Prometheus und die französische Revolution

Maurizio Pollini spielt unter Christian Thielemanns Leitung bei den Münchner Philharmonikern Mozarts A-Dur Konzert, des Weiteren stand die "Eroica" auf dem Programm

(München, 13. März 2010) Über die Richtigkeit der Maxime, dass man dann mit etwas aufhören soll, wenn es am schönsten ist, läßt sich gewiss streiten. Aber immerhin können die Münchner Philharmoniker und ihr Publikum versuchen, sich mit dieser "Lebensweisheit" über den Weggang von Christian Thielemann als Generalmusikdirektor des Orchesters hinweg zu trösten. Tatsächlich ist die Zusammenarbeit allen Widrigkeiten der vergangenen Monate zum Trotz derzeit auf einem Niveau angelangt, das Spitzenleistungen geradezu garantiert. Beinahe egal, was auf dem Programm steht.
So war die Änderung des Programms von Brahms erstem Klavierkonzert zu Mozarts A-Dur-Konzert (KV 488) denn auch alles andere als ein Verlust, vielmehr machte er fast noch neugieriger darauf, wie die Philharmoniker und der große Maurizio Pollini dieses vielschichtige, manchmal beinahe romantische Konzert interpretieren würden. Und Mozart hat man von Thielemann ja auch noch nicht so arg viel in München gehört. Umso erfreuter durfte man als Hörer feststellen, dass das Orchester auch bei Mozarts tiefgründiger und im Adagio dieses Konzerts manchmal sogar abgründiger Kantabilität durchaus Bedeutendes zu sagen hat. Solist und Orchester fanden ohne Schwierigkeiten zu einer wunderbaren Homogenität. Beeindruckend, wie uneitel Pollini sich immer wieder zurücknahm und in das klangliche Gesamtgefüge einpasste. Da gab es keine äußerliche Geste, kein vorlautes Herausplatzen. Klar und kantabel, das waren die herausstechendsten Eigenschaften, mit denen Thielemann und Pollini diesem phantastischen und komplexen Werk begegneten.

Es war der Abend der langsamen Sätze, denn bei aller Allegro-Heiterkeit und Leggiero-Kultur im Mozartkonzert und aller klanglichen und dynamischen Flexibilität in Beethovens "Eroica", waren es in beiden Werken die langsamen Sätze, die die Türen gewissermaßen noch zu anderen Sphären öffneten. In der Beethoven-Symphonie gestaltete Thielemann den Trauermarsch zu einem erschütternden Trauergesang, der schon auf Wagner voraus wies. Geriet der Kopfsatz noch ein wenig indifferent, ja fast etwas "unheldisch" in Thielemanns allzu sehr ausgelebter Lust am Detail, so fand er für die Entwicklung dieses langsamen Satzes eine jederzeit spannungsvolle und überzeugende Dramaturgie, die die Höhepunkte zu überwältigenden Erfahrungen musikalischer Tragik werden ließen. Und auch im Finale setzte er überaus wirkungsvolle Akzente.
Als eine wunderbare Brücke zwischen dem Klavierkonzert und der "Eroica" erwies sich die kurze Ballettmusik Beethovens "Die Geschöpfe des Prometheus", die auch einen "heldischen" Inhalt hat, aber in ihrer Ausrichtung noch mehr dem Mozartschen Humanismus zugeneigt sind als dem kämpferischen Pathos der französischen Revolution, das für Beethovens Selbstverständnis als Komponist so wichtig werden sollte.
Robert Jungwirth

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