Unter Dennis Russell Davies spielten die Münchner Philharmoniker in der Philharmonie im Gasteig ein mutig-modernes Programm, darunter George Crumbs Klangspektakel "Star Child".
(München, 15. Mai 2009) Das Programm, das Dennis Russell Davies bei seinem Gastspiel bei den Münchner Philharmonikern dem Publikum bot, war ebenso ausgefallen wie mutig. Kaum ein Orchester wagt sich an George Crumbs ausuferndes, ominös theologisches Klangspektakel "Star-Child" aus dem Jahr 1977 - ein Auftragswerk für die New Yorker Philharmoniker, von Pierre Boulez uraufgeführt. Die Münchner Philharmoniker waren darüber hinaus so mutig, das Werk ins "normale" Aboprogramm zu integrieren. Und es hat funktioniert. Das hiesige Publikum ist keineswegs so konservativ, wie es oft gescholten wird. Für wachsende Offenheit und Neugierde haben die Philharmoniker selbst in den zurückliegenden zehn bis zwanzig Jahren Entscheidendes geleistet, besonders unter Thielemanns Vorgänger als Chefdirigent, James Levine.
Die in sechs Abschnitte gegliederte Partitur von "Star-Child" sieht verschiedene Orchestergruppen vor, die von verschiedenen Dirigenten geleitet werden müssen - um die musikalische Reise von der Apokalypse im irdischen Jammertal in die Astralgefilde einer tröstlichen Transzendenz ("Hymnus für das neue Zeitalter") zu veranschaulichen. Kein leichtes Stück in seiner strukturellen und rhythmischen Komplexität und seiner ansprüchlichen inhaltlichen Dimension. Doch ist es ein Werk von großer Intensität und Eindringlichkeit, das die Philharmoniker engagiert interpretierten - nebst dem hervorragend einstudierten Kinderchor des Münchner Gärtnerplatztheaters, dem Philharmonischen Chor und der Sopranistin Silvia Spinnato.
Um einiges weniger überzeugend klang dagegegen Benjamin Yusupovs 2006 für Mischa Maisky entstandenes Cellokonzert. Der Widmungsträger spielte es in München selbst. In diesem Konzert mischt der russisch-israelische Komponist mit der ironischen Brechstange, was sich nicht mischen läßt: populäre Schlagermusik und zeitgenössische Kunstmusik, wobei Yusupovs Klangsprache nah ans Filmmusikgenre heranreicht. Publikumsliebling Maisky sorgte dafür, dass es den Zuhörern trotzdem gefiel und spielte als Dankeschön eine Bachzugabe, die nicht mehr viel vom Original übrig ließ.
Eröffnet wurde der Abend mit Béla Bartóks wunderbarem Divertimento für Streichorchester, das Davies zu Beginn ein wenig beiläufig klingen ließ. Erst in den folgenden beiden Sätzen erhielt die Musik die Spannung und emotionale Geladenheit, die sie braucht.
Robert Jungwirth