Meldungen

Tenor Carlo Bergonzi gestorben

Der große italienische Tenor Carlo Bergonzi ist am Samstag im Alter von 90 Jahren in Mailand  gestorben. Vor allem als Verdi-Tenor setzte der bei Busseto (Verdis Geburtsort) geborene Sänger Maßstäbe, war an der Mailänder Scala ebenso zu Hause wie an der New Yorker Met. Sein Sängerdebüt hatte...

Oper Rom von Schließung bedroht

Nach Streiks der Gewerkschaften ist die Oper in Rom akut von der Schließung bedroht. Das berichten italienische Zeitungen. In einer Krisensitzung am morgigen Dienstag (29. Juli) soll über die Zukunft des Hauses entschieden werden. Beobachter erwarten von dem Krisentreffen allerdings kaum eine...

Nacht über Richard Wagner?

"Nacht über Richard Wagner?" ist der Text einer Anzeige in der FAZ vom 25. Juli, dem Tag der Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Weiße Schrift in einem schwarzen Quadrat, darunter nur eine Mail-Adresse: eva.und.du@googlemail. Was will uns das sagen? Nun, "Nacht über Bayreuth"...

Arvo Pärt erhält Praemium Imperiale

Der estnische Komponist Arvo Pärt erhält in diesem Jahr den mit 110.000 Euro dotierten Praemium Imperiale Musikpreis. Der Preis wurde 1989 vom japanischen Kaiserhaus gestiftet und gilt als einer der höchstdotierten Musikpreise weltweit. Er nicht nur in der Kategorie Musik vergeben wird, sondern...

Rettungsplan für SWR Sinfonieorchester gescheitert

Das Stiftungsmodell zur Rettung des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg (SO) ausserhalb des SWR ist gescheitert. Es stehen keine ausreichenden Stifter zur Verfügung, um das Orchester zu finanzieren, das nach dem Willen des SWR 2016 mit dem Radiosymphonieorchster Stuttgart fusionieren...

Münchner Philharmoniker und Symphonieorchester des BR geben gemeinsames Gedenkkonzert für Lorin Maazel

Zum Gedenken und zu Ehren des am 13. Juli verstorbenen Maestro Lorin Maazel geben die Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks am 21. Juli ein gemeinsames Konzert. Beiden Orchestern war Lorin Maazel durch sein Amt als Chefdirigent eng verbunden. Bei...

Ulf Schirmer verlängert an der Oper Leipzig bis 2020

Der Intendant und Generalmusikdirektor der Oper Leipzig Ulf Schirmer ist heute in der Ratsversammlung der Stadt Leipzig für eine weitere Amtszeit bestätigt worden. Damit verlängert sich sein Vertrag bis zum Sommer 2020. Ulf Schirmer ist seit der Spielzeit 2009/10 Generalmusikdirektor und wurde im...

Junge Union Bayern: Verlegung von BR-Klassik widerspricht Kultur- und Grundversorgung

Die Junge Union Bayern (Jugendorganisation der CSU) hat auf ihrer Landesversammlung am vergangenen Sonntag nahezu einstimmig den Verbleib von "BR-Klassik" auf der UKW-Frequenz gefordert. "Insbesondere dem öffentlichen Rundfunk obliegt die Aufgabe der Kultur- und Grundversorgung aller...

Katharina Wagner geht in Bayreuth in die Verlängerung

Der Vertrag der Leiterin der Bayreuther Festspiele Katharina Wagner ist um fünf Jahre verlängert worden. Ihr bisheriger Vertrag endet nach der Saison 2015, der Anschlussvertrag läuft demnach bis 2020. Darauf hätten sich die Gesellschafter Bund, Land, Stadt Bayreuth und Gesellschaft der Freunde...

Gert Voss gestorben

Der große deutsche Theaterschauspieler Gert Voss ist gestern (13. Juli 2014) im Alter von 72 Jahren in Wien nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Knapp drei Jahrzehnte war Voss am Wiener Burgtheater zu erleben gewesen, wo er auch seine größten Erfolge als Schauspieler feierte. Unvergessen etwa...

