Anne-Sophie Mutter bedauert bei der Verleihung des Ernst von Siemens Musikpreises, dass nicht die Komponistin Sofia Gubaidulina den Preis bekommen hat - ein Zwischenruf
Unbestritten hat Anne-Sophie Mutter ihre Verdienste als Geigerin und auch als Interpretin Neuer Musik, die sie hin und wieder aufgeführt hat. Allerdings in weit geringerem Umfang als z.B. ihr Vorgänger beim Siemens-Preis Gidon Kremer. Zuletzt hob Anne-Sophie Mutter im vergangenen Sommer beim Lucerne-Festival sehr erfolgreich das zweite Violinkonzert von Sofia Gubaidulina aus der Taufe.
Dessen ungeachtet gab es manche, die sich über die Entscheidung der Siemens-Stiftung gewundert haben. Bekamen diesen Preis doch vor Anne-Sophie Mutter in der Regel solche Musiker, die als Komponisten oder Interpreten wesentliche Anreger für die Entwicklung der Musikkultur waren, neben vielen zeitgenössischen Komponisten wie Luciano Berio, Maurizio Kagel oder György Kurtag waren dies Nikolaus Harnoncourt, das Arditti-Quartett oder Maurizo Pollini.
Die "Himmelskönigin", als die Anne-Sophie Mutter in der Laudatio bei der Preisverleihung (24. April) bezeichnet wurde, ist in ihrem Musizierstil von der Entwicklung der Interpretation eingeholt worden. Interpretatorische Akzente konnte sie in den vergangenen Jahren kaum setzen.
Honorabel ist natürlich, dass sich Anne-Sophie Mutter seit längerem für den geigerischen Nachwuchs engagiert und ihrer dafür gegründeten Stiftung die Hälfte des Preisgeldes von 200.000 Euro zur Verfügung stellt. Man kann sich allerdings fragen, warum nur die Hälfte? Eine Spitzenverdienerin wie sie wird kaum auf das Preisgeld angewiesen sein, um damit die Raten für ihr Eigenheim abzubezahlen.
Auch wirken ihre rührseligen Worte des Bedauerns, ja der Beschämung bei der Danksagung, dass sie und nicht die Komponistin Sofia Gubaidulina den Preis bekommen hat, etwas seltsam. Wenn Frau Mutter schon so beschämt ist, warum spendet sie dann nicht die andere Hälfte des Preisgeldes der betagten Komponistin?
Womit wir schon bei einer der zentralen Ungerechtigkeiten unseres Musikbetriebs sind, dass nämlich reproduzierende Musiker in der Regel um ein Vielfaches mehr verdienen als jene, die die Werke komponieren.
Robert Jungwirth