Meldungen

Anthony Bramall wird Chefdirigent des Münchner Gärtnerplatztheaters

Der englische Dirigent Anthony Bramall wird ab kommender Spielzeit neuer Chefdirigent des Münchner Gärtnerplatztheaters. Der aus London stammende Musiker, der gegenwärtig als stellvertretender GMD an der Oper Leipzig tätig ist, hat an der Guildhall School of Music and Drama zunächst Gesang...

Currentzis dirigiert räsonanz-Konzert in München

Im Rahmen der Konzertreihe der Ernst von Siemens Musikstiftung räsonanz – Stifterkonzerte kommen am 1. April 2017 Teodor Currentzis mit dem MusicAeterna Choir und dem Mahler Chamber Orchestra nach München. Der Chor aus Perm stellt sich damit zum ersten Mal in seiner Geschichte dem Münchner Publikum...

Erstmals Tage jüdischer Musik in Mecklenburg-Vorpommern

Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte und Gegenwart Mecklenburg-Vorpommerns wollen die Internationalen Tage jüdischer Musik aufschlagen: Vom 12. bis 14. Dezember 2016 lädt die erstmals stattfindende Veranstaltungsreihe ein, jüdisches Leben, Musik und Geschichte in MV an Originalschauplätzen –...

Wochenendseminar am Starnberger See: Komponisten in München

München war und ist eine der bedeutendsten Musikstädte der Welt. Hier lebten und wirkten musikalische Genies wie Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner oder Richard Strauss und prägten das musikalische Leben und den Ruf der Stadt. Nicht weniger als vier Wagner-Opern wurden in München uraufgeführt,...

Vom Zoll beschlagnahmte Gitarren erklingen bald an der Kölner Musikhochschule

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) überlässt der Hochschule für Musik und Tanz Köln drei hochwertige, handgefertigte Breedlove Akustik-Gitarren. Die drei Gitarren wurden am 2. Dezember 2015 vom Zollfahndungsamt Frankfurt am Main bei der Einfuhr nach Deutschland sichergestellt, da an ihnen Teile...

Kristian Bezuidenhout wird Mitglied der künstlerischen Leitung des Freiburger Barockorchesters

Der aus Südafrika stammende Pianist Kristian Bezuidenhout wird in der kommenden Saison 2017/18 neben Gottfried von der Goltz die Künstlerische Leitung des Freiburger Barockorchesters (FBO) übernehmen. Petra Müllejans, die seit über zwei Jahrzehnten das FBO künstlerisch geleitet hat, legt diese...

Plácido Domingo dirigiert zum 50jährigen Bühnen-Jubiläum Aida in Spektakelinszenierung in 10 Städten

Zu seinem 50. Bühnen-Jubiläum 2017 hat Plácido Domingo - mittlerweile schon zur Legende gewordener Opernstar - Großes vor: die monumentale Open-Air-Aufführung von "Aida" als ein riesiges Spektakel, um neue Freunde für das Genre Oper zu gewinnen, "mit allen Möglichkeiten, die moderne...

Sechs deutsche Orchester erhalten Bundesförderung

Wie der Haushaltsausschuss des Bundestags gestern beschloss, soll die einzigartige deutsche Orchesterlandschaft angesichts stets wachsender internationaler Herausforderungen darin unterstützt werden, ihre künstlerische Qualität weiter zu steigern und ihre Organisationsstrukturen nach modernsten...

Marcus Bosch verlässt Nürnberg

Marcus Bosch wird mit Ende der Spielzeit 2017/2018 seine Tätigkeit als Generalmusikdirektor des Staatstheaters Nürnberg und der Staatsphilharmonie Nürnberg beenden. Das teilte seine Agentur heute mit. Bosch werde zum Wintersemester 2018 eine Professur für Dirigieren und die Leitung des...

Wagner-Museum zeigt erstmals Original-Partitur des Parsifal

Das Richard Wagner Museum Bayreuth präsentiert die originale Partiturhandschrift des „Parsifal" erstmals öffentlich in seiner „Schatzkammer". Zwischen September 1877 und Januar 1882 komponierte Wagner sein letztes und von ihm selbst so genanntes „Weltabschiedswerk", das...

