Meldungen

Wertschöpfung des Festspielhauses Baden-Baden für die Stadt liegt bei jährlich 49 Millionen Euro

Das Festspielhaus Baden-Baden konnte seine wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt Baden-Baden in den vergangenen fünf Jahren weiter steigern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität St. Gallen, die Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Festspielhaus-Geschäftsführer...

Sebastian Weigle verlängert als Generalmusikdirektor in Frankfurt bis 2023

Der Leiter des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters Sebastian Weigle hat seinen Vertrag bis 2023 verlängert. Weigle hat die Position seit der Saison 2008/09 inne. Der gebürtige Berliner begann seine Karriere als Hornist in der Berliner Staatsoper unter Daniel Barenboim, war dann an dem...

Kirill Petrenko dirigiert den Rosenkavalier an der Wiener Staatsoper

Kirill Petrenko kehrt nach vier Jahren an die Wiener Staatsoper zurück und dirigiert ab Donnerstag, 20. November 2014 erstmalig Richard Strauss’ "Rosenkavalier" im Haus am Ring. Unter seiner musikalischen Leitung stellt sich Alice Coote als Octavian erstmals dem Staatsopernpublikum vor....

Münchner Philharmoniker bieten Konzertübertragungen im Livestream an

Die Münchner Philharmoniker starten in ihre Video-Livestream-Saison 2014/15 mit einer Konzertübertragung am Samstag, den 22.11.2014, 19:00 Uhr  aus der Philharmonie im Gasteig in München. Auf dem Programm stehen Mozarts Symphonie Nr. 31 D-Dur „Pariser Symphonie“, Mendelssohn Bartholdys...

BR-Intendant Wilhelm fordert Beschluss für neuen Münchner Konzertsaal im Finanzgarten

Der Intendant des Bayerischen Rundfunks Ulrich Wilhelm hat sich für einen neuen Münchner Konzertsaal auf dem Areal des sogenannten Finanzgartens in der Nähe des Odeonsplatzes ausgesprochen. In einem Interview mit der SZ und in einem Beitrag des BR äußerte er den Wunsch, nach den langen...

Meese darf nicht in Bayreuth inszenieren – knickt die Festspielleitung vor dem Publikum ein?

Der Aktionskünstler Jonathan Meese wird nun doch nicht 2016 den „Parsifal“ in Bayreuth inszenieren. Die Festspiele haben den Künstler ausgeladen, angeblich weil sein Bühnenkonzept zu teuer sei, heißt es. Die Absage reiht sich nahtlos ein in eine ganze Liste spektakulärer Umbesetzungen von...

Met kürzt Gagen der Stars

Die in finanzielle Schieflage geratene Metropolitan Opera in New York hat nach den Gehältern ihrer Mitarbeiter nun auch die Gagen der Star-Sänger gekürzt. Das berichtet die New York Times. Betroffen davon seine  die Gagen von Stars wie Anna Netrebko, Renee Fleming oder Placido Domingo, die an...

Neuenfels kritisiert Netrebkos Frauenbild

In einem Interview mit dem "Spiegel" hat sich der Regisseur Hans Neuenfels zu den Hintergründen für den Rückzug von Anna Netrebko aus der laufenden Probenarbeit für die Neuinszenierung der Oper "Manon Lescaut" von Giacomo Puccini an der Bayerischen Staatsoper geäußert. Es habe...

Cellist erwürgt Pianistin

Ein Ehestreit ist offenbar die Ursache für den Mord an der Pianistin des Bonner Beethoven Orchesters Kate de Marcken. Die 50-jährige Frau war zunächst von ihrem Ehemann, der ebenfalls als Musiker (Cello) in dem Orchester tätig ist, vermisst gemeldet worden. Nach eingehenden Vernehmungen gestand er...

Programm der Salzburger Festspiele 2015

Herrschen und Dienen, Macht und Ohnmacht, Unterdrückung und Aufbegehren - das sind die Themenpaare im Programm der kommenden Salzburger Festspiele. Heute haben Helga Rabl-Stadler, Sven-Eric Bechtolf sowie Florian Wiegand für den Bereich Konzert die Details des Sommers 2015 bekanntgegeben.

