Die Preisträger des 56. ARD Musikwettbewerbs stellen sich in drei Konzerten noch einmal dem Publikum vor

Seit einer Woche ist das Orchesterkonzert am 21. September mit den Preisträgern und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ausverkauft.  Interessierte haben aber die Möglichkeit, dieses Konzert live auf Bayern4Klassik mitzuverfolgen.

Es gibt jedoch noch Karten für die Konzerte am 19. und 20. September im Prinzregententheater.  Beim Kammerkonzert am 19. September sind zwei der vier Auftragskompositionen sowie Werke für kleinere Besetzungen zu hören:  das Concerto für Oboe und Klavier von Antonio Pasculli, die Sonate für Posaune und Klavier von Stjepan Sulek und das Klaviertrio von Maurice Ravel. Es spielen Maria Sournatcheva (Oboe), das Tecchler Trio, Juan Carlos Matamoros (Posaune) und das Trio Cérès. Den Abschluss bildet Béla Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, bei der Vassilena Serafimova zusammen mit dem Duo d'Accord und dem Duo Double Drums auftritt. 

Am 20. September spielen die Preisträger, begleitet vom Münchener Kammerorchester. Auch hierfür gibt es noch Karten. Auf dem Programm stehen Werke von Mozart, Beethoven und Ferdinand David. Außerdem kommen die beiden Auftragswerke von Olli Mustonen und Matthias Pintscher zur Aufführung. Es musizieren die Preisträger Ivan Podyomov (Oboe), das Morgenstern Trio, Ramón Ortega Quero (Oboe), Johannes Fischer (Schlagzeug) sowie Frederic Belli (Posaune).

Termine:

Kammerkonzert
Mittwoch, 19. September,
20 Uhr
Prinzregententheater
live-Übertragung in Bayern 4 Klassik

Konzert mit dem Münchener Kammerorchester
Donnerstag, 20 September,
20 Uhr
Prinzregententheater
live-Übertragung in Bayern 4 Klassik

Konzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung Anu Tali
Freitag, 21. September,
20 Uhr
Herkulessaal der Residenz
live-Übertragung Bayern 4 Klassik

Eintritt:
Eintrittskarten für die Konzerte beim 
BRticket-Service im BR-SeviceCenter, Tel. 5900-4545 oder bei
MünchenTicket, Tel. 54 81 81 81, Fax 54 81 81 54

Der ARD-Wettbewerb in Bayern 4 Klassik und im Bayerischen Fernsehen:
Ab 5. September gibt es von Montag bis Freitag aktuelle Informationen in den Magazinen "Allegro"
(6 bis 8 Uhr) und "Leporello" (16 bis 18 Uhr), am Wochenende in "Piazza" (9 bis 12 Uhr).
Außerdem im Programm: die Berichterstattung über die Finalrunden mit Musik und Interviews am
Montag, 17. September, 20:05 Uhr, und eine zusammenfassende Reportage über den Wettbewerb
am Dienstag, 18. September, 20:05 Uhr.
Die Preisträgerkonzerte am 19., 20. und 21. September werden jeweils um 20:05 Uhr live übertragen.
Das Orchesterkonzert wird aufgezeichnet und im Bayerischen Fernsehen am 3. Oktober 2007 um
10 Uhr gesendet, am 21. Oktober 2007 um 21:15 Uhr in BR alpha.

ARD-Wettbewerb aktuell

Klaus Kalchschmids Wettbewerbs-Tagebuch

Klaus Kalchschmid verfolgt für KlassikInfo den diesjährigen ARD-Wettbewerb. Bis zum Preisträgerkonzert besucht er den Wettstreit der Solistinnen, Solisten und Ensembles um die ersten Plätze. Wie spannend es beim Ringen um den musikalischen Erfolg zugeht, davon berichtet er hier in loser Folge. Viel Vergnügen beim Lesen!