Sonderpreis des Bayerischen Kunstministeriums für Alexander Liebreich

Der Dirigent Alexander Liebreich wird mit dem diesjährigen Sonderpreis des Kulturpreises Bayern geehrt. Der aus Regensburg stammende Liebreich war bis vor kurzem Chef des Münchner Kammerorchesters und reüssierte damit nicht nur in München, sondern auch auf nationalen und internationalen Podien. Er...

Nachtmusik der Moderne beim Münchner Kammerorchester

Soeben hat das Münchner Kammerorchester die Saison mit dem neuen Chefdirigenten Clemens Schuldt erfolgreich begonnen (KI berichtete). Und auch die etablierte Reihe „Nachtmusik der Moderne“ in der Pinakothek der Moderne bleibt bestehen. Mit Unterstützung der Kulturabteilung von BMW wird das MKO in...

4. Chursächsische Meisterkurse 2017 mit Stardozenten in Bad Elster

Seit 2014 werden in Bad Elster jährlich Chursächsische Meisterkurse mit dem Ziel durchgeführt, den nationalen und internationalen Profimusikernachwuchs im Herzen Europas zu fördern. Die künstlerische Leitung obliegt dem Cellisten Peter Bruns (Leipzig) und dem Intendanten des König Albert Theater...

Viele Highlights beim Richard-Strauss-Festival 2017 - dem letzten unter der Leitung von Brigitte Fassbaender

Das Beste kommt zum Schluss: Mit einem fulminanten Programm und vielen Stargästen verabschiedet sich Ks. Brigitte Fassbaender 2017 als künstlerische Leiterin des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen.   Mit dem Festival 2017, das in der Zeit vom 24.–30. Juni unter dem Motto...

Konzertveranstalter Klaus Lauer erhält den Musikpreis des „Heidelberger Frühling"

Der Konzertveranstalter Klaus Lauer erhält den mit 10 000 Euro dotierten Musikpreis des „Heidelberger Frühling" 2017. Das gleichnamige Musikfestival vergibt die Auszeichnung jährlich an Persönlichkeiten, die sich substanziell und nachhaltig für die Vermittlung von klassischer Musik einsetzen....

Andechser Kloster-Organistin Sul Bi Yi gewinnt Rheinberger Wettbewerb

Sul Bi Yi hat den 1. Preis beim Internationalen Rheinberger Wettbewerb für Orgel in Vaduz (Lichtenstein) gewonnen. Die erst 28 Jahre alte Organistin, die seit August das Amt der Klosterorganistin in Andechs bekleidet, setzte sich in drei Wettbewerbsrunden gegen fast 100 Mitbewerber aus über zehn...

Bartoli und Barenboim geben Benefizkonzert für die Lindenoper

Cecilia Bartoli, Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin geben am 30. Oktober in der Berliner Philharmonie ein Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden. Ein Mal pro Saison gibt es einen besonderen Abend in der Philharmonie: Daniel Barenboim und die Staatskapelle...

Carl Orff Festspiele Andechs 2017 abgesagt

Die angekündigten Carl Orff Festspiele Andechs & Ammersee 2017 finden nicht statt. Der Grund sind finanzielle Schwierigkeiten der veranstaltenden Cultus Production GmbH, die einen Insolvenzantrag gestellt hat. Die Cultus Production GmbH und die Carl Orff-Stiftung hätten sich dahingehend...

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Wir sind Kosmos!

