Was Sibelius' Musik für die gebildeten Kreise Finnlands so wichtig machte, war der Umstand, das Sibelius der erste finnische Komponist klassischer Musik im zentraleuropäischen Sinne war. "Er war für diese Menschen ein Vorbild," sagt Saraste. Gleichzeitig war er dem Anliegen seiner Heimat verpflichtet und komponierte Werke wie die "Karelia"-Suite, die "Lemminkäinen-Suite" oder "Finlandia", die den Stand der europäischen Kompositionskunst mit dem finnischen Geist verbanden. Mit diesen Werken zeitlose Kompositionen zu besitzen, die authentisch finnisch sind, darauf sind die Finnen unverändert stolz.
Die "Sinfonia Lahti", ein Sinfonieorchester mit 62 Planstellen, hat sich der Musik von Jean Sibelius besonders verschrieben. Unter seinem früheren Chefdirigenten Osmo Vänskä hat es die sieben Sinfonien Sibelius' auf CD aufgenommen. Mit der Gesamtaufführung der Sinfonien begann auch das Festival im Jahr 2000.
Und so standen auch 2008 die Musikerinnen und Musiker der Sinfonia Lahti im Zentrum des Geschehens. An drei Abenden führten sie in der akustisch phänomenalen Sibelius-Halle unter Jukka Pekka Saraste die Suiten und die erste Sinfonie auf. In solch dichter Folge gewinnt man den Eindruck, dass Sibelius wusste, was er seinen Zuhörern schuldig war.
Dem von Nationalgefühl unbefangenen Zuhörer erscheinen Kompositionen wie die Ouvertüre E-Dur, "En saga", die Karelia-Suite oder die Leminnkäinen-Suite ungemein farbig, abwechslungsreich sowie energiegeladen und sensibel zugleich. Sarsaste nutzte die springlebendige Akustik des Saales zugleich, um geradezu kammermusikalische Qualitäten in der Musik frei zu legen. Die Orchestermusiker gaben rundum ihr Bestes. Die Holzbläser durften zu jeder Zeit ihre wichtige Rolle im Orchestersatz klar machen, der Klang der Streicher schillerte in allen Nuancen von satter Tiefe bis zu herb strahlenden Höhen. Die Blechbläser waren mit edler Klangfarbe präsent, übertönten aber das restliche Orchester nicht.