Meldungen

BR plant Literatursendungen aus Kostengründen abzuschaffen

Die Intendanz des Bayerischen Fernsehens beabsichtige die Einstellung der letzten Literatursendungen des Bayerischen Fernsehens, „Lesezeichen“ und „Lido“, zum Ende des Jahres wegen Sparmaßnahmen. Das befürchten die Autoren dieser Sendungen und wenden sich in Appellen und einer Petition an die...

Gefährlicher Bayreuther „Tristan“: Merkel kippt vom Stuhl, Seehofer muss ins Krankenhaus

Nicht ein Schwächeanfall, sondern ein maroder Stuhl im Pausenlokal ließ die deutsche Kanzlerin bei der „Tristan“-Premiere in Bayreuth am vergangenen Samstag von eben diesem kippen. Nachdem zunächst das Gerücht die Runde gemacht hatte, Merkel habe einen Schwächeanfall erlitten, beeilte sich ihr...

Geiger des Leipziger Streichquartetts wird seit Monaten von US-Justiz festgehalten

Der Primarius des Leipziger Streichquartetts, Stefan Arzberger, sitzt seit 27. März 2015 in New York fest, weil die Justiz ihm Mordversuch an einer 64-jährigen Amerikanerin vorwirft. Arzberger war auf einer Konzertreise in Amerika unterwegs, als er in eine ebenso rätselhafte wie fatale Geschichte...

BR-Klassik mit deutlichem Hörerzuwachs

Die Klassik-Welle des Bayerischen Rundfunks BR-Klassik (vormals Bayern 4) kann bei der aktuellen Mediaanalyse des Hörfunks in Bayern ein deutliches Plus bei den Nutzerzahlen (UKW) verbuchen. Von 55.000 Hörern bei der letzten Analyse hat sich die Zahl auf nunmehr 91.000 Hörer in der Stunde beinahe...

Hindernis für Besucher der Bayreuther Festspiele: Bahn sperrt Strecke

Auf Hindernisse und Verzögerungen müssen sich Besucher der Bayreuther Festspiele in diesem Sommer einstellen, die mit der Bahn von Nürnberg anreisen. Vom 1. August bis zum 14. September sperrt die Bahn den Streckenabschnitt zwischen Nürnberg und Pegnitz in beiden Richtungen durchgehend. Das ist...

Oper Genf muss in Ausweichquartier - bietet aber eine spannende nächste Saison

Eine aufregende neue Saison steht dem Grand Théâtre de Genève bevor, die geprägt ist vom Umzug aus dem Theater an der Place de Neuve in die neu errichtete Opéra des Nations im Parc Rigot nahe des UNO-Geländes. Während das angestammte Haus zwei Jahre lang für Renovierungsarbeiten geschlossen ist,...

Katharina Wagner lädt BR-Journalisten wegen Nichtgefallen aus

Ohne weitere Angabe von Gründen hat die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, ein vereinbartes Interview zur Neuinszenierung des „Tristan“ mit einem Hörfunk-Journalisten des BR abgelehnt. Sie möchte nicht mit diesem Journalisten sprechen, hieß es. 14-7-2015

Schola Cantorum Basiliensis erhält REMA Early Music Award

Der erstmalig zu vergebende REMA Early Music Award geht an die Schola Cantorum Basiliensis, einen Sonderpreis erhält das Hilliard Ensemble. Als Europäisches Netzwerk für Alte Musik vereinigt REMA (Réseau Européen de Musique Ancienne) 60 Organisationen und Festivals aus 21 Ländern, die auf Alte...

Jahrespreis der Schallplattenkritik für Igor Levit

Der Pianist Igor Levit ist in der ausverkauften Philharmonie Essen mit einem  Jahrespreis des PdSK (Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V.) geehrt worden. Die Verleihung fand am 4. Juli im Rahmen des Abschlusskonzertes des Klavier-Festivals Ruhr statt. Eleonore Büning, Vorsitzende des...

