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Komponisten-Förderpreise der Ernst von Siemens Musikstiftung 2016 an Milica Djordjević, David Hudry und Gordon Kampe


Die drei Komponisten-Förderpreise der Ernst von Siemens Musikstiftung gehen 2016 an die in Berlin lebende Serbin Milica Djordjević, David Hudry aus Frankreich sowie den Essener Gordon Kampe. Die Auszeichnung für vielversprechende junge Komponisten ist jeweils mit 35.000 Euro dotiert. Zudem erhalten die jungen Künstler eine nach ihren individuellen Wünschen produzierte Porträt-CD.

Die Ernst von Siemens Musikstiftung vergibt 2016 erstmals mehr als 3,2 Millionen Euro an Fördergeldern. Der größte Anteil entfällt auf die Unterstützung von Projekten im Bereich der zeitgenössischen Musik weltweit. 250.000 Euro erhält der Ernst von Siemens Musikpreisträger Per Nørgård. Zusätzliche Mittel stehen für die Initiative räsonanz – Stifterkonzerte zur Verfügung.

Milica Djordjević, geboren 1984 im serbischen Belgrad, lebt und arbeitet derzeit in Berlin. In Belgrad studierte sie zunächst Komposition, Klangregie und Produktion, sowie elektronische Musik. Ihr weiterführendes Studium als Post-Graduierte hat Djordjević am Conservatoire National de Région de Strasbourg in der Klasse von Ivan Fedele (2007–2009) mit Auszeichnung abgeschlossen. Sie nahm am Cursus-Programm des IRCAM in Paris teil und war Stipendiatin der Cité Internationale des Arts in Paris. Von 2011 bis 2013 absolvierte sie ein Zusatzstudium bei Hanspeter Kyburz an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.

Die Oberfläche von Djordjević Stücken mag zunächst spröde, abstrakt, gar unzugänglich anmuten, verwandelt sich aber stets in ein unmittelbares, sinnliches Hörerlebnis. So kraftvoll und kompromisslos ihre Musik ist, so wenig geht es in ihr um nur vordergründige Expressivität sondern stets begegnen wir präziser struktureller Analyse und einem hohen Maß an reflexiver Arbeit. Bei Milica Djordjević hat die Entwicklung ihrer eigenen Sprache auch viel mit der Erkenntnis der eigenen kulturellen Wurzeln zu tun: Sowohl die rauen Timbres als auch der besonders enge melodische Ambitus haben Entsprechungen im traditionellen Gesang ihrer Heimat.

Der Franzose David Hudry, Jahrgang 1978, studierte Musik am Conservatoire de Montpellier und parallel dazu Musikwissenschaft an der Université Paul Valéry, ebenfalls in Montpellier. 2002 schloss er mit der Lehramtsqualifikation Agrégation ab. 2008 erwarb er das Diplôme de Formation Supérieure (DFS) in Komposition und neuen Technologien mit Auszeichnung am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse bei Emmanuel Nunes und Stefano Gervasoni (Komposition) sowie Luis Naón (Elektroakustik). 2006 wurde er für das einjährige IRCAM-Postgraduiertenprogramm für Komposition und neue Technologien ausgewählt.

Hudrys Werke belegen sein Interesse an Elektronik und neuen Technologien nicht nur als Mittel zur Erzeugung neuer Klänge, sondern auch als eigenständiges kompositorisches Werkzeug, das von sicherer Hand bis ins kleinste Detail ausgefeilt eingesetzt wird. Hudrys Musik ist überdies unmittelbar inspiriert von Literatur und Malerei – insbesondere von Paul Klee und Wassily Kandinsky. Doch alle vorkompositorische Arbeit, so systematisch und rational sie auch angegangen werden mag, wird bei Hudry letztlich stets getragen von einem außergewöhnlichen Maß an schöpferischer Intuition.

