Gemessen an seinen anderen Einfällen zu "absoluter" Musik, etwa zu Messiaens "Quatuor pour la fin du temps" oder Schuberts "Schöne Müllerin" ist dies reiner Marthaler-Minimalismus. Niemand kippt mehr um oder schlägt frappierend virtuose Purzelbäume, nichts verschwindet plötzlich oder erscheint ebenso: Alle stehen sauber sortiert da und machen absolut vorhersehbare Dinge. Das Grüppchen auf dem Balkon verdreht zur Scelsi-Musik in neckischer Andeutung gerade einmal die Hände. Zu einem anderen Stück inszeniert Marthaler einen Stopp-Motion-Tango, dessen Bewegungsmomente in bizarren Verrenkungen gefrieren. Das Kontrabass-Stück trägt der Klangforums-Solist einer etwas ennuierten Zuhörerin als Ständchen auf dem Balkon vor, während darunter ein Pensionsgast zu den chinesisch inspirierten Klängen etwas aus einer Reisschale isst. Ein Mann hängt Wäschestücke auf dem Balkongeländer auf, was schließlich seiner Gattin nicht passt. Sie kommentiert das mit dem Gekeife, das man von einer molligen Frau im kleinen Schwarzen auch erwarten würde. Und so weiter.
Das ermüdet. Sehr sogar. Denn die Geschichte bleibt ein Sammelsurium von Bildern und Aktionen, die keinen Zusammenhang oder Sinn ergeben wollen - nicht einmal in Form eines jener so opulenten marthalerschen Un-Sinne. Nächstes Stück, nächstes Bild, wie in einer Dia-Show mehr oder weniger missglückter Urlaubsbilder, bei der man nur hin und wieder "das ist aber wirklich schön" ausrufen kann. Denn aus einigen der Bilder, wie der Tango-Szene, blitzt ja jener so unschuldig-gnadenlos sezierende Marthaler hervor, der uns die Ungeheuerlichkeit der Dinge und Menschen dadurch zeigt, dass er sie zeigt wie sie sind. Aber in der Summe kommt nichts in Fluss und der "Sauser" deliriert vor sich hin, wie es die Wirkung seines Namenspatrons dann letztlich auch sein soll.
Der Erkenntnisgewinn aus dieser Show geht gegen Null. Marthaler verwässert die der Scelsi-Musik inhärente Bildkraft und beraubt sie ihrer meditativen Wirkung. Wer hören will, wird gezwungen, hinzusehen; einfach nur wegsehen und sich auf die Klänge konzentrieren geht nicht, dazu sitzt man auf den Plastikstühlen viel zu unbequem. Besser also, man wartet auf den ersten "Sauser" und genehmigt sich eine CD mit Scelsi dazu - diese Verbindung dürfte eine deutlich bessere Wirkung zeigen.
Laszlo Molnar
Weitere Aufführungen am 21., 23., 24. und 25. August, jeweils um 19.30 Uhr auf der Perner Insel in Hallein.