 

(16. September) Am Ende siegte im Finale Schlagzeug auch der Mann, der schon zuvor das Semifinale in der Musikhochschule mit einer fesselnden Wiedergabe des zeitgenössischen Pflichtstücks, der Auftragskomposition "Nemeton" von Matthias Pintscher und einer nicht minder packenden Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug von Béla Bartók gekrönt hatte. Da Lucie Antunes aus gesundheitlichen Gründen nicht hatte antreten können, gingen Johannes Fischer im Semifinale nur die Bulgarin Vassilena Serafimova und die Japanerin Mariko Nishioka voraus, wie auch beim Finale.

Die 22-jährige Vassilena Serafina hatte von der ersten Runde an überzeugt, ging nun auch forsch und selbstbewusst an "Nemeton" und trotzte dem schwierigen, beim ersten Hören nicht gerade eingängigen Stück einiges an musikalischer Logik ab. Mariko Nishioka spielte noch lebendiger, zugleich näher am Text und gestalterisch freier. Wer freilich nicht die Pressemitteilung über das Stück lesen oder gar die Noten mitverfolgen konnte, brauchte wohl bis zum kongenialen Spiel Johannes Fischers, um hörend das Werk nachvollziehen zu können.

Der Titel "Nemeton" ist ein keltischer Begriff, "der einen Ort gebannter Kraft und konzentrierter Energien beschreibt - wie Stonehenge", so der Komponist. Und weiter: "Einzelne Klangpunkte und solitäre Ereignisse zu Beginn des Werkes beschreiben zunehmend einen sich verdichtenden Raum, der sich energetisch auflädt und später zur Implosion geführt wird." Fischer spielte auswendig (!) und agierte virtuos auf den Metall-, Holz- und Fell-Instrumenten, "die selber keinen 'eigenen' Nachklang haben. Die Strecken zwischen den Tönen beschreiben und definieren den jeweiligen Grad der Energieaufladung, so als ob zwei Menschen in großer Erwartung und Vorfreude einer Begegnung sich reisend aufeinander zubewegen". Aber auch unter den vorgeschriebenen Zymbeln, Röhrenglocken, Hängebecken oder Tamtams hatte Fischer besonders farbige ausgewählt und es gelang ihm damit genau die vom Komponisten erhoffte "Energieaufladung", ebenso wie er zwischen den klingenden Ereignissen, die oftmals in ganz leisen Spähren entstehen, ein faszinierendes Kontinuum an Spannung erzeugen konnte.

Wen wunderte es da, dass Johannes Fischer auch bei Bartók noch klarer und schärfer als seine beiden Kolleginnen akzentuierte; dass er wilder und zugleich kontrollierter agierte, aber auch wie ein Magnet wirkte, dessen perkussive Energie die Mitspieler anstachelte. Das an Originalität und Verarbeitung des musikalischen Materials, an gleichsam abstraktem Ausdruck kaum vergleichbare und ob seines Schwierigkeitsgrads und der raren Besetzung selten im Konzert zu hörende Werk erfuhr so eine elektrisierende Aufführung. Das Duo d'Accord (Lucia Huang und Sebastian Euler), Alexander Glöggler und Philipp Jungk, die jeweils die Wettbewerbsteilnehmer im ersten bzw. zweiten Teil der Bartók-Sonate als Schlagzeuger "begleiteten", hatten an diesem fulminanten Eindruck keinen geringen Anteil.

Zwei Tage später traten Fischer, Mariko Nishioka und Vassilena Serafina im Herkulessaal der Residenz an, um dort jeweils Carlo Roqué Alsinas "Themen II" für Schlagzeug solo und Streicherensemble aus dem Jahr 1974 zu spielen. Diesmal fiel die Japanerin gegenüber der Bulgarin ab, die weitaus kraftvoller, farbiger und bezwingender zu spielen vermochte und zurecht einen zweiten Preis erhielt, während Mariko Nishioka leer ausging.

