Meldungen

Die 29-jährige Mirga Gražinytė-Tyla wird Chefdirigentin des City of Birmingham Symphony Orchestra

Die litauische Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla wird im September das City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) für einen Zeitraum von zunächst drei Jahren als 12. als Music Director leiten und damit die die Nachfolge von Andris Nelsons an, der das Orchester von 2008 bis 2015...

Gedenkkonzert für Pierre Boulez beim Lucerne Festival

In Erinnerung an Pierre Boulez, der am 5. Januar verstorben ist, veranstaltet das Lucerne  Festival am 20. März um 14.00 Uhr ein Gedenkkonzert. Das Konzert findet im Rahmen des Oster-Festivals statt (12. bis 20. März), das Programm gestaltet ein Alumni-Orchester der Lucerne Festival Academy:...

Zahl der deutschen Orchester sinkt

Die Zahl von derzeit 131 deutschen Kulturorchestern wird im Jahr 2016 weiter sinken. So lautet die pessimistische Prognose der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) . Bei der ersten gesamtdeutschen Erfassung 1992 wurden noch 168 öffentlich finanzierte, regelmäßig spielende Berufsorchester gezählt....

Per Nørgård erhält Siemens Musikpreis 2016

Der dänische Komponist Per Nørgård wird mit dem Ernst von Siemens Musikpreis 2016 ausgezeichnet. Das gab die Stiftung heute bekannt. Nørgård, der in seiner Heimatstadt Kopenhagen und bei Nadja Boulanger in Paris Komposition studierte, gilt als der bedeutendste dänische zeitgenössische Komponist. Zu...

Jaap van Zweden wird neuer Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker

Wie die New Yorker Philharmoniker melden, wird der Holländer Jaap van Zweden neuer Chefdirigent des Orchesters. Er wird sein Amt zur Saison 2018 antreten und damit Alan Gilbert nachfolgen, der nach fast zehn Jahren an der Spitze des Ensembles seinen Rückzug zum Ende der Saison 2016-17 angekündigt...

Verfälschtes Gutachten für Münchner Konzertsaal brachte Marstall zu Unrecht in Verruf

Das vom Bayerischen Kultusministerium 2010 bei dem japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota in Auftrag gegebene Gutachten für den Marstallplatz als möglichen Standort für einen neuen Münchner Konzertsaal war vom damaligen Kunstminister Wolfgang Heubisch falsch widergegeben worden. In der Folge wurde...

Thomas Oberender bleibt Intendant der Berliner Festspiele bis 2021

Der Intendant der Berliner Festspiele Thomas Oberender hat seinen Vertrag um weitere fünf Jahre bis zum 31. Dezember 2021 verlängert.
Der Autor und Dramaturg Oberender ist seit 2012 Intendant der Berliner Festspiele. Zuvor war er von 2006 bis 2011 Schauspieldirektor bei den Salzburger...

Frank Peter Zimmermann erhält Stradivari von chinesisch-deutschem Unternehmer

Die renommierte „Général Dupont, Grumiaux“ Stradivari (1727) wird an Frank Peter Zimmermann verliehen. Der Geiger spielt mit dem Instrument erstmals öffentlich die deutsche Erstaufführung des 2. Violinkonzerts von Magnus Lindberg, das für ihn geschrieben wurde, am 21./22./23. Januar 2016 mit den...

Artemis Quartett ist wieder komplett

Nach einem halben Jahr der Trauer um Friedemann Weigle, in dem der Entschluss reifte, das Ensemble fortzuführen, gibt das Artemis Quartett sein neues Mitglied bekannt: Die amerikanische Geigerin Anthea Kreston wird ab sofort die Position der 2. Geige übernehmen. Gregor Sigl schließt in einer...

Ausstellung 150 Jahre Münchner Gärtnerplatztheater

Anlässlich des 150. Geburtstages zeigt das Deutsche Theatermuseum München vom 16. Januar – 10. April 2016 eine Ausstellung, kuratiert von Stefan Frey. "Dem Volk zur Lust und zum Gedeihen" lautete 1865 der Zimmermannspruch zum Richtfest des Münchner Gärtnerplatztheaters. Und dem Volk blieb...

