Singer Pur haben die nahezu vergessenen Madrigale Adrian Willaerts auf CD eingesungen - erschienen bei Oehms Classics
Lange Zeit waren diese Madrigale nur Insidern bekannt. Denn sie erklangen nur in privaten Zirkeln einiger Eingeweihter. Erst nachdem ein adliger Fan die Noten 1559 drucken ließ, wurden sie auch der Öffentlichkeit zugänglich. Dennoch ist der Komponist Adrian Willaert, der 1490 in Flandern geboren wurde, als junger Mann nach Italien ging und in Venedig 35 Jahre lang bis zu seinem Tod Kapellmeister von San Marco war (als Vorgänger von Claudio Monteverdi), keiner der wirklich bekannten Renaissance-Musiker. In seinen 25 vier- bis siebenstimmigen Petrarca-Madrigalen, die jetzt erstmals auf Tonträger erschienen sind (2 Cds), hat Willaert Petrarcas Liebeslyrik mit ihren zwischen Leichtigkeit und schmerzlichem Ernst pendelnden Stimmungen in eine zart-fließende, elegische Klanglichkeit übertragen. Diese verfügt zwar nicht über die zugespitzte Expressivität eines Gesualdo oder die innigen Wort-Ton-Beziehungen Monteverdis, dafür aber hat Willaert Petrarcas Texte auf sehr sublime Art musikalisch gedeutet. Und die sieben Sänger von Singer Pur (eigentlich besteht das Ensemble aus sechs Sängern - drei Tenören Klaus Wenk, Markus Zapp und Manuel Warwitz, dem Bariton Reiner Schneider-Waterberg, dem Bass-Bariton Marcus Schmidl und der Sopranistin Claudia Reinhard, hier wurde es um den Countertenor Franz Vitzthum erweitert) geben der Musik edle Größe und innigen Ausdruck. Eine Entdeckung!
Robert Jungwirth