Finalisten für den Deutschen Dirigentenpreis 2015 stehen fest

Ciarán McAuley (Resident Conductor des Malaysian Philharmonic Orchestra und Principal Conductor des Malaysian Philharmonic Youth Orchestra), Leo McFall (1. Kapellmeister am Theater Meiningen und Assistenzdirigent beim Gustav Mahler Jugendorchester) und Justus Thorau (1. Kapellmeister am Theater...

Verein für neuen Konzertsaal in München hält Gasteig-Pläne für einen Irrweg

In einem offenen Brief an den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer hat der Vorsitzende des Vereins Konzertsaal München e.V, Manfred Wutzlhofer, Kritik an einer möglichen Gasteig-Lösung (siehe Meldung auf KlassikInfo) geäußert. Der Bau eines bzw. zweier neuer Konzertsäle im Gasteig-Areal...

Netrebko sagt wegen Neuenfels Opernpremiere in München ab

Anna Netrebko hat ihre Teilnahme an der Münchner Neuinszenierung von Giacomo Puccinis Oper "Manon Lescaut" abgesagt, weil sie mit dem Regiekonzept des Regisseurs Hans Neuenfels nicht einverstanden ist. Das meldet die Bayerische Staatsoper. An ihrer Stelle wird Kristīne Opolais die...

Appell des Deutschen Musikrats an Kanzlerin Merkel: Kulturelle Vielfalt und Gemeinwohl dürfen nicht in Handelsabkommen verhandelt werden

Die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates hat im Berliner Abgeordnetenhaus einstimmig die Resolution „Veränderung braucht den Dialog. Aufruf für den Schutz und die Förderung der Kulturellen Vielfalt in Deutschland“ verabschiedet. Diese enthält einen 10-Punkte-Forderungskatalog an...

(K)Ein Schildbürgerstreich: München soll nicht einen, sondern zwei neue Konzertsäle bekommen

Diese Meldung in der Münchner Lokalpresse setzt einer über zehnjährigen Debatte um einen möglichen neuen Konzertsaal für München mit endlosen Reden und Gegenreden von unterschiedlichster Seite nun doch die Krone auf: München soll nicht einen, sondern möglicherweise zwei neue Konzertsäle bekommen....

Peter Ruzicka wird Geschäftsführer der Salzburger Osterfestspiele

Der Komponist, Dirigent und ehemalige Intendant der Salzburger Festspiele Peter Ruzicka wurde zum neuen Ge­schäftsführer der Osterfestspiele Salzburg ab 1. Juli 2015 ernannt. Ruzicka konnte sich nach einer internationalen Ausschreibung in einem mehrstufigen Auswahlverfahren gegenüber weiteren...

Echo-Klassik-Preisträger 2014 veröffentlichen Appell für Frieden und Toleranz

19 Preisträger des diesjährigen Echo-Klassik-Preises haben einen Appell an ihr Publikum gerichtet, in dem sie dafür werben, sich für Frieden und Toleranz in der Welt stark zu machen und die Werte des humanistischen Erbes und der Musik zu verteidigen. Die Unterzeichner des Aufrufs: Anna...

Verschleierte Frau mußte Pariser Oper verlassen

Weil sie einen Ganzkörperschleier trug, mußte eine Besucherin einer Aufführung der "Traviata" an der Pariser Bastille-Oper das Haus während der Vorstellung verlassen. Choristen hatten sich geweigert weiterzusingen, solange die Frau ihren Schleier anbehält. Die Frau wurde vor die Wahl...

zum Archiv ->

Wir sind Kosmos!