In einem Jahr eröffnet die Elbphilharmonie - mit zum Teil kostenlosen Karten

Am 11. und 12. Januar 2017 wird das NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Thomas Hengelbrock das Eröffnungskonzert im Großen Saal der Elbphilharmonie geben. Sowohl für den Bau selbst als auch für die Planungen des Konzertbetriebs sind nun die letzten Phasen angebrochen. Für das...

Spaenle: Musik ist ein Kulturgut von unschätzbarem Wert

Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle und sein Vorgänger im Amt, der Präsident des Bayerischen Musikrats Thomas Goppel, haben heute in München eine Vereinbarung zur vertieften Zusammenarbeit von Bildungsministerium und Musikrat unterzeichnet.
Musik sei ein Kulturgut von unschätzbarem Wert,...

Deutscher Operettenpreis für junge Dirigenten geht an Dominic Limburg

Beim Abschlusskonzert des Operettenworkshops, das am vergangenen Samstag in der ausverkauften Musikalischen Komödie Leipzig stattfand, konnte der 1990 geborene Dominic Limburg u.a. mit seiner Interpretation von Johann Strauß‘ berühmten Kaiserwalzer die Jury am meisten überzeugen. Der Preisträger...

Erben wollen Aufführung von Poulencs Dialogues des Carmélites verhindern

Im Vorfeld der Wiederaufnahme von Francis Poulencs Oper "Dialogues des Carmélites" in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov an der Bayerischen Staatsoper im Januar fordern die Erben des Komponisten und des Autors Georges Bernanos eine Abänderung der Inszenierung oder die Absage der vier...

Noch ein Film über die Königin des schlechten Gesangs – Joyce DiDonato als Florence Foster Jenkins

Florence Foster Jenkins gilt als die schlechteste Sängerin aller Zeiten. Dennoch ist sie eine Kultfigur - als selbsternannte Operndiva machte sie im New York der 1920er Jahre Karriere. Ihr legendärer Auftritt in der Carnegie Hall 1944 brach Verkaufsrekorde. Nach dem französischen Spielfilm „Madame...

Flöten für Föten

Die gynäkologische Klinik Marquès in Barcelona hat einen „Babypod“ entwickelt, mit dem Babys im Mutterleib direkt mit Musik beschallt werden können. Zwar können Babys auch so bereits im Mutterleib nach ein paar Monaten Töne aus ihrer Umwelt wahrnehmen, aber durch die Bauchwand dringen diese nur...

Mezzosopranistin Stella Doufexis gestorben

Die deutsch-griechische Mezzosopranistin Stella Doufexis ist im Alter von 47 Jahren in Berlin nach langer Krankheit in Berlin gestorben. In einer Meldung des Opernhauses heißt es:
"Ihrer Familie und ihren Freunden gilt unsere Anteilnahme. Mit ihnen trauern die Kolleginnen und Kollegen...

Neuer Rekord bei Museumsbesuchen in Deutschland

Das Deutsche Institut für Museumsforschung in Berlin zählte 2014 118 Millionen Museumsbesucher in Deutschland. Das sei ein Plus von etwa 3 Millionen gegenüber dem Vorjahr und übertrifft erneut die Zahl der Menschen, die in in Deutschland in Fußballstadien gehen. Warum hat dann eigentlich der...

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Wir sind Kosmos!

Hubert Mayer als Erzengel Michael Foto: Oper Köln

Die Uraufführung von "Sonntag" aus "Licht" von Karlheinz Stockhausen in zwei Teilen am im Staatenhaus in Köln - ein Premierenbericht

