András Schiff und Kirill Gerstein spielen Busoni bei den Salzburger Festspielen
(Salzburg, 9. August 2008) Nach Daniel Barenboim und Lang Lang haben sich bei den Salzburger Festspielen in diesem Jahr noch zwei weitere hochkarätige Pianisten zu einem Klavierduo zusammen gefunden: András Schiff und Kirill Gerstein. Thema des Abends im Mozarteum: "Bach und die Folgen". So jedenfalls hätte man das Programm mit Teilen aus Bachs "Kunst der Fuge", der "Großen Fuge" von Beethoven und Busonis ominöser "Fantasia Contrappuntistica" für zwei Klaviere wohl übertiteln können.
Wobei sich zeigte, dass Busoni trotz seiner ambitiösen Auseinandersetzung mit der Bachschen Fugenkunst letztlich musikalisch eher wenig zu sagen hat. Und das obwohl gerade in seiner großen Fantasia aus dem Jahr 1910 dafür reichlich Raum vorhanden wäre. Immer wieder arbeitet sich die Musik rauschhaft gesteigerten Höhepunkten entgegen - "die Ausbeutung des Hauptgedankens bis zu dessen Erschöpftheit" (Busoni) - um dann abzubrechen, ohne dass neue musikalische Ideen aus dem Material gewonnen werden. Busoni schöpft das melodische Potential nicht aus, auch wenn sich durchaus verblüffende musikalische Verläufe ergeben und natürlich jede Menge virtuose Exzesse - von Schiff und Gerstein mit großer Sorgfalt und Übereinstimmung dargeboten.
Diese Eigenart Busonischen Komponierens zeigte sich auch in seiner zweiter Violinsonate, die gut zehn Jahre früher entstanden und noch ganz im Brahmsschen Tonfall gehalten ist. Nach holzschnitthaftem Beginn schwingt sie sich zu prononcierter thematischer Gestaltung auf, die aber letztlich auch ohne Folgen bleibt. Andras Schiff war der nicht wirklich gelöst aufspielenden Geigerin Yuuko Shiokawa ein umsichtiger und engagierter Begleiter.
Die Klarheit und die Erfindungskraft Bachscher Kompositionen, wie sie das Quatuor Mosaiques in Ausschnitten aus der "Kunst der Fuge" plastisch und doch fein ziseliert davor darbot, verblüfft - gerade in einem solchen Kontext - doch immer wieder.
Auch Beethovens "Großer Fuge" für Streichquartett, die als Mittelpunkt seines B-Dur-Quartetts konzipiert war, dann aber auf Intervention seines Verlegers daraus entfernt und gesondert publiziert wurde, gebührt natürlich ein Ehrenplatz im Fugentempel der Musikgeschichte. In ihr klingt Existentielles in der Auseinandersetzung mit der Form der Fuge an, die Kraft und der Wille, aus ihr etwas Neues, Unerhörtes entstehen zu lassen. Das Quatuor Mosaiques demonstrierte das mit prägnanter Linienführung und kraftvoll-homogenem Spiel.
Robert Jungwirth