Bratscher des Artemis Quartetts Friedemann Weigle gestorben

Nach langer Krankheit und doch plötzlich ist der Bratscher Friedemann Weigle am vergangenen Wochenende verstorben. Weigle war Gründungsmitglied und 20 Jahre lang Bratscher des Petersen Quartetts, bevor er 2007 dem Artemis Quartett beitrat und mit diesem weltweit Erfolge feierte. Darüber hinaus war...

Will he stay or will he go? Noch ist offen, ob Petrenko parallel zu seinem Amt als Chef der Berliner Philharmoniker auch als GMD in München verlängert

Nach Auskunft des Bayerischen Kunstministeriums sind die Gespräche mit dem Dirigenten Kirill Petrenko über eine Verlängerung seines 2018 endenden Vertrags als GMD der Bayerischen Staatsoper parallel zu seinem neuen Posten als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker noch nicht abgeschlossen. Das...

Bayreuth ist immer für einen Ärger gut: Jetzt streiten der Leiter des Wagner-Museums und die Stadt vor Gericht

Parallel zur Wiedereröffnung des Richard-Wagner-Museums in Bayreuth nach fünfjähriger Renovierung am 26. Juli tragen der Leiter des Museums, Sven Friedrich, und die Stadt einen Rechtsstreit aus. Hintergrund sind zwei Abmahnungen, die der Museumsleiter von der Stadt im Frühjahr dieses Jahres...

Michel van der Aa erhält Johannes Vermeer Preis 2015

Michel van der Aa (geb. 1970) erhält den niederländischen Staatspreis für die Schönen Künste 2015, den Johannes Vermeer Award. Die Auszeichnung ist mit 100.000 EUR dotiert und wird seit 2009 jährlich an herausragende, in den Niederlanden tätige Künstler aller Sparten verliehen. Zu den bisherigen...

Ivor Bolton wird neuer Chefdirigent des Orchesters Basel

Das Sinfonieorchester Basel hat Ivor Bolton zu seinem neuen Musikdirektor und Chefdirigenten gewählt. Von Beginn der Konzertsaison 2016/17 wird der britische Dirigent an der Spitze des Orchesters stehen. Bolton erhält einen Vierjahresvertrag, der bis Ende der Spielzeit 2019/2020 dauert. Der...

Na also: Thielemann bekommt doch noch einen neuen Chefposten

Nachdem er bei den Berliner Philharmonikern in der vergangenen Woche leer ausging, hat der Dirigent Christian Thielemann nun doch noch einen schönen neuen Chefposten erhalten: Er wurde jetzt zum Musikdirektor der Bayreuther Festspiele ernannt. Einen Musikdirektor gab es in Bayreuth noch nie,...

Bayreuth in Turbulenzen: Anja Kampe sagt Isolde ab

Nach der Umbesetzung der Partie des Siegfried im "Ring" und einem angeblichen "Hausverbot" für die Noch-Mitintendantin Eva Wagner-Pasquier während der Proben zum "Tristan" folgt jetzt ein weiterer Paukenschlag bei den Bayreuther Festspielen: Knapp vier Wochen vor der...

Lang Lang unterrichtet Nachwuchspianisten beim Allianz Junior Music Camp 2015

Vom 18. bis 24. November 2015 lädt die Lang Lang International Music Foundation (LLIMF) zum dritten Allianz Junior Music Camp in den Musikverein nach Wien ein. Dieses einwöchige, von der LLIMF entwickelte Förderprogramm richtet sich an Nachwuchspianisten, die die Möglichkeit bekommen, mit dem...

Macbeth in Heidenheim

Höhepunkt der Opernfestpiele Heidenheim in diesem Jahr ist die Open-Air-Opernproduktion von  Verdis Oper "Macbeth" vor der eindrucksvollen Kulisse der Burgruine Schloss Hellenstein, passend zum Festivalmotto MACHTSPIELE . "Das Streben nach Macht liegt in der Natur des Menschen...