Hubert Mayer als Erzengel Michael Foto: Oper Köln

Die Uraufführung von "Sonntag" aus "Licht" von Karlheinz Stockhausen in zwei Teilen am im Staatenhaus in Köln - ein Premierenbericht

(Köln, 9. und 10. April 2011) Es dampft der Nebel, alles milchig weiß. Weiße Liegestühle stehen im Kreis um eine weiße Säule in der Mitte. Oben befestigt: vier Helikopterflügel, die in den Raum ragen. Dazu zwei Drachenflügel, die sich drehen. Ein weiß lackierter in den Raum ragender Stahlträger schwenkt direkt über den Köpfen. Und riesige Planetenbilder wandern über die runde Rückwand des Auditoriums... Wir sind im Kosmos! Sind abgetaucht in das Stockhausen-Universum. Die Musiker schweben in weißen Astronautenanzügen herein, verteilen sich wie Planetoiden im Raum. Und schon fährt Erzengel Michael auf einer Flugmaschine herein, Eva erscheint auf der anderen Seite des Raumes als vielarmige Göttin. Der Synthesizer startet den Motor, und schon fliegen Melodiefetzen und Staccatotöne durch den Raum. Atemgeräusche, Schnalzen und auch Kussgeräusche breiten sich aus. Das Räderwerk läuft. Der Schöpfer Stockhausen hat auch nichts dem Zufall überlassen.

Über 30 Jahre hat er an seinem nach Tagen der Woche geordneten "Licht"-Opernzyklus gearbeitet. Der Gesamtplan war 1977 auf dem Papier. Die Einzelteile sind nach und nach entstanden, zum großen Teil als Kompositionsaufträge von Rundfunk- und Konzertanstalten. Mit "Sonntag" aus "Licht" ist die Heptalogie 2003 vollendet worden. Im gewissen Sinne ist diese letzte Oper auch eine Zusammenfassung aller Tage und Stockhausens größtes "Mysterion". Für das Finale in der fünften und letzten "Hoch-Zeiten" -Szene verlangt Stockhausen sogar zwei akustisch von einander getrennte Säle, die miteinander verschaltet werden. Die weitläufigen Gebäudeflügel lieferten die Voraussetzung für die Uraufführung dieses angeblich unaufführbaren Musiktheaters.

In einem futuristisch anmutenden und aus Elementen sämtlicher Weltreligionen gespeisten Riesenritual wird die mystische "Hoch-Zeit" von Erzengel Michael und Urmutter Eva zelebriert. Das musikalische Material ist, wie in den anderen Lichttagen auch, angeblich aus einer einzigen "Superformel" entwickelt. Drei rhythmisch organisierte und mit Geräuschen durchsetze Melodien sind das, die auf einer Din A4 Seite Platz finden. Daraus hat Stockhausen das musikalische Material für fast 30 Stunden abgeleitet. Und alles hat er durchorganisiert: Silben, Wörterkolonnen, Textzeilen, Symbole, Düfte und Farben, die Gesten, die Szenenentwürfe, Tonhöhenskizzen, Tempoangaben, Phasenverläufen und Tonmischungen bis hin zu den Ensembleaufstellungen und der gesamten Klangraumkonzeption.

Die für spektakuläre Körperchoreographien bekannte katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus sorgt mit zirkusähnlichem Theater und viel Statisterie dafür, dass die blutleere Geschichte ohne menschlichen Konflikt und spürbares Handlungsdrama nicht erstarrt. In der Licht-Bilder-Szene steht Michael im Wasserbecken von Saal B und zählt in einer Art Pierrot'schem Sprechgesang eine ¾ Stunde lang auf: Blumen, Glockensignale, Planetoiden oder 48 katholische Heilige. Ein Trompeter in Gold unterstützt ihn, Bassklarinette und Querflöte in Burgfräuleingewändern kommentieren, und spektakuläre 3D-Projektionen halten die Zuschauer optisch bei Laune. In der Düfte-Zeichen-Szene werden Rauchgefäße entzündet und geschwenkt, die von Stockhausen gemalten und riesig vergrößerten Tagsymbole werden abgefackelt, oder ein mechanischer Schimmel trabt durch den Himmel.
Schon vor drei Jahren hat sich Fura dels Baus unter der Regie von Ensemblegründer Carlus Padrissa für den zweiten Akt aus Donnerstag aus "Licht" in der Kölner Philharmonie ein spektakuläres Konzept mit Maschinen, Videoinstallationen und Projektionen ausgedacht. Damals agierte und musizierte auch schon die musikFabrik unter der Leitung von Peter Rundel. Hier sitzt noch Stockhausens Lebensgefährtin Kathinka Pasveer an den Mischpultreglern.