Konzerte im Kurhaus Wiesbaden müssen wegen Überschwemmung verlegt werden

Aufgrund von Überschwemmungen in Wiesbaden am Freitagnachmittag, durch die auch das Kurhaus Wiesbaden in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist das Gebäude im Moment nicht bespielbar. Wie lange das Kurhaus als Spielstätte ausfällt, ist noch nicht klar, teil das Rheingau Musikfestival mit. Das Konzert...

Lorin Maazel gestorben

Im Alter von 84 Jahren ist der amerikanische Dirigent und Komponist Lorin Maazel nach einer Lungenentzündung in seinem Haus im Bundesstaats Virginia in den USA gestorben. Erst vor kurzem hat er als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker krankheitsbedingt seinen Rücktritt erklärt. Maazel, der 1930...

Neuigkeiten, aber keine News in Bayreuth

Nichts Neues entdeckt, wer auf der Homepage der Bayreuther Festspiele unter „News“ nachsieht. Die letzte Eintragung stammt vom 19. Mai 2014! Man erfährt also z.B. nicht, dass Annette Dasch nicht die Elsa im "Lohengrin" singen wird, weil sie schwanger ist und auch nicht, dass Frau Merkel...

David Zinman nimmt Abschied vom Tonhalle Orchester Zürich

Mit einer Aufführung von Gustav Mahlers zweiter Symphonie in der Zürcher Tonhalle hat sich der langjährige Chefdirigent des Tonhalle Orchesters Abschied von seinen Musikern verabschiedet. David Zinmans Abschiedskonzert am 11. Juli war der klingende Schlusspunkt einer ausserordentlich erfolgreichen...

Jugend statt Klassik: BR-Rundfunkrat beschließt Wellentausch von BR-Klassik mit Jugendsender Puls für das Jahr 2018

Nach einer insgesamt mehr als 10-monatigen Diskussion und einer vom Mai auf den Juli verschobenen Abstimmung hat der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks heute (10. Juli 2014) dem umstrittenen Plan des Intendanten des BR Ulrich Wilhelm zugestimmt, im Jahr 2018 die Klassikwelle BR-Klassik von der...

Duisburg lehnt Kunstinstallation von Gregor Schneider für Ruhrtriennale ab

Die Stadt Duisburg lehnt die Kunstinstallation von Gregor Schneider für die Ruhrtriennale im Lehmbruck Museum ab. Das für die Ruhrtriennale 2014 im Duisburger Lehmbruck Museum geplante Kunstwerk des international renommierten Raumkünstlers Gregor Schneider kann somit nicht realisiert werden....

Rheingau Musik Preis für Christoph Eschenbach

Der Pianist, Dirigent und Mentor Christoph Eschenbach wird mit dem Rheingau Musik Preis 2014 ausgezeichnet. Mit der Ehrung würdigt die Jury des Rheingau Musik Preises den "beeindruckenden und außergewöhnlichen Musiker Christoph Eschenbach für sein Lebenswerk als Pianist, Dirigent und...

Gergiev provoziert weiterhin mit pro-russischen Parolen

In einem Interview der finnischen Zeitung "Helsingin Sanomat" hat der russische Dirigent Valery Gergiev behauptet, der Ukraine-Konflikt sei ausschließlich eine Sache der Ukraine und die Annexion der Krim eine demokratische Volksabstimmung gegen ukrainische Faschisten gewesen. Russland...

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Wir sind Kosmos!

Hubert Mayer als Erzengel Michael Foto: Oper Köln

Die Uraufführung von "Sonntag" aus "Licht" von Karlheinz Stockhausen in zwei Teilen am im Staatenhaus in Köln - ein Premierenbericht

