David Alden inszenierte Brittens "Peter Grimes" an der English National Opera
(London, im Mai 2009) Terrific! Das würden sicherlich die Briten zu dieser neuen Produktion an der English National Opera (ENO) sagen, eine Koproduktion mit De Vlaamse Opera und der Opera de Oviedo: "Peter Grimes", die erste Oper, die Benjamin Brittens. Die Premiere fand 1945 am Londoner Coliseum statt.
Das traditionelle Musiktheater im Londoner Zentrum ist in den letzten Jahren komplett restauriert worden und präsentiert sich jetzt wieder als ein schmuckes und herrlich kitschiges Theater, mit viel Plüsch und Goldfarbe und geschmacklich diskussionswürdigen Verzierungen.
David Aldens Regie überzeugt schon deshalb, weil sie sich an das Libretto hält und keine gewagten Ausflüge in ein abseitiges Regietheater wagt, was bei so einem Werk auch alles andere passend gewesen wäre. Alden unterstreicht den bedrückenden Charakter der Handlung, der Geschichte und die Verzweiflung eines Mannes, Peter Grimes, der von seiner Gemeinschaft im wahrsten Sinne des Wortes fertig gemacht wird, ohne dass eindeutige Beweise dafür vorliegen, dass er seine jungen Mitarbeiter misshandelt und in den Tod getrieben hat. Aldens Bühne ist düster. Der Himmel scheint auf den Protagonisten zu liegen, sie zu erdrücken. Ganz zu schweigen von dem stets präsenten Meer, das ebenfalls wie eine Bedrohung wirkt.
Indem sich Alden und Brigitte Reiffestuel, sie war für die Kostüme verantwortlich, an den 40er bzw. 50er Jahren ausgerichtet haben, bekommt die gesamte Inszenierung etwas ungemein Authentisches. Man hat den Eindruck, es mit einem Filmklassiker jener Jahre zu tun zu haben. Dieses go back in eine vergangene Epoche, in der Britten seinen Peter Grimes komponierte, wird durch die ungebrochene Aktualität des Werks wettgemacht.
Dirigent Edward Gardner trifft den Britten-Stil wie nur wenige. Seine Interpretation ist ganz auf die innere Unruhe der Figuren ausgerichtet. Die auf diese Weise zum Ausdruck gebrachte psychologische Anspannung macht das musikalisch Eigentliche dieser Oper aus und dieses Eigentliche wurde von Gardner perfekt eingefangen.
Als Peter Grimes sang und spielte Stuart Skelton, die wohl beste Besetzung für diese komplexe Rolle zwischen nicht-zugelassenen Zärtlichkeitsbedürfnissen, Wutausbrüchen und dem Hang zum Wahnsinn. Die Rolle der Ellen Orford, die bis zum Ende der Handlung mit ihrer Suche nach dem Guten in Grimes nicht aufgibt, wurde ungemein gefühlvoll von Amanda Roocroft gesungen, auch sie wie Skelton eine erfahrene Britten-Stimme. Im Ganzen eine ideale Besetzung, ohne eine einzige Stimme, die in ihrer Qualität etwas zu Wünschen übrig ließ.
Thomas Migge