Wie dann aber Johannes Fischer - wiederum auswendig spielend - nicht nur exzellent und unübertroffen Schlagzeug spielte, sondern zusammen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Sebastian Tewinkel grandios Musik machte, war einfach beglückend. Er hatte eine vollkommen andere, dichtere Aufstellung des reichen, im schnellen Wechsel zu bedienenden Instrumentariums vorgenommen und auch dieses Instrumentarium innerhalb des vorgegebenen Rahmens klug gewählt. Seine Interpretation des Stücks begann er nicht nur mit einem virtuos vibrierenden Pfeifen (das bei seinen Kolleginen nur ein schwach tönender Luftzug war), sondern vermochte mit untrüglichem Gefühl für die Wahl der Schlegel, die Variabilität des Schlags, die Differenziertheit der klingenden Ereignisse (wann etwa ein Gongschlag nachhallen durfte oder wie Becken zu dämpfen sind), aber auch die komplexe Rhythmik und die enge Verzahnung seines Parts mit dem Orchester zu spielen. Der 26-jährige agierte darüberhinaus mit einer Lust und Beweglichkeit, die schon das Zuschauen zum Genuss machte.

 

(15. September) Zum ersten Mal in der 56-jährigen Geschichte des ARD-Musikwettbewerbs wurde ein erster Preis im Fach Posaune vergeben. Und diesmal waren sich Publikum, Jury und das Gros der Musikjournalisten überraschend einig. Denn der erst 22-jährige Fabrice Millischer, schon nach dem Semifinale nicht zuletzt mit dem grandios gespielten zeitgenössischen Pflichtstück "Zur Zeit der letzten Posaune" von Stefan Heucke der absolute Favorit, gewann ihn zusammen mit dem Publikumspreis.

Im 25-jährigen Frederic Belli aus Deutschland, der den zweiten Preis erhielt, hatte der Franzose allerdings - anders als noch beim Semifinale - einen harten Konkurrenten, der das effektvoll gefällige, mit allerhand musikalischen Stilrichtungen flirtende Konzert für Posaune und Orchester von Henri Tomasi fast genauso gut und differenziert spielte. Das sehr geradlinige, nicht besonders inspirierte, oft allzu laute und etwas am gehobenen Unterhaltungscharakter der Musik vorbeizielende Spiel des Spaniers Juan Carlos Matamoros reichte zurecht nur für einen dritten Preis.

Welche Bandbreite des Musizierens allerdings bei Fabrice Millischer im Herkulessaal: Er überzeugte mit genauso sanft ausschwingendem Vibrato, feiner Phrasierung, sensiblen dynamischen Abstufungen und stimmiger Phrasierung wie Belli. Doch der Franzose demonstrierte noch ein wenig mehr Lässigkeit im Umgang mit den Jazz-Elementen des Konzerts. Er besaß ein perfekt sitzendes Nervenkostüm, war weder um die komponierte Walzer-Seligkeit noch leise Töne verlegen. Er vermochte aber sogar zusammen mit dem Symphonieorchester des BR unter Sebastian Tewinkel dem etwas eigentümlichen Humor des Schlußsatzes mit der Vortragsbezeichnung "Allegro giocoso" einige Facetten abgewinnen und konnte selbst im strahlendsten fortissimo sein Instrument weich und locker klingen lassen.   

 

