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Der Intendant der Salzburger Festspiele Jürgen Flimm stellt in Salzburg das Programm des nächsten Sommers vor
(Salzburg, 22. November 2007) "Denn stark wie die Liebe ist der Tod": Das Opernprogramm der Salzburger Festspiele 2008 spürt dem Jahresmotto in sieben ganz unterschiedlichen Werken nach. Jedes von ihnen vergegenwärtigt auf seine Weise das Verhältnis von Liebe und Tod - als einander ebenbürtige Konkurrenten oder als im Innersten Verbündete.
Die Eröffnungsproduktion 2008 wird Mozarts wohl berühmteste Oper sein: Mit Don Giovanni erarbeitet der deutsche Regisseur Claus Guth nach seinem viel diskutierten Salzburger Figaro für Salzburg seine zweite Da Ponte-Oper. Bertrand de Billy übernimmt die musikalische Leitung. Und in der Titelrolle tritt der britische Bariton Christopher Maltman in Salzburg erstmals in einer Opernproduktion auf. Ein Wiedersehen gibt es mit der umjubelten Armida des letzten Sommers: Annette Dasch singt die Partie der Donna Anna.
Mit Otello zeigen die Salzburger Festspiele Verdis letzte tragische Oper, wie Shakespeares Vorlage ein erschütterndes psychologisches Drama. Die Regie übernimmt Stephen Langridge, der hierzulande 2006 mit seiner Inszenierung von Offenbachs Blaubart in Bregenz auf sich aufmerksam gemacht hat. Riccardo Muti kehrt als einer der besten Verdi-Dirigenten unserer Zeit nach Salzburg zurück. Neben Carlos Álvarez als Jago sind als Otello und Desdemona zwei international aufstrebende Sänger der jüngeren Generation zu erleben: der lettische Spinto-Tenor Aleksandrs Antonenko und die russische Sopranistin Marina Poplavskaya.
Eine zweite Oper nach Shakespeare wird Charles Gounods Roméo et Juliette sein. Mit ihren vier Duetten für das Titelpaar ist diese Musikalisierung der wohl berühmtesten Liebestragödie der Weltliteratur wie geschaffen für Anna Netrebko und Rolando Villazón. Bartlett Sher, dessen Cymbeline als erste amerikanische Shakespeare-Inszenierung von der Royal Shakespeare Company eingeladen wurde und der kürzlich mit Rossinis Barbiere an der Met höchst erfolgreich war, gibt mit Roméo et Juliette sein europäisches Operndebüt. Erstmals in Salzburg zu Gast ist auch der junge franko-kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin, designierter Musikdirektor des Philharmonischen Orchesters Rotterdam.
Mit Rusalka und Herzog Blaubarts Burg stehen zwei Opern auf dem Programm, die alte Märchenstoffe verarbeiten und zugleich Kinder ihrer Zeit sind: des Fin de Siècle und des literarischen Symbolismus.
Dvoráks Oper Rusalka verbindet das Märchen von der Kleinen Meerjungfrau mit Elementen aus der tschechischen Volksmythologie und erzählt von einer zum Scheitern verurteilten Liebe im Spannungsfeld von Natur und Zivilisation. Die Inszenierung des psychologisch vielfältig deutbaren "Lyrischen Märchens" übernehmen Jossi Wieler und Sergio Morabito, deren letzte Salzburger Arbeit, Ariadne auf Naxos (2001), von der Zeitschrift Opernwelt zur besten Aufführung des Jahres gekürt wurde und ihnen überdies die Auszeichnung "Regieteam des Jahres" einbrachte. Franz Welser-Möst erarbeitet mit seinem Cleveland Orchestra neben drei Konzertprogrammen auch Rusalka. Die Titelrolle gestaltet Camilla Nylund, den treulosen Prinzen Piotr Beczala, der in Salzburg zuletzt als Mozarts Don Ottavio beeindruckt hat. Als Fremde Fürstin gibt die amerikanische Sopranistin Emily Magee ihr Festspieldebüt.
