Meldungen

Echo-Klassik-Preisträger 2014 veröffentlichen Appell für Frieden und Toleranz

19 Preisträger des diesjährigen Echo-Klassik-Preises haben einen Appell an ihr Publikum gerichtet, in dem sie dafür werben, sich für Frieden und Toleranz in der Welt stark zu machen und die Werte des humanistischen Erbes und der Musik zu verteidigen. Die Unterzeichner des Aufrufs: Anna...

Verschleierte Frau mußte Pariser Oper verlassen

Weil sie einen Ganzkörperschleier trug, mußte eine Besucherin einer Aufführung der "Traviata" an der Pariser Bastille-Oper das Haus während der Vorstellung verlassen. Choristen hatten sich geweigert weiterzusingen, solange die Frau ihren Schleier anbehält. Die Frau wurde vor die Wahl...

Barrie Kosky verlängert an der Komischen Oper

Barrie Kosky bleibt bis einschließlich der Spielzeit 2021/22 Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin. Der Australier, der das Opernhaus an der Behrenstraße seit 2012 leitet, verlängert den bis 2017 laufenden Vertrag um weitere fünf Jahre. Der Stiftungsrat der Stiftung Oper in Berlin...

Nikolaus Harnoncourt erhält ECHO Klassik für Lebenswerk

Nikolaus Harnoncourt, vielfach ausgezeichneter Wegbereiter der historischen Aufführungspraxis, Dirigent, Ensemblegründer, Festivalmitbegründer, Musikpädagoge und Autor vielbeachteter Veröffentlichungen, wird für sein Lebenswerk mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet. „Nikolaus Harnoncourt hat mit...

Welser-Möst verlängert beim Cleveland Orchestra bis 2022

Der Dirigent Franz Welser-Möst, der gerade auf spektakuläre Weise seinen Posten als Musikchef der Wiener Staatsoper gekündigt hat (siehe KlassikInfo), hat jetzt seinen Vertrag beim Cleveland Orchestra verlängert. Welser-Möst ist seit 2002 Musikdirektor des amerikanischen Orchesters, das nach dem...

Daniele Gatti übernimmt Leitung des Concertgebouw Orchestra

Der italienische Dirigent Daniele Gatti wird neuer Chefdirigent des Concergebouw Orchestra Amsterdam. Er löst 2016 Mariss Jansons ab, der die Leitung des berühmtesten niederländischen Orchesters aus Gesundheitsgründen abgibt.
Gatti ist seit September 2008 musikalischer Leiter des Orchestre...

Peter Gülke wird Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker

Der Dirigent Peter Gülke wird neuer Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker. Er tritt sein Amt 2015 in Brandenburg an der Havel an, und folgt damit auf Michael Helmrath, dessen Vertrag zum Sommer 2015 endet. Peter Gülke wurde 1934 in Weimar geboren. Er studiert Violoncello und...

Bayerische Staatsoper ist der große Gewinner der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt

Die Bayerische Staatsoper ist der große Gewinner der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Opernwelt" unter fünfzig unabhängigen Musikkritikern in Europa und den USA. Das Theater wurde zum Opernhaus des Jahres 2014 gewählt, ihr GMD Kirill Petrenko zum Dirigenten des Jahres, das...

Milica Djordjević erhält Belmont-Preis

Die serbische Komponistin Milica Djordjević erhält den mit 20.000 € dotierten Belmont-Preis 2015 für zeitgenössische Musik der Forberg-Schneider-Stiftung. Mit ihr wird eine junge Komponistin ausgezeichnet, deren künstlerische Entwicklung und Karriere die Stiftung seit nunmehr drei Jahren...

Künstler und Kunstermöglicher: Markus Hinterhäuser erhält Musikpreis des Heidelberger Frühling

Der österreichische Pianist und Kulturmanager Markus Hinterhäuser erhält den mit 10.000 Euro dotierten Musikpreis des Heidelberger Frühling 2015. Das gleichnamige Musikfestival vergibt die Auszeichnung jährlich im Wechsel an einen Kulturschaffenden oder einen Kulturjournalisten, der sich...