(Köln, 9. und 10. April 2011) Es dampft der Nebel, alles milchig weiß. Weiße Liegestühle stehen im Kreis um eine weiße Säule in der Mitte. Oben befestigt: vier Helikopterflügel, die in den Raum ragen. Dazu zwei Drachenflügel, die sich drehen. Ein weiß lackierter in den Raum ragender Stahlträger schwenkt direkt über den Köpfen. Und riesige Planetenbilder wandern über die runde Rückwand des Auditoriums... Wir sind im Kosmos! Sind abgetaucht in das Stockhausen-Universum. Die Musiker schweben in weißen Astronautenanzügen herein, verteilen sich wie Planetoiden im Raum. Und schon fährt Erzengel Michael auf einer Flugmaschine herein, Eva erscheint auf der anderen Seite des Raumes als vielarmige Göttin. Der Synthesizer startet den Motor, und schon fliegen Melodiefetzen und Staccatotöne durch den Raum. Atemgeräusche, Schnalzen und auch Kussgeräusche breiten sich aus. Das Räderwerk läuft. Der Schöpfer Stockhausen hat auch nichts dem Zufall überlassen.

Über 30 Jahre hat er an seinem nach Tagen der Woche geordneten "Licht"-Opernzyklus gearbeitet. Der Gesamtplan war 1977 auf dem Papier. Die Einzelteile sind nach und nach entstanden, zum großen Teil als Kompositionsaufträge von Rundfunk- und Konzertanstalten. Mit "Sonntag" aus "Licht" ist die Heptalogie 2003 vollendet worden. Im gewissen Sinne ist diese letzte Oper auch eine Zusammenfassung aller Tage und Stockhausens größtes "Mysterion". Für das Finale in der fünften und letzten "Hoch-Zeiten" -Szene verlangt Stockhausen sogar zwei akustisch von einander getrennte Säle, die miteinander verschaltet werden. Die weitläufigen Gebäudeflügel lieferten die Voraussetzung für die Uraufführung dieses angeblich unaufführbaren Musiktheaters.

In einem futuristisch anmutenden und aus Elementen sämtlicher Weltreligionen gespeisten Riesenritual wird die mystische "Hoch-Zeit" von Erzengel Michael und Urmutter Eva zelebriert. Das musikalische Material ist, wie in den anderen Lichttagen auch, angeblich aus einer einzigen "Superformel" entwickelt. Drei rhythmisch organisierte und mit Geräuschen durchsetze Melodien sind das, die auf einer Din A4 Seite Platz finden. Daraus hat Stockhausen das musikalische Material für fast 30 Stunden abgeleitet. Und alles hat er durchorganisiert: Silben, Wörterkolonnen, Textzeilen, Symbole, Düfte und Farben, die Gesten, die Szenenentwürfe, Tonhöhenskizzen, Tempoangaben, Phasenverläufen und Tonmischungen bis hin zu den Ensembleaufstellungen und der gesamten Klangraumkonzeption.

Die für spektakuläre Körperchoreographien bekannte katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus sorgt mit zirkusähnlichem Theater und viel Statisterie dafür, dass die blutleere Geschichte ohne menschlichen Konflikt und spürbares Handlungsdrama nicht erstarrt. In der Licht-Bilder-Szene steht Michael im Wasserbecken von Saal B und zählt in einer Art Pierrot'schem Sprechgesang eine ¾ Stunde lang auf: Blumen, Glockensignale, Planetoiden oder 48 katholische Heilige. Ein Trompeter in Gold unterstützt ihn, Bassklarinette und Querflöte in Burgfräuleingewändern kommentieren, und spektakuläre 3D-Projektionen halten die Zuschauer optisch bei Laune. In der Düfte-Zeichen-Szene werden Rauchgefäße entzündet und geschwenkt, die von Stockhausen gemalten und riesig vergrößerten Tagsymbole werden abgefackelt, oder ein mechanischer Schimmel trabt durch den Himmel.
Schon vor drei Jahren hat sich Fura dels Baus unter der Regie von Ensemblegründer Carlus Padrissa für den zweiten Akt aus Donnerstag aus "Licht" in der Kölner Philharmonie ein spektakuläres Konzept mit Maschinen, Videoinstallationen und Projektionen ausgedacht. Damals agierte und musizierte auch schon die musikFabrik unter der Leitung von Peter Rundel. Hier sitzt noch Stockhausens Lebensgefährtin Kathinka Pasveer an den Mischpultreglern.