Bela Bartóks einzige Oper Herzog Blaubarts Burg ist ein Dialog der Annäherung und Entfremdung. Johan Simons, Gründer der legendären Theatergroep Hollandia, Künstlerischer Leiter des NTGent und seit kurzem auch als Opernregisseur in Paris und Amsterdam aktiv, deutet das Stück in Kombination mit Bartóks Cantata profana und den Vier Orchesterstücken. Mit Peter Eötvös, selbst Komponist mehrerer erfolgreicher Musiktheaterwerke, wurde einer der berufensten Bartók-Dirigenten verpflichtet. Die Rollen von Blaubart und Judith übernehmen Falk Struckmann und Michelle DeYoung.
Wieder aufgenommen wird Mozarts Die Zauberflöte, die Pierre Audi im Mozartjahr 2006 in Karel Appels leuchtend farbiger Ausstattung inszenierte. Die musikalische Leitung übernimmt wieder Riccardo Muti. In der Rolle der Königin der Nacht debütiert die junge russische Sopranistin Albina Shagimuratova in Salzburg.
Augenzwinkernd nähern sich schließlich die österreichische Blechbläser-Band Mnozil Brass und Bernd Jeschek dem Motto der Salzburger Festspiele 2008 an. Nach ihrer Operette Das trojanische Boot, die bei der RuhrTriennale 2005 uraufgeführt wurde und mit großem Erfolg auch am Burgtheater läuft, präsentieren sie ihr Debütwerk im "ernsten" Genre: Irmingard - Oder die Macht des Schicksals.
Das Konzertprogramm
Dem diesjährigen Motto der Salzburger Festspiele "Denn stark wie die Liebe ist der Tod" ist auch das Konzert-Programm 2008 von Markus Hinterhäuser verpflichtet. Der Linie der letztjährigen Konzertdramaturgie folgend, werden die namhaftesten Orchester, Dirigenten und Solisten das Jahresthema in programmatisch und künstlerisch ungewöhnlichen Konstellationen umkreisen und reflektieren.
Im Zentrum der Orchesterkonzerte stehen auch 2008 wieder die Konzerte der Wiener Philharmoniker. Eröffnet wird diese Reihe mit dem wegweisenden Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez am Pult. Daniel Barenboim übernimmt den Klavierpart in Béla Bartóks erstem Konzert für Klavier und Orchester. Riccardo Muti wird einer der zentralen Dirigenten der Salzburger Festspiele 2008 sein: Er dirigiert Otello, Die Zauberflöte sowie die Konzerte "Im Gedenken an Herbert von Karajan", in denen er erstmals Johannes Brahms' Ein deutsches Requiem mit den "Wienern" interpretiert. Nicht zu vergessen ist sein Engagement als Spiritus rector der Salzburger Pfingstfestspiele. Ein Salzburg-Debüt glückt mit der ersten Zusammenarbeit der Wiener Philharmoniker und Esa-Pekka Salonen, die Gustav Mahlers Symphonie Nr. 3 zu Gehör bringen. Die Solisten dieser Orchesterkonzerte sind neben Daniel Barenboim u.a. Elina Garanca, Genia Kühmeier, Peter Mattei, Vesselina Kasarova und Lilli Paasikivi.
Das außerordentliche Echo, das Daniel Barenboim 2007 mit seinem West-Eastern Divan Orchestra in Salzburg fand, werden dieses Jahr zwei Orchester in Residence zu Gast sein. Eines der US-amerikanischen "Big Five", das Cleveland Orchestra, unter seinem Chefdirigenten Franz Welser-Möst, wird in einem Zyklus von drei Konzerten Musik von Dvorák über Bartók, Berg, Messiaen, Mahler bis Johann Strauss geben - in perfektem Einklang zu ihren Opernauftritten in Dvoráks Oper Rusalka.
Ganz der Musikvermittlung unter schwierigsten Bedingungen verschrieben hat sich das Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela. Der begeistert aufgenommenen Konzertdramaturgie des letzten Sommers folgend, wird das Orchester verschiedene thematisch ineinandergreifende Konzerte geben. Während dieser Residenz wird auch heuer Einblick in die Probenarbeit coram publico gewährt. In der "Schule des Hörens" werden diesmal Gustavo Dudamel und Nikolaus Harnoncourt mit den Musikern arbeiten. Gustavo Dudamel, zur Zeit wohl einer der weltweit gefragtesten jungen Pultstars, leitet das Jugendorchester zudem in Tschaikowskis Symphonie Nr. 5 und in einem Abend mit den Brüdern Capuçon und Martha Argerich, die einen ihrer seltenen Auftritte gibt.
