Zu Gast bei Freunden

Zu Gast bei Mutis: Jürgen Flimm, Helga Rabl-Stadler und Markus Hinterhäuser mit Cristina und Riccardo Muti Foto: Robert Jungwirth


(Ravenna, im April 2008) Cristina Muti, die Leiterin des Ravenna-Festivals, hat in Ravenna das Programm des diesjährigen Festvials (13. Juni-19. Juli) vorgestellt und dabei im Beisein des gesamten Leitungsteams der Salzburger Festspiele auf die Zusammenarbeit mit den Salzburger Pfingstfestspielen hingewiesen.
Hintergrund der Kooperation ist eine durchaus persönliche, denn Cristina Muti ist die Ehefrau des Dirigenten Riccardo Muti, der für das Programm der Pfingstfestspiele in Salzburg verantwortlich zeichnet.

Die programmatische Ausrichtung der beiden Festivals indes weist wenig Parallelen auf. Während Riccardo Muti in Salzburg Raritäten der neapolitanischen Schule des 18. Jahrhunderts vorstellt, Opern von Cimarosa, Paisiello oder Jommelli, gibt es in Ravenna italienische Oper und Musik des 19. Jahrhunderts ergänzt durch ein breites Angebot an Kammermusik- und Orchesterkonzerten und genreübergreifende Uraufführungsprojekte.

Cristina Muti, selbst ausgebildete Sängerin, wird in der Eröffnungspremiere mit Verdis "La Traviata" (13. Juni) Regie führen. Dabei möchte sie - wie schon in vorangegangenen Produktionen - durch die Einbeziehung von Videokünstlern der jüngeren Generation neue Sichtweisen auf das Werk erkunden. Anna Aglatova und Loukia Spanaki sind für die Violetta engagiert, Francesco Malapena und Andrea Carè für den Alfredo. Patrick Fournillier dirigiert das Orchestra Regionale dell'Emilia Romagna.

Die Offenheit für neue künstlerische Ausdrucksformen zeigt sich auch in Programmpunkten wie der Neuvertonung eines mittelalterlichen Textes durch Luciano Titi "La Persa", einem neuen Tanztheater der Compganie des belgischen Choreographen Micha van Hoecke, das sich mit der biblischen Salome auseinandersetzt oder einem Musiktheaterprojekt der italienischen Sängerin Luisa Cottifgli, das sich mit dem Leben der Frau des Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi, Anita, beschäftigt.

"Die Frau im Mythos und in der Kunst" ist das übergeordnete Thema des Ravenna-Festivals 2008. Fünf musiktheatralische Porträts wurden dafür in Auftrag gegeben. Die Komponisten Luigi Ceccarelli und Mauro Cardi widmen sich in ihrem Stück "Medea incontra Norma" etwa einer Traumbegegnung der beiden Frauenfiguren, wobei sie Musik aus den entsprechenden Opern von Cherubini und Bellini verwenden.

Die programmatische Beziehung zu Salzburg dokumentiert sich in zwei Konzerten mit dem Jugendorchester Luigi Cherubini unter Riccardo Muti mit Werken von Schostakowitsch, Sollima, Beethoven, Schumann und Schubert. Dasselbe Orchester wird an Pfingsten in Salzburg Paisiellos Oper "Il Matrimonio inaspettato" aufführen. Der Konzertchef der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser wird ebenfalls beim Ravenna-Festival mitwirken. Am 26. Juni gibt er ein Klavierrecital mit Werken von Cage und Scelsi.

Ein außergewöhnliches Ereignis verspricht auch der Auftritt des Jugendblasorchesters "Banda di Delianouva" in Ravenna, das Ausschnitte aus den Opern "Norma" und "Nabucco" spielen wird, außergewöhnlich deshalb, weil kein geringerer als Riccardo Muti das Konzert dirigieren wird. Offensichtlich hat Muti sich verstärkt der Jugendarbeit verschrieben.

Weitere herausragende Musiker, die zu Gast in Ravenna sind: Kurt Masur und das Orchestre Nationale de France, das Orchester des Bolschoi-Theaters unter Jurij Temirkanov, das Orchester des Maggio Musicale Florenz ebenfalls unter Muti, der Gambist Jordi Savall, das Emerson Quartet und die Sopranistin Angelika Kirchschlager.

Weitere Informationen unter: www.ravennafestival.org

Bei den Salzburger Pfingstfestspielen (9.-12. Mai) gibt es außer der Paisiello-Oper in der Inszenierung des Italieners Andrea di Rosa ein Konzert mit Arien des berühmten Kastraten Senesino gesungen von Andreas Scholl, begleitet von der Accademia Bizantina. Thomas Hengelbrock wird mit seinem Balthasar-Neumann-Ensemble und dem Balthasar-Neumann-Chor neapolitanische Kirchenmusik des 17. Jahrhunderts aufführen, Marco Beasley traditionelle italienische Lieder und Riccardo Muti mit dem Orchester Luigi Cherubini Johann Adolphe Hasses Oratorium "Die Pilger am Grab unseres Herrn" aufführen.

Weitere Informationen unter: www.salzburgerfestspiele.at

Robert Jungwirth