Sarkastische Virtuosität

Mit zwei CD-Neuerscheinungen demonstriert die argentinische Cellistin Sol Gabetta ihre stilistische Bandbreite

Dmitri Schostakowitsch
Cellokonzert Nr. 2, Sonate für Cello und Klavier. Sol Gabetta (Violoncello), Mihaela Ursuleasa (Klavier), Münchner Philhamoniker, Marc Albrecht
RCA/Sony

Mit Dmitri Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 2 hat sich die mehrfach preisgekrönte junge Cellistin Sol Gabetta einen schweren Brocken vorgenommen. Wie die meisten Spätwerke des Komponisten spielen hier autobiographische Elemente eine nicht geringe Rolle; die Musik schwankt zwischen düsterer Introspektion und schriller Groteske, bietet solche exzentrischen Details wie eine Kadenz von Cello und großer Trommel im ersten Satz, die weder für den Spieler noch für den Hörer leicht zu entziffern ist - um so weniger, als auf eine Applaus heischende Schlusswirkung verzichtet ist.
Doch Sol Gabetta wirft sich mit aller Verve auf das kantige Werk, scheut nicht zurück vor Selbstentäußerung. Sie verfügt über einen enormen artikulatorischen Reichtum, fährt ihren großen, runden Ton, wo dies angebracht ist, zurück in fahle, beinahe entkörperlichte Regionen. Es handelt sich um eine Live-Aufnahme aus dem Münchner Gasteig, und die Münchner Philharmoniker unter Marc Albrecht unterstützen die Solistin mit hörbarer Hingabe. Einige Huster stören da nur wenig. Einen mindestens ebenso positiven Eindruck hinterlässt Gabettas Interpretation von Schostakowitschs Cellosonate, die der Komponist als junger Mann von 28 Jahren schrieb - bevor seine zahlreichen Schwierigkeiten mit dem Sowjetsystem ihren Anfang nahmen. Gabetta und der rumänischen Pianistin Mihaela Ursuleasa gelingt es hervorragend, die Balance zu halten zwischen dem vorherrschenden lyrischen Grundton und, im Scherzo und Finale, überbordender, mit Sarkasmus angereicherter Virtuosität. Die Flageolett-Passagen im zweiten Satz etwa bekommt man selten so glasklar zu hören, und das von den Interpretinnen wunderbar innig musizierte Largo markiert nur einen der zahlreichen Höhepunkte dieser Einspielung.

Thomas Schulz

Sol Gabetta "Cantabile"
Arienbearbeitungen für Cello und Orchester. Prager Philharmonker unter Charles Olivieri-Munroe. RCA/Sony

Das schöne Wort vom Singen auf dem Cello ist zwar leidlich abgedroschen, dennoch ist es im Grunde die Voraussetzung für jedes gehaltvolle Musizieren. Die phänomenale argentinische Cellistin Sol Gabetta bildet mit ihrem Instrument beinahe egal, was sie spielt, eine solche Einheit, dass man tatsächlich den Eindruck bekommt, das Cello ist ein Teil ihres Körpers, und die Töne singen aus ihr.
Natürlich ist eine CD mit Arienbearbeitungen für Cello und Orchester keine künstlerische Großtat, aber es ist auch nicht verboten als ernstzunehmender Musik solchen Ohrenschmaus anzubieten. Sol Gabetta liefert für die "Les Filles de Cadix" von Leo Delibes oder "Promptes à servir" aus Offenbachs "Le Périchole" den nötigen süffigen und spritzigen Ton, ohne dabei in vordergründiges Showgehabe abzugleiten - sehr charmant.

Robert Jungwirth

Nächste Konzerte in und um München:
13.12. München, 28.12. Nürnberg, 4.1. Salzburg, 19.4. Gauting, 1.5. Vaterstetten, 5.5. Bayreuth26.8. Elmau