Die Leichtigkeit des Seins
Robert Schumann: Sinfonien Nr. 1 und 3
Orchestre des Champs Elysees
Dirigent: Philippe Herreweghe
Harmonia mundi, 1 CD
Robert Schumann hat heikle Sinfonien geschrieben, und der Alte-Musik-Spezialist Philippe Herreweghe hat sich zu einem sinfonischen Dirigenten von Rang entwickelt. Das ergibt eine glückliche Verbindung. Denn Schumanns Sinfonien sind auf Dirigenten angewiesen, die profunden Einblick in seine Instrumentierung nehmen können. Herreweghe hat mit seinem "Orchestre des Champs Elysees", das auf Originalinstrumenten spielt, die Mittel an der Hand, diese Instrumentierung zum Leuchten zu bringen. Schumann war in seinen vier Sinfonien auf der Suche nach einem originär romantischen Ton für die Orchestermusik. Dafür hat er zum einen die melodische Idee in den Vordergrund gestellt. Zum anderen hat er das Orchester wie eine Einheit behandelt, die mehr einen schillernden, sich ständig verändernden Gesamtklang hervorbringt, anstatt die Motive differenziert auf die Orchestergruppen zu verteilen. Die meisten Dirigenten des romantischen Repertoires haben damit ihre Schwierigkeiten. In jüngerer Zeit hat aber Daniel Barenboim mit der Staatskapelle Berlin gezeigt, wie man durch sorgsame Artikulation auch mit einem modernen Orchester die Farbwirkungen Schumanns herausarbeiten kann. Herreweghe fällt das dank der starken Obertonanteile der historischen Instrumente noch leichter. In seiner Einspielung scheinen sich die Instrumente von selbst den Klangraum zu nehmen, den sie gerade brauchen. Herreweghes Tempi sind auf der moderaten Seite. Das ermöglicht den Musikern die gebotene Sorgfalt bei der Artikulation und gibt der Bildung der Klangmixturen die Zeit, die sie braucht. Dass Schumann inhaltlich mit seinen Sinfonien schwer zu kämpfen hatte, das kann auch ein Herreweghe nicht ausräumen. Unverändert wundert man sich, wie Schumann etwa auf den finster kreisenden vierten Satz der dritten Sinfonie, der sogenannten Rheinischen, diesen munteren Kehraus folgen lassen konnte. Aber es gelingt dem Orchester auch hier, die Absicht darzustellen: Schumann kriegt die Kurve auf klanglicher Ebene und präsentiert zum Schluss mit den Hörnern und den Tuttistreichern ein Fest des romantischen Klanggefühls. So leicht, so natürlich ist das bisher kaum einem anderen Gelungen. Und deshalb will man diese Aufnahme immer wieder hören, bis auch das letzte Geheimnis des Schumannschen Klangzaubers, vorerst jedenfalls, gelüftet ist.
lm