(Köln, 9. und 10. April 2011) Es dampft der Nebel, alles milchig weiß. Weiße Liegestühle stehen im Kreis um eine weiße Säule in der Mitte. Oben befestigt: vier Helikopterflügel, die in den Raum ragen. Dazu zwei Drachenflügel, die sich drehen. Ein weiß lackierter in den Raum ragender Stahlträger schwenkt direkt über den Köpfen. Und riesige Planetenbilder wandern über die runde Rückwand des Auditoriums... Wir sind im Kosmos! Sind abgetaucht in das Stockhausen-Universum. Die Musiker schweben in weißen Astronautenanzügen herein, verteilen sich wie Planetoiden im Raum. Und schon fährt Erzengel Michael auf einer Flugmaschine herein, Eva erscheint auf der anderen Seite des Raumes als vielarmige Göttin. Der Synthesizer startet den Motor, und schon fliegen Melodiefetzen und Staccatotöne durch den Raum. Atemgeräusche, Schnalzen und auch Kussgeräusche breiten sich aus. Das Räderwerk läuft. Der Schöpfer Stockhausen hat auch nichts dem Zufall überlassen.

Über 30 Jahre hat er an seinem nach Tagen der Woche geordneten "Licht"-Opernzyklus gearbeitet. Der Gesamtplan war 1977 auf dem Papier. Die Einzelteile sind nach und nach entstanden, zum großen Teil als Kompositionsaufträge von Rundfunk- und Konzertanstalten. Mit "Sonntag" aus "Licht" ist die Heptalogie 2003 vollendet worden. Im gewissen Sinne ist diese letzte Oper auch eine Zusammenfassung aller Tage und Stockhausens größtes "Mysterion". Für das Finale in der fünften und letzten "Hoch-Zeiten" -Szene verlangt Stockhausen sogar zwei akustisch von einander getrennte Säle, die miteinander verschaltet werden. Die weitläufigen Gebäudeflügel lieferten die Voraussetzung für die Uraufführung dieses angeblich unaufführbaren Musiktheaters.

In einem futuristisch anmutenden und aus Elementen sämtlicher Weltreligionen gespeisten Riesenritual wird die mystische "Hoch-Zeit" von Erzengel Michael und Urmutter Eva zelebriert. Das musikalische Material ist, wie in den anderen Lichttagen auch, angeblich aus einer einzigen "Superformel" entwickelt. Drei rhythmisch organisierte und mit Geräuschen durchsetze Melodien sind das, die auf einer Din A4 Seite Platz finden. Daraus hat Stockhausen das musikalische Material für fast 30 Stunden abgeleitet. Und alles hat er durchorganisiert: Silben, Wörterkolonnen, Textzeilen, Symbole, Düfte und Farben, die Gesten, die Szenenentwürfe, Tonhöhenskizzen, Tempoangaben, Phasenverläufen und Tonmischungen bis hin zu den Ensembleaufstellungen und der gesamten Klangraumkonzeption.

Die für spektakuläre Körperchoreographien bekannte katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus sorgt mit zirkusähnlichem Theater und viel Statisterie dafür, dass die blutleere Geschichte ohne menschlichen Konflikt und spürbares Handlungsdrama nicht erstarrt. In der Licht-Bilder-Szene steht Michael im Wasserbecken von Saal B und zählt in einer Art Pierrot'schem Sprechgesang eine ¾ Stunde lang auf: Blumen, Glockensignale, Planetoiden oder 48 katholische Heilige. Ein Trompeter in Gold unterstützt ihn, Bassklarinette und Querflöte in Burgfräuleingewändern kommentieren, und spektakuläre 3D-Projektionen halten die Zuschauer optisch bei Laune. In der Düfte-Zeichen-Szene werden Rauchgefäße entzündet und geschwenkt, die von Stockhausen gemalten und riesig vergrößerten Tagsymbole werden abgefackelt, oder ein mechanischer Schimmel trabt durch den Himmel.
Schon vor drei Jahren hat sich Fura dels Baus unter der Regie von Ensemblegründer Carlus Padrissa für den zweiten Akt aus Donnerstag aus "Licht" in der Kölner Philharmonie ein spektakuläres Konzept mit Maschinen, Videoinstallationen und Projektionen ausgedacht. Damals agierte und musizierte auch schon die musikFabrik unter der Leitung von Peter Rundel. Hier sitzt noch Stockhausens Lebensgefährtin Kathinka Pasveer an den Mischpultreglern.