Hubert Mayer als Erzengel Michael Foto: Oper Köln

Die Uraufführung von "Sonntag" aus "Licht" von Karlheinz Stockhausen in zwei Teilen am im Staatenhaus in Köln - ein Premierenbericht

(Köln, 9. und 10. April 2011) Es dampft der Nebel, alles milchig weiß. Weiße Liegestühle stehen im Kreis um eine weiße Säule in der Mitte. Oben befestigt: vier Helikopterflügel, die in den Raum ragen. Dazu zwei Drachenflügel, die sich drehen. Ein weiß lackierter in den Raum ragender Stahlträger schwenkt direkt über den Köpfen. Und riesige Planetenbilder wandern über die runde Rückwand des Auditoriums... Wir sind im Kosmos! Sind abgetaucht in das Stockhausen-Universum. Die Musiker schweben in weißen Astronautenanzügen herein, verteilen sich wie Planetoiden im Raum. Und schon fährt Erzengel Michael auf einer Flugmaschine herein, Eva erscheint auf der anderen Seite des Raumes als vielarmige Göttin. Der Synthesizer startet den Motor, und schon fliegen Melodiefetzen und Staccatotöne durch den Raum. Atemgeräusche, Schnalzen und auch Kussgeräusche breiten sich aus. Das Räderwerk läuft. Der Schöpfer Stockhausen hat auch nichts dem Zufall überlassen.

Über 30 Jahre hat er an seinem nach Tagen der Woche geordneten "Licht"-Opernzyklus gearbeitet. Der Gesamtplan war 1977 auf dem Papier. Die Einzelteile sind nach und nach entstanden, zum großen Teil als Kompositionsaufträge von Rundfunk- und Konzertanstalten. Mit "Sonntag" aus "Licht" ist die Heptalogie 2003 vollendet worden. Im gewissen Sinne ist diese letzte Oper auch eine Zusammenfassung aller Tage und Stockhausens größtes "Mysterion". Für das Finale in der fünften und letzten "Hoch-Zeiten" -Szene verlangt Stockhausen sogar zwei akustisch von einander getrennte Säle, die miteinander verschaltet werden. Die weitläufigen Gebäudeflügel lieferten die Voraussetzung für die Uraufführung dieses angeblich unaufführbaren Musiktheaters.

In einem futuristisch anmutenden und aus Elementen sämtlicher Weltreligionen gespeisten Riesenritual wird die mystische "Hoch-Zeit" von Erzengel Michael und Urmutter Eva zelebriert. Das musikalische Material ist, wie in den anderen Lichttagen auch, angeblich aus einer einzigen "Superformel" entwickelt. Drei rhythmisch organisierte und mit Geräuschen durchsetze Melodien sind das, die auf einer Din A4 Seite Platz finden. Daraus hat Stockhausen das musikalische Material für fast 30 Stunden abgeleitet. Und alles hat er durchorganisiert: Silben, Wörterkolonnen, Textzeilen, Symbole, Düfte und Farben, die Gesten, die Szenenentwürfe, Tonhöhenskizzen, Tempoangaben, Phasenverläufen und Tonmischungen bis hin zu den Ensembleaufstellungen und der gesamten Klangraumkonzeption.

Die für spektakuläre Körperchoreographien bekannte katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus sorgt mit zirkusähnlichem Theater und viel Statisterie dafür, dass die blutleere Geschichte ohne menschlichen Konflikt und spürbares Handlungsdrama nicht erstarrt. In der Licht-Bilder-Szene steht Michael im Wasserbecken von Saal B und zählt in einer Art Pierrot'schem Sprechgesang eine ¾ Stunde lang auf: Blumen, Glockensignale, Planetoiden oder 48 katholische Heilige. Ein Trompeter in Gold unterstützt ihn, Bassklarinette und Querflöte in Burgfräuleingewändern kommentieren, und spektakuläre 3D-Projektionen halten die Zuschauer optisch bei Laune. In der Düfte-Zeichen-Szene werden Rauchgefäße entzündet und geschwenkt, die von Stockhausen gemalten und riesig vergrößerten Tagsymbole werden abgefackelt, oder ein mechanischer Schimmel trabt durch den Himmel.
Schon vor drei Jahren hat sich Fura dels Baus unter der Regie von Ensemblegründer Carlus Padrissa für den zweiten Akt aus Donnerstag aus "Licht" in der Kölner Philharmonie ein spektakuläres Konzept mit Maschinen, Videoinstallationen und Projektionen ausgedacht. Damals agierte und musizierte auch schon die musikFabrik unter der Leitung von Peter Rundel. Hier sitzt noch Stockhausens Lebensgefährtin Kathinka Pasveer an den Mischpultreglern.