Die Reihe "Kontinente" widmet sich in diesem Jahr dem Werk des Sizilianers Salvatore Sciarrino (geb. 1947). Eröffnet wird der Kontinent in der Kollegienkirche mit einem Auftragswerk der Salzburger Festspiele, den soeben fertig gestellten 12 Madrigali sowie der Premiere der Oper Luci mie traditrici (Die tödliche Blume) in der Regie von Klaus Michael Grüber. Bühne und Kostüme kreiert Rebecca Horn, eine der renommiertesten bildenden Künstlerinnen unserer Zeit. Die musikalische Leitung hat Beat Furrer als Dirigent des Klangforum Wien inne. Wie überhaupt der Österreicher Beat Furrer in diesem Sommer sowohl als Komponist als auch als Dirigent zentral mit seinem Hörtheater Fama innerhalb des Kontinents Sciarrino zu erleben sein wird.
Luigi Nonos Musik entfaltet in der Kollegienkirche ihren ganz besonderen Zauber, aufs Neue kann dies am 12. August erfahren werden: in La lontanaza nostalgica utopica futura und No hay caminos, hay que caminar. Die Klangregie an diesem Abend übernimmt Salvatore Sciarrino.
Dem Motto des Jahres - auch im übertragenen Sinne - entsprechen in besonderer Weise die Kompositionen Franz Schuberts. In den Schubert-Szenen wird in außergewöhnlichen Interpreten-Konstellationen dessen Werk mit zentralen Kompositionen des 20. Jahrhunderts wie etwa Kurtágs Kafka-Fragmente, Nonos "Hay que caminar" songanado, Eislers Hollywood-Liederbuch und Rihms Erscheinung - Skizze über Schubert, verwoben:
Es musizieren u.a. das Auryn Quartett, Michael Schade, Juliane Banse, András Keller, Valery Afanassiev, Matthias Goerne, Jörg Widmann, Oleg Maisenberg und Leif-Ove Andsnes.
Marc Minkowski folgt gemeinsam mit der Camerata Salzburg dem Generalgedanken der Festspiele mit drei großen Schauspielmusiken: Schuberts Rosamunde, Griegs Peer Gynt und Felix Mendelssohns Sommernachtstraum.
In den Kammerkonzerten wird sich u.a. András Schiff mit Künstlerfreunden dem Thema Kontrapunktik widmen von Bachs Kunst der Fuge über Beethovens Hammerklaviersonate bis zu Busonis Fantasia contrappuntistica.
Die Liederabende der Salzburger Festspiele werden dieses Jahr durch Matthias Goerne / Leif-Ove Andsnes, Thomas Quasthoff / András Schiff, Christine Schäfer / Ingo Metzmacher sowie Ian Bostridge / Mitsuko Uchida gestaltet.
Traditionell zu Gast in Salzburg sind dieses Jahr wieder das RSO unter Bertrand de Billy, das Attersee Institute Orchestra, erstmals unter der Leitung von Jordi Savall und die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle. Ebenso gerne erwartet werden die Mozart-Matineen mit dem Mozarteum Orchester Salzburg.
Die Solistenkonzerten werden durch einen gemeinsamen Abend von Daniel Barenboim und Lang Lang eröffnet. Grigory Sokolov, Alfred Brendel, Maurizio Pollini, Arcadi Volodos und Krystian Zimerman stehen für große Klavierkunst.
Debüts in den Solistenkonzerten geben Christian Tetzlaff mit Partiten und Sonaten von Johann Sebastian Bach, Vadim Repin und Nikolai Lugansky sowie Rafal Blechacz, der jüngste Preisträger des Chopin-Wettbewerbs.
Weitere Informationen unter: www.Salzburgfestival.at