"Herr Schlappenseich"

Herbert Rosendorfer: "Richard Wagner für Fortgeschrittene". Verlag Langen Müller, München 2008. 288 Seiten, gebunden.  14,90 Euro

Einen Band "Wagner für Fortgeschrittene" schiebt Herbert Rosendorfer nach - 29 Jahre nach seinem Büchlein "Bayreuth für Anfänger". Umfang und Gewicht müssen für Wagner-Profis natürlich gesteigert werden. Tatsächlich hat sich der Hobby-Wagnerianer, Jurist und Honorarprofessor für Literaturgeschichte leidenschaftlich in Wagners Werk eingearbeitet. Und dies, wie leider oft in der Wagnerliteratur, mehr lesender- als hörenderweise. Ausführlich geht er auf Wagners literarische Vorlagen ein, geißelt Stabreim wie inhaltliche Ungereimtheiten der Dichtung, streift die Einflüsse der wenig geliebten Philosophen ("weltfremde Spintisierer") und verknüpft Wagners Leben und Werk auf meist angenehm lesbarer Weise. Auch genaue Inhaltsangaben, für "Fortgeschrittene" eigentlich überflüssig, macht Rosendorfer - die Lust am flotten Nacherzählen war wohl zu stark. Das ist alles ganz witzig.
Ärgerlich aber ist ein Essay, in dem sich der Autor in einem bunten Themencocktail unter anderem in flockigen Worten mit dem (bekannten) Problem von Wagners Antisemitismus beschäftigt. Stil und Gedanke passen hier nicht zusammen. Geradezu unsachlich ist Rosendorfer in seinen Ausfällen gegen Christoph Schlingensief ("Herr Schlappenseich") und Katharina Wagner. Die weitgehend unbegründete Abneigung gegen die beiden ist nicht gerade ein Fundament auf welchem sich "fortgeschrittene" Autorität erhebt.

Benjamin Herzog
 

 

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