Die Münchner Philharmoniker mit Schumann und Grieg
(München, 20. Mai 2009) Eine verkappte Schumann-Symphonie, die "Ouvertüre, Scherzo und Finale " op. 52, und eine echte Symphonie, die "Rheinische" umrahmten im Abo-Konzert der Münchner Philharmoniker das Klavierkonzert in A-moll von Edvard Grieg. Rudolf Buchbinder lockte die Zuhörer hinein in die emotionalen Wechselbäder: Nach markantem Beginn träumte er den tastenden Motiven hinterher oder stanzte massive Akkordläufe in die Tasten. Den Kontrast zwischen vollgriffiger Dramatik und zarter Versonnenheit kostete er auch im langsamen Satz (mit feinem Horn-Pianissimo) aus.
Christian Thielemann reagierte mit dem Orchester sensibel, sorgte für sanfte Anschlüsse, nahm dennoch das Marcato im Finalsatz wörtlich. Nach deftigem Klavier-Tanz und zarter Flötenromantik vereinnahmte er das Klavier zuletzt in den Gesamtklang.
Alle Klang-Trümpfe spielten die Philharmoniker in Schumanns 3. Symphonie aus. Da ging Thielemann in die Vollen, kanalisierte den Fluss dennoch genau und arbeitete die Steigerungsmomente lustvoll heraus. Ohne sich im Detail zu verlieren, vernahm der Hörer die thematische Kleinarbeit im Scherzo oder den Feinschliff zwischen den Stimmen, weich modelliert zu Beginn des 3. Satzes. Mit weiten Spannungsbögen glänzte das Orchester im 4. Satz. Die Streicher puschten das Thema immer wieder auf wie ein untergründiges Rumoren, während die Blechbläser Feierlichkeit verbreiteten. Mit einem lebhaften, vielfältigen Finale schloss sich der Kreis.
Eingestimmt hatte Thielemann die Philharmoniker mit einer Herausforderung: Mit den Kontrasten der lebendig musizierten, im dichten Satz wie in der Leichtfüßigkeit überzeugenden "Ouvertüre".
Gabriele Luster