"Äh"
Stoibers Vermächtnis
große Momente
große Reden
große Freude
von Jürgen Roth und Hans Well, gesprochen von Gert Heidenreich
Hörkunst bei Kunstmann
14.90 EUR
70 Minuten1 CD
Erscheinungsdatum: 08.09.2007
Format: Hörspiel
ISBN 978-3-88897-494-6
Vermisst ihn eigentlich schon jemand? Vermutlich dauert es noch eine Weile, bis die Menschen seine Abwesenheit überhaupt bemerken. Noch haben sie seinen bohrenden Tenor gut im Ohr, das Bellen im Diskant, das Sätze wie, "Zuwanderung ist natürlich eng verbunden mit dem internationalen Terrorismus, denn die Terroristen wandern ja auch zu, im weiteren Sinne" mit so unvergleichlicher Eindringlichkeit in die Köpfe der Zuhörer hineinmeisselte.
Tatsache aber ist: Edmund Stoiber ist nicht mehr bayerischer Ministerpräsident und auch nicht mehr CSU-Vorsitzender. Günther Beckstein und Erwin Huber, die es zwar schon bemerkt haben, können es noch nicht so recht glauben. Weshalb sie viel Zeit damit verbringen, nachzusehen, ob er sich nicht doch noch irgendwo versteckt hält.
Für die traurige Zeit, wenn die bittere Wahrheit jedem schließlich zur trüben Gewissheit wird, gibt es schon jetzt segensreichen Trost. "Stoibers Vermächtnis", heißt eine CD, auf der sich viele schöne Beispiele von Stoibers rhetorischen Glanzlichtern nachhören lassen. Wer wie der gewesene bayerische Ministerpräsident Sprachfeuerwerke á la "gludernde Lot, gludernde Flut, lodernde Flut" über die Lippen brachte oder tiefgründig über die "Kompetenz-Kompetenz" sinnierte, von der Jahrhundertansprache zum Transrapid erst gar nicht zu reden, der braucht sich um seinen Nachruhm nicht zu sorgen. Er währet ewiglich, was man nur von wenigen Politikern behaupten kann.
Die Autoren Jürgen Roth und Hans Well haben nicht nur zahllose dieser unvergänglichen Redeleistungen des gewesenen ersten Bayern unter den Bayern zusammengetragen. Sie haben sie zu einem eindringlichen Porträt gestaltet, mit Zwischentexten versehen, die das philosophische und dadaistische Potential dieses zu unrecht als nüchtern und aktendeckelfressend verkannten Politikers deutlich machen. Natürlich war das Ende Edmund Stoibers eine schlimme Sache, und Shakespeares "Lear" ist da die wohl einzig zulässige Vergleichsgröße. Auf dieser Ebene erzählt die CD die St. Edmund-Passion einfühlsam nach, bis die Träne quillt - vor Lachen.
Königsmörder waren deren viele, nicht nur Frau Pauli, sondern auch der "mausköpfige" Günther Beckstein. Der hat rhetorisch bereits zum großen Vorgänger aufgeschlossen: "Das tolle an Politik ist, dass alles möglich ist, aber auch das Gegenteil von allem."
Zusammenfassend und abschließend soll hier die Biermösl Blosn zitiert werden, die auf der CD ebensowenig fehlt wie Gerhard Polt und Jörg Hube: "Die Wolfratshauser Weißwurscht hat's Zwölfeleit'n g'hört. Eine große Äh-Äh-poche geht äh-äh-ndlich zu Ähnde." Der Rest ist Geschicht-äh.
Robert Jungwirth