Christopher Hogwood gestorben

Als Gründer und Leiter der Academy of Ancient Music war der Dirigent Christopher Hogwood einer der wichtigsten Vertreter der historische Aufführungspraxis. Jetzt ist Hogwood im Alter von 73 Jahren in Cambridge gestorben.
Hogwoods Aufnahmen gehören zum Besten, was diese Richtung der...

Die Carl Bechstein Stiftung stiftet Klaviere für Schulen

In Berlins Schulen wird verstärkt Klavier gespielt, nachdem die Carl Bechstein Stiftung im vergangenen Jahr allein 40 Klaviere in Schulen der Hauptstadt aufgestellt hat – in diesen Tagen werden weitere ausgeliefert. Die Förderung des Klavierspiels ist Zweck der noch jungen Stiftung, die ihr...

Muti verlässt die Oper Rom

Riccardo Muti gibt sein Amt als Erster Dirigent der römischen Oper auf. Der 73-jährige italienische Dirigent hatte den Posten sechs Jahr inne und während dieser Zeit versucht, dem finanziell angeschlagenen Haus wieder ein künstlerisches Profil zu geben. Muti zieht sich Presseberichten zufolge auch...

Deutscher Musikrat: Freihandelsabkommen bedroht deutsche Kulturförderung

Neben den internationalen TTIP und CETA stellt vor allem das „Trade in Services Agreement“ (Abkommen zum Handel mit Dienstleistungen; kurz TISA) eine Bedrohung für das Kulturleben in Deutschland dar. Ziel des Abkommens ist der Abbau von Handelshemmnissen im Dienstleistungssektor. Der...

Gefahr für die Freiheit der Kunst: Deutscher Bühnenverein protestiert gegen Berufung von Tibor Navracsics zum EU-Kommissar für Kultur

Den Vorschlag von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, den jetzigen ungarischen Außenminister Tibor Navracsics zum EU-Kommissar für Bildung, Jugend, Kultur und Bürgergesellschaft zu berufen, stößt beim Deutschen Bühnenverein auf scharfe Ablehnung. „Es kann nicht sein, dass ein Politiker wie...

Krise an der Wiener Staatsoper weitet sich aus: Auch de Billy zieht sich als Dirigent zurück

Nach der Kündigung von Franz Welser-Möst als Musikdirektor der Wiener Staatsoper in der vergangenen Woche hat nun auch der Dirigent Betrand de Billy bekanntgegeben, an dem Haus künftig nicht mehr arbeiten zu wollen. Als Grund nannte de Billy den Direktor Dominique Meyer, dem er "Unehrlichkeit...

Appell von Gidon Kremer zur Ukraine-Krise: Menschliche Werte stehen auf dem Spiel

Im Vorfeld seines Dresdner Konzerts unter dem Titel "Mein Russland" veröffentlichte der Geiger Gidon Kremer einen Appell, mit dem er auf die Gefahren von Ignoranz und Tatenlosigkeit im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise aufmerksam machen möchte. Loyalität dem eigenen Land gegenüber könne...

Beim 17. Beijing Music Festival steht Richard Strauss im Zentrum

Das Beijing Music Festival steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des 150. Geburtstags von Richard Strauss. Von 9. bis zum 31. Oktober präsentiert das Festival unter anderem die Münchner Philharmoniker unter Andris Poga (am 9.10. mit Eine Alpensinfonie op. 64 und am 10.10. Don Juan op. 20, Till...

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Samson im Muskelkostüm

Einstürzende Altbauten Foto: Lelli Masotti / Oper Rom

Charles Dutoit dirigiert „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns am Teatro dell’Opera di Roma. Carlus Padrissa von La Fura dels Baus inszeniert

(Rom, im April 2013) „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns ist eine Oper, die man leider nicht oft zu hören bekommt. Vor allem nicht in Italien, wo die französische Oper ein sehr stiefmütterliches Dasein fristet. Ob es sich um französische Opern des 18. oder des 19. Jahrhunderts handelt spielt dabei keine Rolle. Wenn französisch gesungen wird, bleiben viele italienische Opernfreunde daheim.

