Giacomo Puccinis Opern zu seinem 150. Geburtstag am 22. Dezember komplett bei Sony/BMG und in weitere Boxen bei EMI und Decca
Giacomo Puccinis Anfänge liegen noch im 19. Jahrhundert, doch mit der unvollendeten "Turandot" (1924) reicht er schon weit ins neue Jahrhundert hinein. Während "La Bohème" und "Tosca" zu den meistgespielten Opern überhaupt zählen, etwas weniger die späte "Turandot" und die frühe "Manon Lescaut", erlebt bereits das "Trittico" mit seinen drei ebenso grandiosen wie unterschiedlichen Einaktern "Il Tabarro/Der Mantel", "Suor Angelica" und "Gianni Schicchi" nicht allzu viele (Gesamt-)Aufführungen. Eine schöne Einspielung ist in der 20-CD-Box beim Sony/BMG enthalten: Unter Lorin Maazel singen 1977 Placido Domingo (der hier bei fast jeder Aufnahme dabei ist) und Renata Scotto. Sogar die beiden Frühwerke "Le Villi" und "Edgar" (beide ebenfalls mit der Scotto) sind enthalten, womit Sony die einzige wirklich vollständige Box auf den Markt gebracht hat. Eine der aufregendsten Aufnahmen ist hier die "Tosca" unter Zubin Mehta mit Leontyne Price, Placido Domingo und Ingvar Wixell aus dem Jahr 1972, empfehlenswert die "Butterfly" (Domingo/Scotto), überraschend gut "La Rondine", Puccinis später Versuch auf dem Gebiet der Operette, hier mit Anna Moffo aus dem Jahr 1966. Während die jüngste Aufnahme, der Soundtrack der Fernsehübertragung der "Turandot" (1998) unter Lorin Maazel hauptsächlich vom genius loci, dem "Originalschauplatz" der "Verbotenen Stadt" in Beijing lebt. Sie bedeutet auch ein Gedenken an den vor einem Jahr mit 51 Jahren verstorbenen Tenor Sergei Larin als Kalaf, ist ansonsten aber mit ihrer halligen, plakativen Akustik gewöhnungsbedürftig.
Die Puccini/Callas-Box der EMI (15 CDs) ist diesbezüglich empfehlenswerter, zumal sie nicht nur die Studio-Aufnahmen von "Turandot", "Manon Lescaut" (beide 1957), "Bohème" (neben Giuseppe di Stefano 1956) und "Butterfly" (neben Nicolai Gedda unter Karajan, 1955) mit der Jahrhundertsängerin und ein Arien-Recital (1954) enthält, sondern auch gleich dreimal ihre bis heute unerreichte "Tosca" - in den beiden Aufnahmen von 1953 und 1964 sowie einem Livemitschnitt aus London aus demselben Jahr.
Die ebenfalls bei EMI erschienene Box "Puccini - The Operas" (17 CDs) enthält auch die 1964er Studio-Aufnahme der Callas unter Georges Prètre, ansonsten aber die exzellente "Turandot" mit Birgit Nilsson und Franco Corelli (1965), die nicht minder aufregende "Bohème" (Freni, Gedda) unter Thomas Schippers (1963) und den "Butterfly"-Klassiker von 1959 (Björling, De Los Angeles). "La Fanciulla del West" ist in einer Aufnahme mit Birgit Nilsson (1958) enthalten, "La Rondine" und Auszüge aus "Le Villi" mit dem Ehepaar Gheorghiu/ Alagna (1996).
Wer statt der Callas ihre Rivalin Renata Tebaldi bevorzugt, fährt mit "Puccini - The Great Opera Collection" (Decca, 15 CDs) gut, ist sie doch an der Seite von Fernando Corena, Carlo Bergonzi oder Mario del Monaco die Protagonistin in allen sieben Aufnahmen aus den Jahren zwischen 1954 und 1962, selbst wenn ihr in "Turandot" Inge Borkh in der Titelrolle die Show stiehlt.
Klaus Kalchschmid