Die jungen Musiker Nicola Benedetti und Leonard Elschenbroich begeistern bei den Münchner Symphonikern in Brahms' Doppelkonzert
(München, 9. Februar 2012) Ein attraktives, leidenschaftliches Paar - das erwartet man auf der Kino-Leinwand, auch auf der Theater-, Tanz- und Opernbühne - aber auf dem Konzertpodium? Doch Brahms macht's möglich. In seinem letzten Orchesterwerk vereint er Violine und Cello und die Münchner Symphoniker luden sich für dieses Doppelkonzert ein junges Paar ein, das am Mittwochabend im Herkulessaal Furore machte: Nicola Benedetti und Leonard Elschenbroich. Die britische Geigerin reüssierte bereits mit namhaften Orchestern in England und den USA und der deutschen Cellist, einst Stipendiat der Anne Sophie Mutter Stiftung, spielte Brahms' Doppelkonzert bereits mit seiner berühmten Mentorin.
In den beiden jungen Instrumentalisten lodert jenes Feuer, dass Brahms diesem wunderbaren, eigentlich erstaunlich selten zu hörenden Zwiegespräch eingehaucht hat. Sprungsicher stieg der Cellist sofort nach den ersten Orchesterakkorden ein, forderte die Partnerin heraus, die ihm an Intensität keineswegs nachstand. Bei wacher Feinabstimmung musizierten die beiden mit sattem Ton und sicher in der Intonation. Ob sie einander imitierten, sich herausforderten, ihre Stimmen eng miteinander verflochten (Ecksätze), in einem Atem phrasierten (im Andante) oder sich draufgängerisch ins tänzerisch inspirierte Final-Rondo stürzten ? ihr instrumentaler Pas de deux begeisterte und riss mit.
Offenbar auch den Dirigenten Georg Schmöhe, der sich vom jugendlichen Überdruck nur zu gern anstecken ließ. Er animierte die Münchner Symphoniker zum Drängen und Stürmen, zum Deftigen. Akkuratesse war dabei nicht das Hauptanliegen. Leider auch nicht bei Brahms' nachfolgender vierter Symphonie in e-Moll.
Auch da ließ der Dirigent unbesorgt forsch und zupackend drauflos musizieren. Präzision und Homogenität in den einzelnen Gruppen waren zu wenig ausgeprägt, und das tat Brahms nicht wirklich gut. In all seiner Dichte und Kompaktheit verlangt er nämlich nach struktureller Klarheit, nach sensibel ausgehörter dynamischer Balance, nach feinen Übergängen, punktgenauen Einsätzen. Da darf ungestüme Musizierlust dann ruhig dazukommen...
Gabriele Luster