Das Theater Regensburg bringt als dt. Erstaufführung Simon Mayrs Oper "Il ritorno d'Ulisse" auf die Bühne
(Regensburg, 6. Februar 2010) Ein bisschen ergeht es dem Komponisten Simon Mayr posthum wie seinem Opernhelden Odysseus. Nach langen Jahren der Abwesenheit kehrt er in seine Heimat zurück. Unweit von Regensburg war der für die italienische Oper des 19. Jahrhunderts so wichtige, hierzulande weitgehend vergessene Komponist geboren worden. Und hier am Stadttheater von Regensburg gab man nun zu seinen Ehren die deutsche Erstaufführung seiner um 1800 herum entstandenen Oper "Il ritorno d'ulisse" - die Heimkehr des Odysseus. Eine späte Heimkehr fürwar, aber eine durchweg geglückte, ohne solche Hindernisse, wie sie Odysseus zu gewärtigen hatte.
Ein Sturm bläst den großen Kriegsherrn Odysseus nach 20 Jahren der Abwesenheit an Land, sein Schiff verwüstet, Haus, Hof und Ehefrau in der Hand eines anderen.
Barbara Bloch hat dafür eine überaus kunstvoll vernagelte Bretterbühne samt Bretterschiff gestaltet, die das Chaos der Gefühle und Befindlichkeiten der Protagonisten bildnerisch in Szene setzt.
Ähnlich wie in Verdis "Otello" erhält auch in Mayrs Odysseus-Oper der Gegenspieler des Titelhelden eine besondere Bedeutung: Plistene heißt hier der Anführer der Freier um die vermeintliche Odysseus-Witwe Penelope. An seinem selbsterklärten Anspruch auf Penelope entzünden sich denn auch musikalisch heftige Auseinandersetzungen, die letztlich nur durch höhere Mächte zu befrieden sind. Hier fällt Mayr wieder ganz zurück auf die gute alte opera seria.
Die Erklärung, warum Odysseus ausgerechnet in Japan strandet und Penelope folglich im Kimono die Bühne betritt, bleibt Regisseur Philipp Kochheim in seiner Inszenierung schuldig. Vielleicht, weil die Protagonisten Odysseus und Penelope von Asiaten gesungen werden. Das wäre dann aber doch ein äußerst oberflächlicher Grund. Immerhin sind die ritualhaften Episoden der Handlung um die Seherin Asteria in diesem vermeintlich altjapanischen Kontext einigermaßen plausibel eingebunden. Ansonsten bleibt Kochheims Inszenierung weitestgehend unverbindlich, allgemein.
Das Ensemble jedenfalls wächst in diesem musikalisch sehr vielgestaltigen und anspruchsvollen Werk über sich hinaus und vermittelt einen guten Eindruck von der stilistischen Versiertheit dieses wichtigen Vorläufers des italienischen Belcanto. Als eine Art "Brückenkomponist" ist Simon Mayr so etwas wie das das Bindeglied zwischen Mozart und der italienischen Oper des frühen 19. Jahrhunderts. Einiges klingt noch nach Mozart, aber vor allem in den Ensembles mit Chor hört man auch schon viel Verdi durch - auch wenn die Musik letztlich weder die Qualität des einen noch des anderen erreicht.
Enrico Lee als Odysseus klingt anfangs tatsächlich ein wenig schiffbrüchig, wird dann aber sicherer und klangvoller, die Penelope der Eun-Joo Park verfügt über einen ansprechenden Sopran, der in dieser Partie zwischen Königin der Nacht und Abigaille aus Nabucco hin und herzuspringen hat. Bemerkenswert - auch schauspielerisch - Gesche Geier als energischer und um Fassung ringender Plistene - wenngleich sie stimmlich des öfteren zu sehr forciert und etwas schrill klingt. Auch andere Sänger neigen gelegentlich dazu. Eigentlich völlig unnötig, denn Tetsuro Ban am Pult ist ein umsichtiger und einfühlsamer Dirigent, der den Sängern Raum zur Entfaltung lässt - und der die stilistische Bandbreite der Musik mit ihren durchaus eigenen Effekten und harmonischen Wendungen wirkungsvoll und klangschön zur Geltung bringt.
Eine großartige Leistung des Regensburger Theaters, das mit dieser deutschen Erstaufführung den beiden "Heimkehrern" Odysseus und Simon Mayr alle Ehre erweist.
Robert Jungwirth