Im "Sonntag" gibt es auch eine große a-capella-Szene. Die Cappella Amsterdam und der Estnische Philharmonische Kammerchor ziehen in farbigen Kapuzenkutten als Wochentage und als Engel durch den Raum und um die Hörer herum. Knipsen Lämpchen an und aus und schichten in verschiedenen Sprachen ein Gotteslob zu Clustern. In immer neuen Raumkonstellationen. Ihr Leiter James Wood hat bereits 2002 in Amsterdam für die konzertante Uraufführung dieser Chorszene den Holländischen Rundfunkchor einstudiert. In schwarzer Kutte mit Lichtarmbändern an den Handgelenken wird er auf einer rollenden Kanzel rasant herum gefahren und immer neu positioniert. Die goldfarbenen vier Chorsolisten, ebenfalls auf rollenden Podesten, sehen aus wie Säulenheilige. Sie stellen die Engel der Freude dar, sind natürlich dem Sonntag zu geordnet, ballen aber auch schon einmal pathetisch die Faust.

Alles spult sich ab wie ein programmiertes Räderwerk, hat einen Bezug, eine Assoziation, ist bedeutungsschwanger, wirkt religiös motiviert. Die Musiker und auch die Sänger gehen in dieser Kosmogonie perfekt auf, haben ihre Rolle, sind jeden Moment präsent und agieren mit absoluter Perfektion. Seit Anfang März wird hier geprobt. Die Auseinandersetzung mit dem Notenmaterial hat noch viel früher angefangen. Das Werk kulminiert in einem orchestralen Höhepunkt am Ende des zweiten Teils. Im Wasserbecken vom Saal B sitzen die Musiker in fünf Gruppen à 6 und breiten einen Klangteppich aus. Dazu flirten Instrumentalsolisten Tête-a-Tête im Duett und zweimal im Terzett. Und bringen und erinnern an musikalische"Hoch-Punkte" aus den voran gegangenen Tagen. An "Pietà" vom Dienstag aus "Licht" oder an "Michaelion" vom Mittwoch aus "Licht". Dazu werden Tänzer aus Saal A eingeblendet, die "Hochzeits"-Rituale darstellen. Die eingeblendete Chormusik liefert der WDR Rundfunkchor vom 5-spurigen Tonband. "Hoch-Zeiten" ist vom WDR Rundfunkchor und dem WDR Sinfonieorchester 2003 auch uraufgeführt worden.

Am Schluss des zweiten Abends entlässt die Klangregisseurin Kathinka Pasveer das Publikum mit dem synthetischen "Sonntags"-Abschied ins Foyer und in die Welt. Der Tanzbrunnen vor dem Hauptausgang mit seinen bizarren weißen Zeltabdeckungen wird dem Erlebnis sofort und spontan subsumiert.

Diese "kosmologische Komposition" hat durchaus erschüttert, war musikalisch mitreißend, hat szenisch gepackt, aber, was will uns dieses futuristisch-kosmische Brimborium eigentlich mit auf den Weg geben? Wo ist der Platz des Zuschauers in dieser hermeneutischen Stockhausen-Kunstwelt? So überzeugend alles, vor allem von den Sängersolisten und Musikern präsentiert wurde, die allegorisch "unmenschlichen" Figuren blieben auf Distanz. Sind wie Wunder vorgeführt worden und wieder verschwunden. Vielleicht hat etwas ganz Banales gefehlt: ein bisschen Herz, ein wenig Gefühl. Kosmisch unterkühlt verlässt man diesen gerade so großartig geborenen MichEva Planeten.

Sabine Weber

Weitere Aufführungen:
20.4. (Teil 1) 21.4. (Teil 2), Beginn jeweils 19.30 Uhr; 24. April Gesamtaufführung, Beginn 12:00 Uhr, 26.4. (Teil 1) 27.4. (Teil 2) und 28.4. (Teil 1) 29.4. (Teil 2) Beginn jeweils 19.30 Uhr; 1.5. Gesamtaufführung Beginn 12.00 Uhr.
www.operkoeln.com/programm/48263/

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