Zartes Webe(r)n

Quatuor Ebène

Mozart und Webern mit dem Quatuor Ebène und Elisabeth Leonskaja bei der Salzburger Mozart-Woche

(Salzburg, 2. Februar 2008) Webern und Mozart - das ist eine denkbar spannende, erhellende Kombination, die das Leitmotiv der diesjährigen Salzburger Mozart-Woche bildete. Wenn dann noch verschiedene Besetzungen in einem Konzert zu hören sind und dabei Elisabeth Leonskaja, die Grande Dame des Klaviers, auf das wunderbare, junge französische Quatuor Ebène trifft, könnte das Glück vollkommen sein.

Leider gab es neben Großartigem im Mozarteum doch eine herbe Enttäuschung zu Beginn und eine kleine nach der Pause. Denn die mit Mozart schon oft überzeugende Pianistin verkünstelte sich anfangs in der F-Dur-Sonate KV 332 über alle Maßen. Sie spielte in derart kleinen Einheiten und mit Verzögerungen an den Phrasenenden, dass der große Zusammenhang aueinanderbrach, Forte-Piano-Akzente unvermittelt herausstachen und die musikalische Logik auf der Strecke blieb. Beim Allegro assai des Finale schlug sie ein ebenso rasantes Tempo an wie seinerzeit Glenn Gould, ohne freilich dessen Klarheit und klangliche Schärfe zu erreichen.

Von einer ganz anderen Seite zeigte sich Elisabeth Leonskaja dann mit Raphaël Merlin bei zwei Stücken für Cello und Klavier des 16-jährigen Anton Webern. Mit subtilem Anschlag, feinem, tragfähigen Piano und ausdrucksvollen Phrasierungen wurde sie der luziden Romantik dieser 1899 komponierten Stücke ebenso gerecht wie der junge Cellist des Quatuor Ebène. Raphaël Merlin fand einen so zarten und exquisiten, so reifen und schönen Ton für diese Jugendwerke, wie man ihn sich treffender kaum vorstellen kann. Nicht minder überzeugend gelangen danach die 1914 komponierten drei Miniaturen für Cello und Klavier op. 11.

Diese Stücke sind ebenso konzentriert in Struktur und Ausdruck wie die ein Jahr zuvor komponierten Bagatellen op. 9, die das Quatuor Ebène nach der Pause nicht nur mit unglaublicher Präzision, sondern auch mit einer Selbstverständlichkeit spielte, die immer wieder verblüfft. Schade war es trotzdem, dass die vier jungen Männer nicht - wie vorgesehen - Weberns selten zu hörendes Streichtrio op. 20 spielen mochten.

Dafür beglückte das Quatuor Ebène erneut mit einem Werk, das es seit Jahren begleitet: Mozarts d-moll-Quartett KV 421. Wieder verblüffte schon der ganz zarte Beginn, als ob die Töne sich nicht in die Welt trauten, und die sanfte, unspektakuläre Entfaltung der Musik, die man fast feminin nennen möchte, gäbe es nicht zwischendurch auch sensible, aber kraftvolle Akzente zu hören. Wieder hob das Trio des Menuetts, vor allem in der ersten Geige, in himmlische geradezu Sphären ab, entwickelte sich der Schlusssatz in perfektem Ausgleich zwischen Klang, Struktur und Ausdruck. Mozart ? und Webern ? hätten ihre Freude daran!

Zum Abschluss musizierten Elisabeth Leonskaja, Gabriel Le Magadure, Mathieu Herzog und Raphaël Merlin Mozarts spätes Es-Dur-Klavierquartett KV 493. Vergessen war die Sonate des Beginns, stattdessen beglückte ein intensives Miteinander von Klavier und Streichtrio; zwei Welten, die sich teilweise wie Solist und ein Mini-Orchester gegenüberstanden, sich zart berührten, aber doch eigenständige Klangkörper bildeten. Vielleicht am meisten berührte hier, dass man einmal den zweiten Geiger des Quartetts als einen  souveränen Primus hörte: mit weichem, dunkel-ausdrucksvollem Klang.

Klaus Kalchschmid