Bruckner und Rotwein

Oper für alle Foto: W. Hösl

Mit einem kostenlosen Open-Air-Konzert unter GMD Kent Nagano eröffnet die Münchner Oper ihre Festspiele

(München, 28. Juni 2009) Das Donnergrollen war verhallt, die Schwüle verflogen und über dem Marstallplatz glänzte der Himmel weiß-blau als die Münchner Opernfestspiele am Sonntagabend mit dem Oper-für-alle-Freiluft-Konzert eröffnet wurden. Vielleicht wirkte wirklich Anton Bruckners "guter Draht zum Himmel" noch posthum, wie Staatsopernintendant Nikolaus Bachler vermutete. Bruckners Achte stand auf dem Programm.

Auch für Kent Nagano ist das seit 12 Jahren von BMW gesponserte Open-Air-Ereignis, das heuer erstmals die Festspiele eröffnete, Chefsache. Charmant hieß er die rund 7000 Hörer, die auf dem Marstallplatz lagerten, willkommen. Er freute sich, dass mit dem 2007 gegründeten Jugendorchester "Attacca" die große Münchner Musik-Tradition fortgeführt und die Kreativität gefördert wird. "Unsere Zukunft" nannte er die mittlerweile 90 jungen Musiker, die mit Wagners Ouvertüre zu "Rienzi" den Sommerabend mit frischem Schwung "einläuteten", derweil die ersten Luftballons in den klaren Abendhimmel schwebten. Dabei ließen sie Italienisches anklingen und auch nicht überhören, dass der "Fliegende Holländer" bereits im "Anmarsch" war. Mit großem Applaus bedankten sich die Zuhörer bei den 12-20jährigen Musikern, die Nagano im lila "Attacca"-T-Shirt dirigierte.

Fürs Bayerische Staatsorchester schlüpfte er dann in den Frack und natürlich für Bruckner, dessen 8. Symphonie eine Herausforderung geblieben ist. Zumal in der Urfassung, deren Münchner Uraufführung Naganos Vorgänger Hermann Levi 1887 abgelehnt hatte.

Nagano verteidigt die Erste-Hand-Fassungen - jetzt sogar im Freien. Das Publikum nippte am Rotwein, schnabulierte vom Käse oder naschte Pralinés und lauschte Bruckner mit großer Aufmerksamkeit. Dessen effektvoll hochgeschraubte Steigerungen machten Eindruck. Übergänge ins Piano überzeugten weniger. Der Wechsel von Spannung und Entspannung verpuffte oft, und auch in puncto Klangbalance schienen die Lautsprecher überfordert. Dennoch gab es dichte Momente im Scherzo wie im Adagio, dem Bachler als "Fenstergucker" lauschte. Ein gelungener Auftakt dennoch.

Gabriele Luster

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Ins Gästebuch eintragen

Kommentare zu diesem Artikel

Anzeige: 1 - 1 von 1.
 

Samstag, 18-07-09 18:07

Vorname Nachname aus München

Die T-Shirts waren türkis und dunkelblau ;-)