(14. September) Schade, dass das Publikum nie erfahren wird, warum eine Jury bestimmte Musiker in die nächste Runde weiterkommen läßt, andere dagegen nicht. Beim Semifinale im Fach Posaune traten zusammen mit dem Münchener Kammerorchester vier Kandidaten an. Zwei davon waren technisch und in der musikalischen Interpretation herausragend, schlicht perfekt in Ansatz, Tongebung, dynamischer Gestaltung: Fabrice Millischer aus Frankreich und Quirijn van den Bijaard aus den Niederlanden. Der Franzose kam zu Recht ins Finale, weil er Johann Georg Albrechtsbergers B-Dur-Konzert nie mit zuviel Luft, aber mit berückend schönem, geschmeidigen und weichem Ton und dabei absolut präziser Intonation spielte. Aber auch im Pflichtstück, der Auftragskomposition Stefan Heuckes mit dem Titel "Zur Zeit der letzten Posaune, Adagio für Posaune und Klavier" klangen die Fanfaren des jüngsten Gerichts geradezu schrecklich schön, waren Glissandi butterweich geformt, wurden Tonrepetitionen gestochen scharf artikuliert, konnte man Tonleiter-Segmente als differenzierte Farbe und nicht als Füllwerk erleben.

Fast dieses Niveau erreichte zuvor Qirijn van den Bijaard, zumal er auch Georg Christoph Wagenseils Konzert für Posaune und Orchester Es-Dur mit schönem Ton und untadeligem Ansatz gemeistert hatte. Ins Finale reichte es dennoch bedauerlicherweise nicht. Gemocht hatte die Jury allerdings wohl den metallischen, ausladenden Klang, den Juan Carlos Matamoros aus Spanien bevorzugte und seine sehr direkte, großflächige musikalische Gestaltung der "letzten Posaune". Der Deutsche Frederic Belli hinterließ bei diesem Heucke-Adagio zwar einen besseren Eindruck, aber auch zwischen ihm und Millischers Feinsinnigkeit und Eleganz lagen Welten.

Um so spannender dürfte es nun beim Finale am Samstag, 15. September (17 Uhr) im Herkulessaal der Residenz werden. Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Sebastian Tewinkel spielen Frederic Belli, Juan Carlos Matamoros und Fabrice Millischer jeweils das Posaunen-Konzert von Henri Tomasi (1901 - 1971).

(13. September) Eigentlich bedürfte es kaum noch des Finales. Denn beim dritten Durchgang haben zwei von vier Klaviertrios mit großem Abstand zu ihren Kollegen bewiesen, dass sie sich mit höchster Sorgfalt, Fleiß, Präzision, Intensität und Detailgenauigkeit nicht nur in die Partitur von Tobias PM Schneids zweitem Trio - einer Auftragskomposition des ARD-Wettbewerbs - versenkt hatten und dem farbigen, anspruchsvollen Stück damit zu einer exzellenten doppelten Uraufführung verholfen hatten. Denn auch mit Schubert und Ravel gelangen ihnen beglückende Interpretationen.

Nie zuvor in diesem Wettbewerb hat das Trio Cérès so gut gespielt wie im Semifinale. Denn es war große Kunst, wie sie im Kopfsatz von Schuberts B-Dur-Trio D 898 den Tönen Körper gaben und den dramatischen Fluss der Musik gleichsam in Szene setzten ohne aber - wie zuvor das Morgenstern-Trio, das gleichwohl dennoch im Finale antreten darf - bei allzu sprödem Klang das Gefühl von permanenter Anspannung der Interpreten zu geben. Obgleich sie drei ganz eigenständige Musiker sind - der eminent plastisch, mit ausnehmend schönem Ton fein expressiv spielende Geiger Julien Dieudegard, der in jeder Phrasierung nicht minder präsente Pianist Samuel Parent mit seinem differenzierten, "singenden" Anschlag und die intensiv aus dem Hintergrund agierende Cellist - obgleich das Trio Cérès also aus drei verschiedenem Charakteren besteht, erzeugten sie doch auch im langsamen Satz des Schubert-Trios eine immense Leuchtkraft des Klangbildes und ließen die Musik in jedem Takt "sprechen". Auch im dritten und vierten Satz demonstrierten sie ein zupackendes Musizieren ohne jede sichtbare Anstrengung, ganz aus dem Geist der Musik heraus.