Im "Sonntag" gibt es auch eine große a-capella-Szene. Die Cappella Amsterdam und der Estnische Philharmonische Kammerchor ziehen in farbigen Kapuzenkutten als Wochentage und als Engel durch den Raum und um die Hörer herum. Knipsen Lämpchen an und aus und schichten in verschiedenen Sprachen ein Gotteslob zu Clustern. In immer neuen Raumkonstellationen. Ihr Leiter James Wood hat bereits 2002 in Amsterdam für die konzertante Uraufführung dieser Chorszene den Holländischen Rundfunkchor einstudiert. In schwarzer Kutte mit Lichtarmbändern an den Handgelenken wird er auf einer rollenden Kanzel rasant herum gefahren und immer neu positioniert. Die goldfarbenen vier Chorsolisten, ebenfalls auf rollenden Podesten, sehen aus wie Säulenheilige. Sie stellen die Engel der Freude dar, sind natürlich dem Sonntag zu geordnet, ballen aber auch schon einmal pathetisch die Faust.

Alles spult sich ab wie ein programmiertes Räderwerk, hat einen Bezug, eine Assoziation, ist bedeutungsschwanger, wirkt religiös motiviert. Die Musiker und auch die Sänger gehen in dieser Kosmogonie perfekt auf, haben ihre Rolle, sind jeden Moment präsent und agieren mit absoluter Perfektion. Seit Anfang März wird hier geprobt. Die Auseinandersetzung mit dem Notenmaterial hat noch viel früher angefangen. Das Werk kulminiert in einem orchestralen Höhepunkt am Ende des zweiten Teils. Im Wasserbecken vom Saal B sitzen die Musiker in fünf Gruppen à 6 und breiten einen Klangteppich aus. Dazu flirten Instrumentalsolisten Tête-a-Tête im Duett und zweimal im Terzett. Und bringen und erinnern an musikalische"Hoch-Punkte" aus den voran gegangenen Tagen. An "Pietà" vom Dienstag aus "Licht" oder an "Michaelion" vom Mittwoch aus "Licht". Dazu werden Tänzer aus Saal A eingeblendet, die "Hochzeits"-Rituale darstellen. Die eingeblendete Chormusik liefert der WDR Rundfunkchor vom 5-spurigen Tonband. "Hoch-Zeiten" ist vom WDR Rundfunkchor und dem WDR Sinfonieorchester 2003 auch uraufgeführt worden.

Am Schluss des zweiten Abends entlässt die Klangregisseurin Kathinka Pasveer das Publikum mit dem synthetischen "Sonntags"-Abschied ins Foyer und in die Welt. Der Tanzbrunnen vor dem Hauptausgang mit seinen bizarren weißen Zeltabdeckungen wird dem Erlebnis sofort und spontan subsumiert.

Diese "kosmologische Komposition" hat durchaus erschüttert, war musikalisch mitreißend, hat szenisch gepackt, aber, was will uns dieses futuristisch-kosmische Brimborium eigentlich mit auf den Weg geben? Wo ist der Platz des Zuschauers in dieser hermeneutischen Stockhausen-Kunstwelt? So überzeugend alles, vor allem von den Sängersolisten und Musikern präsentiert wurde, die allegorisch "unmenschlichen" Figuren blieben auf Distanz. Sind wie Wunder vorgeführt worden und wieder verschwunden. Vielleicht hat etwas ganz Banales gefehlt: ein bisschen Herz, ein wenig Gefühl. Kosmisch unterkühlt verlässt man diesen gerade so großartig geborenen MichEva Planeten.

Sabine Weber

Weitere Aufführungen:
20.4. (Teil 1) 21.4. (Teil 2), Beginn jeweils 19.30 Uhr; 24. April Gesamtaufführung, Beginn 12:00 Uhr, 26.4. (Teil 1) 27.4. (Teil 2) und 28.4. (Teil 1) 29.4. (Teil 2) Beginn jeweils 19.30 Uhr; 1.5. Gesamtaufführung Beginn 12.00 Uhr.
www.operkoeln.com/programm/48263/

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