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Samson im Muskelkostüm

Einstürzende Altbauten Foto: Lelli Masotti / Oper Rom

Charles Dutoit dirigiert „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns am Teatro dell’Opera di Roma. Carlus Padrissa von La Fura dels Baus inszeniert

(Rom, im April 2013) „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns ist eine Oper, die man leider nicht oft zu hören bekommt. Vor allem nicht in Italien, wo die französische Oper ein sehr stiefmütterliches Dasein fristet. Ob es sich um französische Opern des 18. oder des 19. Jahrhunderts handelt spielt dabei keine Rolle. Wenn französisch gesungen wird, bleiben viele italienische Opernfreunde daheim.

Es gehört also schon Mut dazu, an einem grossen Opernhaus wie in Rom eine der wichtigsten und sicherlich auch schwierigsten französischen Opern des 19. Jahrhunderts auf die Bühne zu bringen. Ein Werk, das auch, und das macht den ganzen musikalischen Reiz von „Samson et Dalila“ aus, von der leidenschaftlichen Auseinandersetzug für oder gegen die Musik Richard Wagners lebt.
Saint-Saëns war als Wagnerianer verschrien, als sogenannter „Wagnérien impéniten“, doch damit tut man dem Franzosen mehr als Unrecht. Sicherlich nähert sich seine Musik Wagner mehr als die von Bizet. Auch wenn Saint-Saëns leitmotivische Elemente verarbeitet und dem Orchester eine verstärkte Präsenz als in anderen zeitgenössischen französischen Opern einräumt, war er nie ein erklärter Anhänger Wagners.

Saint-Saëns suchte sich musikalisch einen eigenen Weg zwischen Wagner und der typisch französischen Musik seiner Zeit, und deshalb ist sein Hauptwerk musikalisch hoch interessant. Die Oper hatte übrigens nicht in Frankreich ihre Uraufführung, sondern, dank der Vermittlung von Franz Liszt, 1877 in Weimar. Der Komponist wurde stürmisch gefeiert.
Die Neuproduktion an der römischen Staatsoper war ein Risiko. Schon wegen des Orchesters. In der Regel tun sich italienische Orchester schwer mit französischer Musik. Den meisten italienischen Dirigenten gelingt es nicht, das nur scheinbar leichte der französischen Musik, ihr tonales Fließen adäquat umzusetzen.
Deshalb engagierte man Charles Dutoit. Obwohl kein junger Mann mehr, war seine Interpretation der Partitur meisterhaft. Ein großes Lob auch dem Orchester der römischen Staatsoper.

Die Besetzung war gut, mehr aber auch nicht. Aleksandrs Antonenko sang den Samson. Eine Stimme, die für einen Kraftprotz, der Tempel zum Einstürzen bringt, zu klein und zu unsicher war. Da nützte auch das Kostüm nichts: Carlus Padrissa von der spanischen Theatergruppe La Fura dels Baus hatte den Sänger in ein Muskelkostüm gesteckt, das an den Zeichentrickhelden Hulk erinnerte.
Olga Borodina interpretierte die Dalila. Sicherlich war die Borodina einmal ein wirklich guter dramatischer Mezzosopran. Die Rolle der Dalila sang sie weltweit, doch scheint ihre Stimme in vielen Momenten ein wenig wacklig geworden zu sein. Auch der ansonsten ausgezeichnete Chor der Staatsoper enttäuschte ein wenig: dass er französisch sang war nur zu erraten.

Interessant hingegen die Regie von Carlus Padrissa. Um Geld zu sparen, nutzte er Videoprojektionen. Das funktionierte ausgezeichnet. Kurios die Szene mit dem Siegesfest. Der Regisseur stellte sadomasochistische Folterszenen dar, die anscheinend an Pier Paolo Pasolinis Film „120 Tage von Salò“ erinnern sollten. Während in Pasolinis Film die Gefolterten nackt sind, sind sie in der Inszenierung Padrissas in hautfarbene und eng am Körper anliegende Gummianzüge gekleidet. Das wirkte doch recht albern, aber in Rom muß man immer noch und immer wieder auf das eher konservative Publikum Rücksicht nehmen, das bei einem nackten Körper auf der Bühne in der Regel mit einem erstaunten „Oh!“ reagiert.

Thomas Migge