Bei Schneids Klaviertrio zeigten sie dann, dass sie nicht nur die intensiv ineinander verzahnte Textur aufschlüsseln und mit staunenswerter Klarheit realisieren konnten, sondern auch die Satzcharaktere - zwei ruhige, schlichte, zart sich entfaltende Teile stehen zwei schnellen entgegen - erfassen und vermitteln konnten. Kein Wunder, dass danach auch die ersten beiden Sätze von Ravels a-moll-Trio von hell schimmerndem, irisierend mediterranem Licht durchflutet waren.

Das Trio Tecchler spielte als einziges Ensemble zum Abschluss der sechseinhalbstündigen Parforce-Tour  Schuberts ergreifendes Es-Dur-Trio. Und schon mit den ersten Takten war klar, dass auch der faszinierend wache und souveräne Benjamin Engeli (Klavier), die bei aller Bescheidenheit intensive Esther Hoppe (Violine) und der nicht minder perfekte Kammermusiker Maximilian Hornung (Cello) sich die Vorstellungswelt des Komponisten bis in die hintersten Winkel ergründet haben, aber dennoch der Musik ihr Geheimnis beließen (Nach diesem ersten Satz gab es einstimmiges, sichtbar entzücktes Kopfnicken der Zuhörerinnen um mich herum). Frappierend zu erleben war auch im tatsächlich sehr flüssig gespielten Andante con moto, dass bei wunderbar ausdrucksvoller Phrasierung gerade durch diese Unsentimentalität die schwedische Volksmelodie, und wie sie Schubert verwendete, eine ergreifende Intensität gewann. Überraschend dann, dass mit einem Mal im Scherzo - wie auch für Momente in den übrigen Sätzen - eine trotzig stolze, geradezu fieberhaft zitternde Geste sich zeitweilig Bahn brach und eine Saite des Cellisten zum Reißen! David Tecchler war es im Übrigen, der das hier zu hörende wunderbare Cello 1705 gebaut hatte und dem Trio seinen Namen gab.

Wer geglaubt hatte, dass das Trio Cérès schon alle Facetten des Schneid-Trios ausgelotet hatte, durfte staunend feststellen, dass das Tecchler Trio im Kopfsatz der "Three farewells and intermezzo for L" noch präziser die Flageoletts bei Doppelgriffen oder Glissandi realisierte, die Kulminationspunkte noch stringenter avisierte und explodieren ließ, aber auch dem finalen "Schlaflied für L" eine schließlich noch innigere Färbung gab und selbst bei der Auflösung in ein reines A-Dur über jeden Verdacht des Kitsches erhaben war. Auch die beiden Sätze des Ravel-Trios schillerten um eine Spur aufregender als beim Trio Cérès.
   
Im Finale am Freitag (19 Uhr) im Herkulessaal spielen Tecchler Trio, Morgenstern Trio und Trio Cérès zusammen mit dem Symphonieorchester des BR unter Leitung von Sebastian Tewinkel jeweils das Tripelkonzert von Ludwig van Beethoven.

 

(12. September). Die Enttäuschung war wohl ebenso groß bei manchem Klaviertrio wie bei einigen Zuhörern, die ihre Favoriten seit der ersten Runde gespannt verfolgt hatten. Denn von den 15 Trios, die noch in der zweiten Runde spielen durften, haben es ganze vier ins Semifinale geschafft: Das Ars Trio aus Russland, Tecchler Trio (Schweiz/Deutschland), Morgenstern Trio (Deutschland/Frankreich) und das französische Trio Cérès. Die letzten drei spielten am Dienstag-Vormittag unmittelbar hintereinander und so hatten Juroren wie Publikum die Gelegenheit zum direkten  Vergleich.