Im "Sonntag" gibt es auch eine große a-capella-Szene. Die Cappella Amsterdam und der Estnische Philharmonische Kammerchor ziehen in farbigen Kapuzenkutten als Wochentage und als Engel durch den Raum und um die Hörer herum. Knipsen Lämpchen an und aus und schichten in verschiedenen Sprachen ein Gotteslob zu Clustern. In immer neuen Raumkonstellationen. Ihr Leiter James Wood hat bereits 2002 in Amsterdam für die konzertante Uraufführung dieser Chorszene den Holländischen Rundfunkchor einstudiert. In schwarzer Kutte mit Lichtarmbändern an den Handgelenken wird er auf einer rollenden Kanzel rasant herum gefahren und immer neu positioniert. Die goldfarbenen vier Chorsolisten, ebenfalls auf rollenden Podesten, sehen aus wie Säulenheilige. Sie stellen die Engel der Freude dar, sind natürlich dem Sonntag zu geordnet, ballen aber auch schon einmal pathetisch die Faust.

Alles spult sich ab wie ein programmiertes Räderwerk, hat einen Bezug, eine Assoziation, ist bedeutungsschwanger, wirkt religiös motiviert. Die Musiker und auch die Sänger gehen in dieser Kosmogonie perfekt auf, haben ihre Rolle, sind jeden Moment präsent und agieren mit absoluter Perfektion. Seit Anfang März wird hier geprobt. Die Auseinandersetzung mit dem Notenmaterial hat noch viel früher angefangen. Das Werk kulminiert in einem orchestralen Höhepunkt am Ende des zweiten Teils. Im Wasserbecken vom Saal B sitzen die Musiker in fünf Gruppen à 6 und breiten einen Klangteppich aus. Dazu flirten Instrumentalsolisten Tête-a-Tête im Duett und zweimal im Terzett. Und bringen und erinnern an musikalische"Hoch-Punkte" aus den voran gegangenen Tagen. An "Pietà" vom Dienstag aus "Licht" oder an "Michaelion" vom Mittwoch aus "Licht". Dazu werden Tänzer aus Saal A eingeblendet, die "Hochzeits"-Rituale darstellen. Die eingeblendete Chormusik liefert der WDR Rundfunkchor vom 5-spurigen Tonband. "Hoch-Zeiten" ist vom WDR Rundfunkchor und dem WDR Sinfonieorchester 2003 auch uraufgeführt worden.

Am Schluss des zweiten Abends entlässt die Klangregisseurin Kathinka Pasveer das Publikum mit dem synthetischen "Sonntags"-Abschied ins Foyer und in die Welt. Der Tanzbrunnen vor dem Hauptausgang mit seinen bizarren weißen Zeltabdeckungen wird dem Erlebnis sofort und spontan subsumiert.

Diese "kosmologische Komposition" hat durchaus erschüttert, war musikalisch mitreißend, hat szenisch gepackt, aber, was will uns dieses futuristisch-kosmische Brimborium eigentlich mit auf den Weg geben? Wo ist der Platz des Zuschauers in dieser hermeneutischen Stockhausen-Kunstwelt? So überzeugend alles, vor allem von den Sängersolisten und Musikern präsentiert wurde, die allegorisch "unmenschlichen" Figuren blieben auf Distanz. Sind wie Wunder vorgeführt worden und wieder verschwunden. Vielleicht hat etwas ganz Banales gefehlt: ein bisschen Herz, ein wenig Gefühl. Kosmisch unterkühlt verlässt man diesen gerade so großartig geborenen MichEva Planeten.

Sabine Weber

Weitere Aufführungen:
20.4. (Teil 1) 21.4. (Teil 2), Beginn jeweils 19.30 Uhr; 24. April Gesamtaufführung, Beginn 12:00 Uhr, 26.4. (Teil 1) 27.4. (Teil 2) und 28.4. (Teil 1) 29.4. (Teil 2) Beginn jeweils 19.30 Uhr; 1.5. Gesamtaufführung Beginn 12.00 Uhr.
www.operkoeln.com/programm/48263/

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