Musikalisches Glück im Reitstall

Gut Wotersen Foto: SHM-Festival

Frank Peter Zimmermann, Heinrich Schiff und Christian Zacharias mit Schubert-Trios beim Schleswig-Holstein Musikfestival

(Wotersen, 23. August 2008) Auch wenn das Thema des diesjährigen Schleswig-Holstein Musikfestivals Rußland ist und in den insgesamt 149 Konzerten zahlreiche russisch geprägte Programme mit zum Teil selten aufgeführten Werken und Werkkombinationen zu hören sind, so gibt es im Gesamtprogramm von Norddeutschlands größtem Musikfestival doch genug Freiräume für nicht thematisch Gebundenes. Man mag das kritisieren und darin eine Verwässerung der thematischen Ausrichtung und Dramaturgie sehen. Auf der anderen Seite dürfte sich wohl keiner der Besucher des Konzerts von Frank Peter Zimmermann, Heinrich Schiff und Christian Zacharias mit Trios von Franz Schubert über diesen außerthematischen Programmpunkt geärgert haben. Es war ein herausragendes Highlight des diesjährigen, noch bis zum 31. August andauernden Festivals.
Zwar sind die drei Ausnahme-Musiker nicht zum ersten Mal in dieser Formation aufgetreten, doch sind die Zusammenkünfte eher selten und so ist war es ein Glücksfall für jeden, der die Gelegenheit hatte, dieses Konzert mitzuerleben.
Im vermutlich 1827 entstandenen B-Dur-Trio ließen die Musiker perlend-sprudelndes Parlando erklingen, so heiter und feingliedrig wie eine meisterliche feingliedrige Goldschmiedarbeit. Ohne alle Sentimentalität der zweite, langsame Satz mit seiner wohligen Melancholie. Das Zusammenspiel jederzeit getragen von einem Höchstmaß an Transparenz und Klangkultur. Keiner dieser Weltklasse-Solisten befand es für nötig, sich in den Vordergrund spielen zu müssen. Im Gegenteil, die Zurückhaltung, das Understatement war es, die die drei Musik hier vor allem auszeichnete und die Fähigkeit auch im mezza-voce eindringlich zu musizieren.
Das galt auch für das virtuosere Es-Dur-Trio, das den Musikern ein Höchstmaß an brillanter Geläufigkeit abverlangt. Beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit und Präszision dieses namenlose Trio Schuberts drangvolles Stürmen und ruhevolles Verweilen auskostete, das tänzerisch-rhythmische Scherzando mit heiterer Grazilität gab. Dem Publikum verschlug es schier den Atem vor soviel Spannung und geistvollem Dialogisieren - eine Kammermusik-Sternstunde in einem ehemaligen Pferdestall.
Robert Jungwirth