Den besten Eindruck hinterließ für mich das Morgenstern Trio. Denn die Spannkraft und Stringenz, mit der Catherine Klipfel (Klavier), Nina Reddig (Violine) und Emanuel Wehse (Cello) die Ecksätze von Beethovens op. 70/1 spielten, war verblüffend. Nicht minder beeindruckte das traumhaft schön gespielte schmerzerfüllte Arioso, das sie aus dem langsamen Satz herauslasen. In den ersten drei Sätzen von Dvoráks e-moll-Trio boten die drei zwischen Innigkeit und wilder, tänzerischer Entfesselung ein großes Spektrum. Und Schostakowitschs op. 67 spielten sie so intensiv, facettenreich und trennscharf präzise, dass es in der Seele, aber und nicht in den Ohren wehtat.

Das Tecchler Trio überraschte schon dadurch, das es unter den Pflichtstücken nicht auf die bekannten Pferde setzte, sondern mit Henzes Kammersonate und dem zweiten Mendelssohn-Trio nicht ganz so populäre Stücke wählte. Vor allem Henze boten Benjamin Engeli (Klavier), Esther Hoppe (Violine) und Maximilian Hornung (Cello) oftmals wunderbar weich abgetönt und, etwa im zweiten Satz, gläsern filigran. Insgesamt spannender und erfüllter klang auch Mendelssohns op. 66, während man Beethovens op. 70/2 - sieht man vielleicht ab vom sehr flüssig und lebendig gespielten zweiten Satz ab - in diesem Wettbewerb schon aufregender gehört hatte. Nicht zuletzt beim Ars Trio, dessen Musiker mit ihrer harschen, grimmigen Lesart mutig kompromisslos waren und sich auch bei Mendelssohn und Schostakowitsch als wahre Ausdrucksmusiker erwiesen. Das Trio Cérès betonte beim selben Beethoven-Trio den großen Zug, die Kompaktheit und Dramatik. Auch den langsamen Satz und das Finale aus Robert Schumanns g-moll-Trio spielten sie bezwingend intensiv, überzeugten aber am meisten mit dem Henze-Trio, das sie so romantisch und elegisch darboten, wie es wohl gemeint ist - ohne Angst vor Emotion oder Klangschönheit.

Dass allerdings nur diese vier (von sechs theoretisch möglichen) Ensembles zum Halbfinale zugelassen wurden, ist schwer nachzuvollziehen. Mindestens zwei der folgenden Trios hätten es aus verschiedenen Gründen verdient, in einem weiteren Durchgang mit Schubert und dem Auftragswerk von Tobias PM Schneid (Klaviertrio Nr. 2), also mit ganz anderem Repertoire ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen: Das französische Trio "con fuoco" setzte mit Beethovens op. 70/1 durchaus Maßstäbe in tief empfundenem Ausdruck und einer technischen Präzision, dank derer noch das Presto trotz eines sehr schnellen Tempos durchhörbar blieb und nie verhetzt klang. Endlich einmal spielte ein Trio außerdem Ernest Chaussons op. 3. Für Franzosen war das wohl weniger Pflicht als eine bravouröse Kür.
Und dann das russische Con Spirito Trio. Zwar konnte es im zweiten Durchgang nicht ganz so überzeugen wie mit Haydn und Brahms im ersten, aber erneut bewies Pianistin Tatiana Kolesova ihre enorme Führungsstärke, hielt das musikalische Geschehen stets in Hochspannung, war Georgy Kolesov ein eminent ausdrucksvoller Cellist. Nur der in der ersten Runde ebenfalls exzellente Geiger schien nicht die beste Tagesform zu haben.
Man mag die Magie der leisen Töne, die das Trio Amadeo aus Mexiko, Rumänien und Spanien in fast jedem Takt zu erzeugen suchte, manieriert finden, bei Dvorák oder Beethoven öffnete es die Ohren. Denn man hörte Details, harmonische Färbungen oder melodische Wendungen, die sonst untergehen. Und als Zuhörer wurde man in jedem Takt zu konzentriertem Lauschen, ja zum Hineinhorchen in die Musik geradezu gezwungen.

