Das Cello schwitzt

Mit Daniel Müller-Schott und dem Stuttgarter Kammerorchester gastierten hochkarätige Musiker beim Nymphenburger Sommer

(München, 1. Juli 2009) Der Auftakt mit Mozarts Divertimento D-Dur KV 136 passte so recht zur rosaroten, abendlichen Sommerstimmung. Ins Freie gehört diese Musik und so träumte sich wohl mancher vom schwülen Hubertussaal auf die wohl temperierten Schlosswiesen. Zuletzt wohl auch das Cello, dessen Stimmung in Schuberts Arpeggione-Sonate unter der zunehmenden Hitze litt.

Ansonsten war die Atmosphäre auf dem Podium und im Parkett ausgezeichnet. Benjamin Hudson lenkte vom Konzertmeister-Pult aus die Geschicke und seine Streicher-Kollegen folgten ihm unangestrengt. Sowohl in den Alleingängen als auch bei der Begleitung des Solisten.
Hatte schon im Mozart-Divertimento das homogene, akzentuierte, im Presto auch handfeste Spiel mit viel Elan und wenig Vibrato überzeugt, so wirkten die Stuttgarter Musiker bei Haydn noch inspirierter.

Daniel Müller-Schott griff das Thema mit großer Spiellust auf. Er zeigte Witz und Esprit in den hurtigen Läufen und führte den Bogen behände. Vor allem im langsamen Satz scheute er sich nicht davor, Gefühl zu zeigen. Da er seinem Instrument gerade in der Tiefe (weniger in der Mittellage) einen schönen, frei schwingenden Ton entlockte, gelang auch Blochs "Gebet" (Zugabe) inbrünstig.
In Mendelssohns abschließender Mini-Symphonie Nr. 10 demonstrierte das Stuttgarter Kammerorchester seinen wachen Sinn fürs Spezielle, musizierte mit viel Fingerspitzengefühl und drehte Tempo und Dynamik effektvoll hoch. Freudiger Beifall.

Gabriele Luster

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