Den Bass aufs Podest stellen

Slawomir Grenda Foto: Münchner Philharmoniker

Slawomir Grenda spielt heute, Samstag, mit den Münchner Philharmonikern Eduard Tubins Kontrabass-Konzert

Man mag es für ein Klischee halten, aber Slawomir Grenda, seit seinem 29. Lebensjahr Solo-Bassist der Münchner Philharmoniker, erzählt unvermittelt: "Wir Polen wollen immer Chopin spielen. Er ist einfach stets präsent in unserem Leben, im Rundfunk, im Fernsehen, auf der Straße. Ich glaube, ich kenne jedes Stück von ihm. Da ist es das Natürlichste von der Welt, dass man Klavier spielt. Aber als ich mit 13 Jahren auf ein ganz spezielles Musik-Gymnasium gehen wollte, brauchte ich ein zweites Instrument. Für Cello war es zu spät, aber Kontrabass war möglich, obwohl ich ihn anfangs gar nicht mochte. Das hat sich schnell geändert!" Sagt es und lacht sein spitzbübisches, charmantes Lächeln, das den 39-Jährigen um so vieles jünger aussehen lässt.

1988 ging Grenda im Alter von 20 Jahren zum Studium nach Baltimore. Zwei Jahre später gewann er den Wettbewerb in Genf und war ab 1993 für eineinhalb Jahre "Akademist" der Berliner Philharmoniker unter Claudio Abbado. Danach spielte er in der Staatskapelle Berlin und schwärmt noch heute davon: "Der Wagner mit Barenboim war fantastisch. Und ein bisschen fehlt mir das schon. Aber mit Thielemann werden wir ja in Baden-Baden richtig große Oper machen. Darauf freue ich mich schon, auch wenn ich dann für ein paar Wochen von meiner Familie weg bin". In Berlin sollte Grenda festes Mitglied werden: "Mich wollte das Orchester, aber nicht die Gruppe, also meine Bass-Kollegen. Vielleicht war ich ihnen zu jung". Aber wie das Leben so spielt: Die Münchner Philharmoniker hatten gerade eine entsprechende Stelle frei, das Vorspiel war erfolgreich und so zog Slawomir Grenda vor knapp 10 Jahren in den Süden. Allmählich mischte sich in den schon fast verschwundenen polnischen Akzent ein bayrischer.

Jetzt will Slawomir Grenda aber nach Jahren im Orchester "dem Bass einen würdigen Platz geben, ihn aufs Podest stellen. Es ist zwar nicht ganz so dramatisch für uns, wie in Patrick Süskinds ,Der Kontrabass', wo alles vergeblich ist, aber die Konzertveranstalter bekommen allesamt kalte Füße, wenn ich ihnen ein Programm mit Kontrabass und Klavier anbiete. Dabei spiele ich ja keine unbekannten Stücke." So war Grenda froh, erst kürzlich im Kammerkonzert der Philharmoniker im Rathaussaal die Chopinsche Cello-Sonate in einer eigenen Transkription spielen zu können.

Wer noch nie einen Kontrabass außerhalb des Orchesters gehört hatte, wunderte sich da über den ungewohnt schlanken Klang und war auch erstaunt, dass auf der CD, die Slawomir Grenda mit seiner Frau, der Pianistin Ivana Svarc Grenda, aufgenommen hat, die berühmte Violinsonate von César Franck so vertraut und doch irgendwie fremd klingt. Das Geheimnis ist schnell gelüftet: gespielt wird in sogenannter "Solo-Stimmung". Das heißt, der Kontrabass ist um einen Ton höher gestimmt (also Fis, H, E, A) und man benutzt dünnere Saiten. "Das hat Bottesini im 18. Jahrhundert erfunden, damit man heller, brillanter spielen und sich als Solist besser durchsetzen kann. Damals wurden viele Kontrabass-Konzerte komponiert, unter anderem von Dittersdorf, Hoffmeister, Vanhal oder Sperger." Dennoch betont Slawomir Grenda, dass er etwa im op. 38 von Johannes Brahms den Kontrabass nicht wie ein Cello klingen lassen will. Das berücksichtigen Komponisten, die heute für Kontrabass schreiben, wie etwa der Finne Einojuhani Rautavaara. Oder Frank Proto in seiner vom Jazz beeinflussten Carmen-Phantasie.

Eduard Tubins einsätziges Kontrabass-Konzert aus dem Jahr 1948 ist diesbezüglich etwas Besonderes. Denn es wirkt bis zur großen, langen virtuosen Kadenz wie ein Orchesterstück mit obligatem Bass. "Oftmals spielt er die Begleitstimme. Aber das hat etwas Faszinierendes, denn hier hat der Kontrabass ein Konzert geschenkt bekommen, bei dem er mit einem großen spätromantischen Orchester spielen kann, voller Farben und verschiedenster Stimmungen. Man darf an einigen Stellen sehr schön melodisch spielen. Und das reicht einem Kontrabassisten schon. Wir sind in dieser Hinsicht ja nicht verwöhnt!"

Slawomir Grenda ist heute, Samstag, (14. Juli), und 17. Juli (jeweils 19 Uhr) sowie am 16. und 18. Juli (20 Uhr) der Solist im Kontrabasskonzert von Eduard Tubin in der Philharmonie am Gasteig. Die Münchner Philharmoniker spielen außerdem, unter Leitung von Christian Arming, die Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta von Béla Bartók und die sechste Symphonie von Bohuslav Martinu.

Klaus Kalchschmid