Am heutigen Mittwoch-Nachmittag ist beim Semifinale im Prinzregententheater um 16 Uhr das Morgenstern Trio zu hören mit Schuberts B-Dur-Trio D 898, Ravel, und dem zweiten Klaviertrio von Tobias PM Schneid; um 17.30 Uhr das Trio Cérès (Schubert B-Dur, Ravel, Schneid), um 19.15 Uhr das Ars-Trio (Schubert B-Dur, Ravel, Schneid) und zum Abschluss um 20.45 Uhr das Tecchler Trio mit Schuberts Es-Dur-Trio D 929, Ravel und Schneid.

 

(9. September) Instrumente im Wert von 1,8 Millionen Euro stehen da auf dem Podium der Musikhochschule oder nebenan im Depot für die nächsten Durchgänge im Fach Schlagzeug. Einst war dies eine Domäne der Männer. Doch in diesem Jahr machen beim ARD-Wettbewerb 20 von ihnen 15 Frauen Konkurrenz. Nach wie vor sind die Asiaten stark vertreten - vierzehn (davon nur vier Männer!) der 35 Teilnehmer stammen aus Taiwan, Japan, China und Malaysia, wo Schlaginstrumente traditionell stärker in Kultur und Religion verwurzelt sind als in Europa oder Amerika. Die Deutschen stellen gleichwohl mit sechs Vertretern, die allesamt am Sonntag zu hören waren, unter den Nichtasiaten die größte Gruppe dar.

Noch läuft der 1. Durchgang, aber schon jetzt steht nach der Halbzeit fest (die Jury hat über die Teilnehmer, die bis Sonntagmittag antraten, entschieden), dass Simon Rössler, Johannes Fischer und Julian Belli die zweite Runde erreicht haben. Alle spielten sie - wie die meisten anderen Teilnehmer auch - unter anderem den zweiten Teil des berühmten Stücks ?Rebond? von Iannis Xenakis. Rössler agierte frei und durchaus exzentrisch, Belli war nicht ganz so wild, aber enorm präzise. Nach der Mittagspause nahm Raphael Sbrzesny mit Genauigkeit und großem Ernst für sich ein, während Robert Stock eine Unerbittlichkeit, Stringenz und souveränen Umgang mit Tempomodifikationen an den Tag legte, die ihn durchaus für die zweite Runde qualifizieren würden. Ebenso gut gelang ihm ein weiteres Pflichtstück, "Ta'wil" von Alain Féron. Aber mit zwei Sätzen der Bearbeitung einer Bachschen Cello-Solo-Sonate zwischen BWV 1007 und 1012 - die alle auf dem Marimbaphon gespielt werden mussten - tat er sich schwer. Prelude und Sarabande aus BWV 1009 krankten an Dauer-Forte und wenig sensibler Gestaltung.

Das war vor allem im direkten Vergleich mit Ting Wang aus China zu hören, die nicht nur hier viel schöner und leiser spielte, sondern auch bei Féron eine elektrisierende archaisch-rituelle Kraft vermittelte. Diese Pfunde verspielte sie allerdings fast bei Xenakis - nicht zuletzt weil ihr gleich zweimal die Schlegel aus den Händen glitten - wie einmal auch ihrer Kollegin Agnieska Koproaska-Born aus Polen gleich um 10 Uhr morgens. Aber das ist ja wie ein Sturz bei den Eiskunstläufern, der zu Recht kaum gewertet wird. So kam sie in die zweite Runde, wie auch Vassilena Serafimova aus Bulgarien, die vor allem "Ta'wil" enorm geschmeidig und rhythmisch präzise spielte.

Die schlanke, trotz ihrer Größe fast zierliche Taiwanesin Hwey-Ying Ferng brachte am Nachmittag eine ganz neue Qualität in den Wettbewerb ein: Eleganz, gepaart mit Kontrastreichtum, präzise gesetzten Akzenten und einer Farbenvielfalt in der Intensität des Schlags. Es bleibt also spannend: Weitere Informationen am Ende des zweiten Durchgangs Dienstag-Vormittag!   


