Martin Stadtfeld überzeugt vor allem mit Wagner-Bearbeitungen in Köln
(Köln, 13.Januar 2012) Zielstrebig auf das Podium der Kölner Philharmonie eilend, die schlanke Figur von Kopf bis Fuß in Schwarz gehüllt, wirkte Martin Stadtfeld wie eine Mischung aus elegantem Sportler und dämonischem Künstler. Nicolo Paganini mag einst so gewirkt haben oder auch Franz Liszt. Ihm ja war mit verschiedenen Bearbeitungen der 2. Teil des Klavierrecitals des Koblenzers gewidmet. Mit "Isoldes Liebestod" hatte der junge Pianist am gleichen Ort bereits vor längerem auf seine Repertoireerweiterung nach viel Bach, Haydn, Mozart und Schubert aufmerksam gemacht. Inzwischen ist eine CD-Anthologie "Deutsche Romantik" erschienen. Bis in die Zugabe von Robert Schumanns "Mondnacht" hinein (Martin Stadtfelds eigene Adaption) entsprach es seinem Kölner Liveauftritt fast in Gänze.
Die Wahl von Liszt bei dieser Aufnahme von 2010 war wohl auch als Vorgriff auf das inzwischen verstrichene Jubiläumsjahr gedacht. Doch mit den Variationen über ein Motiv aus der h-Moll-Messe und einer Studie über den Presto-Satz der Violinsonate BWV 1001 erwies Martin Stadtfeld seinem Favoritkomponisten Johann Sebastian Bach einmal mehr die Ehre. Seine erste, sogleich preisgekrönte Phonoaufnahme galt dessen Goldberg-Variationen, die bislang letzte einigen seiner Klavierkonzerte.
Martin Stadtfeld ist durchaus nicht unumstritten. Über "Deutsche Romantik" verlautete irgendwo: "Vielschichtige CD". Das ist natürlich gänzlich unverbindlich formuliert und dennoch zutreffend, kann auch für das Kölner Konzert gelten. Robert Schumanns variable Stimmungen der "Waldszenen" wurden illuminiert, aber nicht wirklich erhellt. Die Musik wirkte seltsam korsettiert, ohne freien Atem. Ausnahme: die diskantschillernde Episode "Vogel als Prophet". Da glitzerte es auf einmal inmitten einer einigermaßen gefühlssteifen Interpretation. Ähnliches gilt für die Brahms-Intermezzi der Opera 117, 118, 119. Wesentlich stimmiger geriet die bereits erwähnte Studie.
Ein ganz anderes Flair besaß der 2. Teil des Konzertes mit den Liszt-Bearbeitungen. Ob bei Martin Stadtfeld womöglich durch das inhärente, teilweise sogar gesteigerte Wagner-Pathos ("Tannhäuser"-Ouvertüre und "Tristan"-Schluss) eine andere Saite animiert wurde, lässt sich nicht restlos verbindlich abschätzen. Aber das, was eine Kritikerstimme einmal sehr drastisch als "roboterhaft" bezeichnete, war hier in Gänze vom Tisch, bzw. der Klaviatur. Trotz gelegentlicher Überpedalisierung und punktuellem Tempostau floss die Musik Wagners dank Stadtfelds agiler Fingerfertigkeit virtuos dahin, markanter Bassdonner setzte besondere dramatische Akzente. Der starke Schlussbeifall ließ den Abend ebenfalls positiv ausklingen.
Christoph Zimmermann