Es gehört also schon Mut dazu, an einem grossen Opernhaus wie in Rom eine der wichtigsten und sicherlich auch schwierigsten französischen Opern des 19. Jahrhunderts auf die Bühne zu bringen. Ein Werk, das auch, und das macht den ganzen musikalischen Reiz von „Samson et Dalila“ aus, von der leidenschaftlichen Auseinandersetzug für oder gegen die Musik Richard Wagners lebt.
Saint-Saëns war als Wagnerianer verschrien, als sogenannter „Wagnérien impéniten“, doch damit tut man dem Franzosen mehr als Unrecht. Sicherlich nähert sich seine Musik Wagner mehr als die von Bizet. Auch wenn Saint-Saëns leitmotivische Elemente verarbeitet und dem Orchester eine verstärkte Präsenz als in anderen zeitgenössischen französischen Opern einräumt, war er nie ein erklärter Anhänger Wagners.

Saint-Saëns suchte sich musikalisch einen eigenen Weg zwischen Wagner und der typisch französischen Musik seiner Zeit, und deshalb ist sein Hauptwerk musikalisch hoch interessant. Die Oper hatte übrigens nicht in Frankreich ihre Uraufführung, sondern, dank der Vermittlung von Franz Liszt, 1877 in Weimar. Der Komponist wurde stürmisch gefeiert.
Die Neuproduktion an der römischen Staatsoper war ein Risiko. Schon wegen des Orchesters. In der Regel tun sich italienische Orchester schwer mit französischer Musik. Den meisten italienischen Dirigenten gelingt es nicht, das nur scheinbar leichte der französischen Musik, ihr tonales Fließen adäquat umzusetzen.
Deshalb engagierte man Charles Dutoit. Obwohl kein junger Mann mehr, war seine Interpretation der Partitur meisterhaft. Ein großes Lob auch dem Orchester der römischen Staatsoper.

Die Besetzung war gut, mehr aber auch nicht. Aleksandrs Antonenko sang den Samson. Eine Stimme, die für einen Kraftprotz, der Tempel zum Einstürzen bringt, zu klein und zu unsicher war. Da nützte auch das Kostüm nichts: Carlus Padrissa von der spanischen Theatergruppe La Fura dels Baus hatte den Sänger in ein Muskelkostüm gesteckt, das an den Zeichentrickhelden Hulk erinnerte.
Olga Borodina interpretierte die Dalila. Sicherlich war die Borodina einmal ein wirklich guter dramatischer Mezzosopran. Die Rolle der Dalila sang sie weltweit, doch scheint ihre Stimme in vielen Momenten ein wenig wacklig geworden zu sein. Auch der ansonsten ausgezeichnete Chor der Staatsoper enttäuschte ein wenig: dass er französisch sang war nur zu erraten.

Interessant hingegen die Regie von Carlus Padrissa. Um Geld zu sparen, nutzte er Videoprojektionen. Das funktionierte ausgezeichnet. Kurios die Szene mit dem Siegesfest. Der Regisseur stellte sadomasochistische Folterszenen dar, die anscheinend an Pier Paolo Pasolinis Film „120 Tage von Salò“ erinnern sollten. Während in Pasolinis Film die Gefolterten nackt sind, sind sie in der Inszenierung Padrissas in hautfarbene und eng am Körper anliegende Gummianzüge gekleidet. Das wirkte doch recht albern, aber in Rom muß man immer noch und immer wieder auf das eher konservative Publikum Rücksicht nehmen, das bei einem nackten Körper auf der Bühne in der Regel mit einem erstaunten „Oh!“ reagiert.

Thomas Migge
 



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