(8. September 2007) Wann je kann man im normalen Konzert- und Musikbetrieb innerhalb eines Tages je dreimal das zweite und dritte Klaviertrio von Johannes Brahms hören oder gar ebenso oft ein so selten gespieltes Werk wie das höchst eigenwillige und originelle C-Dur-Trio Haydns (Hob XV:27)? Noch dazu am selben Ort? Der ARD-Wettbewerb in München machts möglich. Und wie schon die Organisatorin Ingeborg Krause im klassikinfo-Interview verriet, "gibt es durchaus so etwas wie einen Wettbewerbs-Tourismus", will heißen, Musikbegeisterte richten einen Urlaub danach aus, um in München von Anfang an dabei zu sein, wenn etwa aus 24 Klaviertrios 15 ausgewählt werden, um zur zweiten Runde ab Sonntag (9. September) erneut anzutreten und - falls alles glatt geht - ausgewählt werden, um innerhalb von wenigen Tagen noch Halbfinale und Finale zu absolvieren.

"Die sind preisverdächtig", raunte mir die Sitznachbarin im vollbesetzten Studio 1 des BR am Freitagnachmittag während des zweiten Tages des ersten Durchgangs im Fach Klaviertrio ins Ohr. Und das während der ansonsten mucksmäuschenstillen und durch kein Husten gestörten kurzen Pause zwischen dem ersten und zweiten Satz des Brahmsschen op. 87. Gespielt hatte das russische Con Spirito Trio. Und wie wahr: Nachdem man dieses  Stück an diesem Tag nun schon zum dritten Mal gehört hatte, war offenkundig, welcher Quantensprung zwischen einer guten und einer herausragenden, ja überwältigenden Wiedergabe liegt. Drei Musiker hatten gezeigt, dass  sie an einem Strang ziehen, dass sie das gleiche sehnig-gespannte Klangideal verfolgen, phänomenal aufeinander hören können und in jedem Takt wissen, was sie spielen, ein Ziel vor Augen haben und auch den Weg dahin genau kennen. Schon nach ihrem großartig präzise artikulierten und ausbalancierten Haydn rührte sich keine Hand und zum Applaus. Und das nur, weil alle Zuhörer gebannt der Dinge harrten, die da noch kommen würden. Am Ende dann aber brauste ein Applaus auf, als hätte mindestens das Beaux Arts Trio in seinen besten Jahren gespielt! Am Montag, 12.30 Uhr, gehen Tatiana Kolesova (Klavier), Pavel Milyukov (Violine) und Georgy Kolesov (Cello) mit Beethovens Es-Dur-Trio op. 70/2, Mendelssohns d-moll-Trio op. 49 und Schostakowitschs op. 67 in die zweite Runde.

Wie anders musizierte dagegen das Trio Con Fuoco aus Frankreich (auch diese drei jungen Männer sind am Montag, 11 Uhr, in der zweiten Runde dabei - mit Beethovens op. 70/1, Ernest Chaussons op. 3 und Schostakowitsch). Drei Individualisten sind das: ein ganz junger, sehr locker und rhapsodisch spielender Pianist, ein schwärmerischer Geiger mit seidigem, aber breiten Ton und ein nobel zurückhaltender Cellist. Sehr gediegen spielen sie, sind zu großem Ausdruck ebenso fähig wie sie auch beeindruckend fahle Töne wagen.
Das britische Lawson Trio - drei Frauen - hinterließ bei Mozart (KV 542) wie Brahms (op. 101) einen wiederum ganz anderen Eindruck. Üppig, leidenschaftlich, ausladend spielten sie und haben damit die Juroren ebenfalls überzeugt: Am Montag um 10 Uhr gehen sie mit Beethovens op. 70/2, Dvoraks op. 90 und Schostakowitsch in die zweite Runde.
 
Mehr zu diesem Thema am Ende des zweiten Durchgangs Dienstag-Nacht!