Anne-Sophie Mutter erhält den Ernst von Siemens Musikpreis 2008
(München, 1. Februar 2008) Die Geigerin Anne-Sophie Mutter erhält in diesem Jahr den internationalen Ernst von Siemens Musikpreis. Der mit 200 000 Euro dotierte Preis ist eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Musikwelt. Der Preis wird am 24. April bei einem Festakt in den Münchner Kammerspielen überreicht. Die Hälfte des Preisgeldes soll nach Angaben der Siemens-Musikstiftung der Anne-Sophie Mutter Stiftung zufließen, die den weltweiten musikalischen Spitzennachwuchs fördern möchte. Neben dem Hauptpreis vergibt die Siemens-Musikstiftung auch zahlreiche Förderpreise in Höhe von insgesamt 2,1 Millionen Euro. Die drei Komponistenpreise gehen an den Schweizer Dieter Ammann, den in Karlsruhe lebenden Ungarn Márton Illés und an den Österreicher Wolfram Schurig.
"Nichts ist langweiliger, als wenn man sich festlegen lässt. Ich möchte immer wieder neue Aspekte in meiner künstlerischen Persönlichkeit finden." So äußerte sich Deutschlands prominenteste Geigerin Anne-Sopie Mutter bereits vor zehn Jahren über ihre Vorliebe, neben den Klassikern auch neueste Kompositionen in ihr Repertoire aufzunehmen und dem Publikum bekannt zu machen. Inzwischen haben viele renommierte Komponisten Werke speziell für sie geschrieben: Henri Dutilleux, Wolfgang Rihm, Witold Lutoslawski oder Krzysztof Penderecki, um nur einige zu nennen.
Es gebe wenige Interpreten von Weltklasse, die sich so intensiv mit der zeitgenössischen Musik auseinander gesetzt haben wie Anne-Sophie Mutter, begründet die Jury ihre Entscheidung. Dabei falle eine Vorliebe für klangliche Eleganz und kompositorisches Raffinement auf. Denn auf Melos und innere Dramatik wolle die Künstlerin auch bei neuer Musik nicht verzichten.
Deshalb wählt Anne-Sophie Mutter sehr genau aus, mit welchen Komponisten sie zusammen arbeitet und welche stilistischen Haltungen ihr näher oder ferner sind. "Eine gelungene Interpretation kann man nicht forcieren. Ich kann mich einem Werk nur nähern, indem ich es wiederholt studiere, und je besser ich ein Stück kenne, umso mehr entdecke ich darin. Aber es gibt auch Dinge, die sich mir total versperren wie die Zwölftonmusik", erklärt die Geigerin.
Anne-Sophie Mutter, im badischen Rheinfelden geboren, erhielt im Alter von fünf Jahren ersten Violinunterricht. Gleich mehrere Preise beim renommierten Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" zwei Jahre später offenbarten, dass es sich bei dem jungen Mädchen um eine ganz außergewöhnliche Begabung handelte. Daraufhin befreite das baden-württembergische Kultusministerium Anne-Sophie Mutter vom allgemeinen Schulunterricht. Fortan erhielt sie Privatunterricht sowie eine umfassende musikalische Ausbildung. Ihren internationalen Durchbruch als Musikerin erlebte Anne-Sophie Mutter, als Herbert von Karajan auf die 13-Jährige aufmerksam wurde. Ihr Debüt bei den Salzburger Pfingstfestspielen 1977 wurde von Publikum und Presse ebenso enthusiastisch gefeiert wie ihr erster Auftritt mit den Berliner Philharmonikern unter Karajan im darauf folgenden Jahr. Seitdem hat sich die Künstlerin ein umfangreiches Repertoire erarbeitet und regelmäßig in aller Welt konzertiert. Seit mehr als 30 Jahren stellt sie inzwischen unter Beweis, dass sie eine der besten Geigenvirtuosinnen unserer Zeit ist.
Besondere Kennzeichen ihres Spiels sind der warme, seelenvolle Ton, die Direktheit der Gefühlsäußerung sowie das feine Gespür für klangliche Nuancen, verbunden mit einem eindrucksvollen und nicht selten feurigen Temperament. Sie gewann alle wichtigen Schallplattenpreise und verkaufte Millionen von CDs. Die erzielten Honorare steckt sie häufig in von ihr gegründete Stiftungen, mit denen unter anderem der musikalische Nachwuchs im In- und Ausland gefördert werden soll.
Leidenschaft und Werktreue bilden die beiden interpretatorischen Extreme, zwischen denen sich Mutter künstlerisch bewegt. "Ich liebe es, möglichst vieles gleichzeitig zu tun. Ich bin ein sehr intensiv lebender, leidenschaftlicher Mensch, und Geschwindigkeit gehört dazu - wobei ich mir auch der Schönheit der Langsamkeit bewusst bin und sie auch auskosten kann", erklärt die Künstlerin.
In ihrer Preisbegründung lobt die Siemens-Musikstiftung an Anne-Sophie Mutters Interpretationen, dass sie tiefgründig und intuitiv zugleich seien. Spontaneität und geistige Durchdringung der Partitur seien bei Anne-Sophie Mutter keine Gegensätze, sondern bedingten einander. Ob der Violinbogen über die Saiten tanzt oder sie eine melodische Phrase mit ihrem Instrument gleichsam atmet - Mutter verstehe sich wie wenige auf die Fähigkeit, Kunstcharakter und Natürlichkeit, makellose Technik und innigstes Gefühl, Emotion und Ratio miteinander zu verbinden.
Informationen zur Ernst-von-Siemens-Musikstiftung