Im "Sonntag" gibt es auch eine große a-capella-Szene. Die Cappella Amsterdam und der Estnische Philharmonische Kammerchor ziehen in farbigen Kapuzenkutten als Wochentage und als Engel durch den Raum und um die Hörer herum. Knipsen Lämpchen an und aus und schichten in verschiedenen Sprachen ein Gotteslob zu Clustern. In immer neuen Raumkonstellationen. Ihr Leiter James Wood hat bereits 2002 in Amsterdam für die konzertante Uraufführung dieser Chorszene den Holländischen Rundfunkchor einstudiert. In schwarzer Kutte mit Lichtarmbändern an den Handgelenken wird er auf einer rollenden Kanzel rasant herum gefahren und immer neu positioniert. Die goldfarbenen vier Chorsolisten, ebenfalls auf rollenden Podesten, sehen aus wie Säulenheilige. Sie stellen die Engel der Freude dar, sind natürlich dem Sonntag zu geordnet, ballen aber auch schon einmal pathetisch die Faust.

Alles spult sich ab wie ein programmiertes Räderwerk, hat einen Bezug, eine Assoziation, ist bedeutungsschwanger, wirkt religiös motiviert. Die Musiker und auch die Sänger gehen in dieser Kosmogonie perfekt auf, haben ihre Rolle, sind jeden Moment präsent und agieren mit absoluter Perfektion. Seit Anfang März wird hier geprobt. Die Auseinandersetzung mit dem Notenmaterial hat noch viel früher angefangen. Das Werk kulminiert in einem orchestralen Höhepunkt am Ende des zweiten Teils. Im Wasserbecken vom Saal B sitzen die Musiker in fünf Gruppen à 6 und breiten einen Klangteppich aus. Dazu flirten Instrumentalsolisten Tête-a-Tête im Duett und zweimal im Terzett. Und bringen und erinnern an musikalische"Hoch-Punkte" aus den voran gegangenen Tagen. An "Pietà" vom Dienstag aus "Licht" oder an "Michaelion" vom Mittwoch aus "Licht". Dazu werden Tänzer aus Saal A eingeblendet, die "Hochzeits"-Rituale darstellen. Die eingeblendete Chormusik liefert der WDR Rundfunkchor vom 5-spurigen Tonband. "Hoch-Zeiten" ist vom WDR Rundfunkchor und dem WDR Sinfonieorchester 2003 auch uraufgeführt worden.

Am Schluss des zweiten Abends entlässt die Klangregisseurin Kathinka Pasveer das Publikum mit dem synthetischen "Sonntags"-Abschied ins Foyer und in die Welt. Der Tanzbrunnen vor dem Hauptausgang mit seinen bizarren weißen Zeltabdeckungen wird dem Erlebnis sofort und spontan subsumiert.

Diese "kosmologische Komposition" hat durchaus erschüttert, war musikalisch mitreißend, hat szenisch gepackt, aber, was will uns dieses futuristisch-kosmische Brimborium eigentlich mit auf den Weg geben? Wo ist der Platz des Zuschauers in dieser hermeneutischen Stockhausen-Kunstwelt? So überzeugend alles, vor allem von den Sängersolisten und Musikern präsentiert wurde, die allegorisch "unmenschlichen" Figuren blieben auf Distanz. Sind wie Wunder vorgeführt worden und wieder verschwunden. Vielleicht hat etwas ganz Banales gefehlt: ein bisschen Herz, ein wenig Gefühl. Kosmisch unterkühlt verlässt man diesen gerade so großartig geborenen MichEva Planeten.

Sabine Weber

Weitere Aufführungen:
20.4. (Teil 1) 21.4. (Teil 2), Beginn jeweils 19.30 Uhr; 24. April Gesamtaufführung, Beginn 12:00 Uhr, 26.4. (Teil 1) 27.4. (Teil 2) und 28.4. (Teil 1) 29.4. (Teil 2) Beginn jeweils 19.30 Uhr; 1.5. Gesamtaufführung Beginn 12.00 Uhr.
www.operkoeln.com/programm/48263/

Dieser Artikel ist mir 0,50, 1, 2 oder 5 Euro wert.


Share |