Gordon Kampe wurde 1976 im nordrhein-westfälischen Herne geboren und absolvierte dort zunächst eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. Von 1998 bis 2000 studierte er Komposition an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock bei Hans-Joachim Hespos und Adriana Hölszky. Anschließend setzte er sein Studium bei Nicolaus A. Huber an der Folkwang Hochschule in Essen fort. Außerdem studierte Gordon Kampe Musik- und Geschichtswissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum und wurde mit einer Arbeit über Märchenopern im 20. Jahrhundert promoviert. Derzeit arbeitet er an der Folkwang Universität der Künste in Essen an einem Habilitationsprojekt über Instrumentation und Aufführungspraxis im 19. und 20. Jahrhundert.

Das Werk Gordon Kampes kennt keine Angst vor „fremden“ Einflüssen – ob historisch, künstlerisch oder medial. Kampe setzt buchstäblich Welt in Musik – dabei gibt es nichts, was er seinem ästhetischen Zugriff als grundsätzlich unangemessen empfindet. „Musik zu komponieren“, sagt Kampe, ist für mich zumeist wie ein Spiel, oft mit Dingen, die – aus der Ferne betrachtet – nicht zusammen gehören. Während der Arbeit an einem Stück kann alles amalgamiert werden, was nicht bei drei auf den Bäumen ist“.

Porträt-CDs

Die Komponisten-Förderpreise sind jeweils dotiert mit 35.000 Euro. Zudem erhalten die jungen Künstler eine nach ihren individuellen Wünschen produzierte Porträt-CD. Die drei Tonträger, die auch dieses Jahr von herausragenden Solisten, großen Orchestern und namhaften Ensembles für zeitgenössische Musik eingespielt werden, erscheinen im Herbst 2016.

Die Ernst von Siemens Musikstiftung vergibt erstmals mehr als 3,2 Millionen Euro

Insgesamt vergibt die Ernst von Siemens Musikstiftung in diesem Jahr mehr als 3,2 Millionen Euro. Davon entfällt der weitaus größte Teil auf die Förderung zeitgenössischer Musikprojekte weltweit. Zwischen New York und St. Petersburg, Bergen und Istanbul werden rund 150 Projekte für ihren herausragenden Einsatz für die zeitgenössische Musik mit Förderpreisen bedacht. Den größten Anteil machen Kompositionsaufträge aus, aber auch Festivals, Konzerte und Veranstaltungsreihen sowie wissenschaftliche Publikationen sind der Ernst von Siemens gefördert wie pädagogisch herausragende Projekte, die Kindern und Jugendlichen den Zugang zur zeitgenössischen Musik erleichtern. Die nächste Antragsfrist für Förderprojekte endet am 1. März 2016. Nähere Informationen zu sämtlichen Förderprojekten sowie zur Antragstellung unter: www.evs-musikstiftung.ch

räsonanz – Stifterkonzert 2016 am 27. Februar im Münchner Prinzregententheater

Erstmals stellt die Stiftung 2016 zusätzliche Mittel für die Konzertinitiative räsonanz – Stifterkonzerte zur Verfügung. Die Initiative der Ernst von Siemens Musikstiftung in Kooperation mit LUCERNE FESTIVAL und musica viva des Bayerischen Rundfunks startet am Samstag, 27. Februar 2016, mit einem Konzert im Münchner Prinzregententheater. Veranstalter dieses Debuts ist die musica viva. Das SWR Symphonieorchester Baden-Baden und Freiburg und das SWR Vokalensemble Stuttgart gastieren unter der Leitung von George Benjamin mit dessen Schlüsselwerk Ringed by the Flat Horizon für großes Orchester (1979–1980), Cummings ist der Dichter für 16 Solostimmen und Orchester auf ein Gedicht von Edward Estlin Cummings (1970/1986) von Pierre Boulez, György Ligetis Clocks and Clouds für zwölfstimmigen Frauenchor und Orchester (1972–1973) sowie limited approximations, Konzert für sechs Klaviere im Zwölfteltonabstand und Orchester (2010), von Georg Friedrich Haas.

Ziel der Stiftungsinitiative, die ab 2017 mit je einem Konzert jährlich in München und in Luzern fortgesetzt wird, ist es, bedeutende Orchester des internationalen Musiklebens in ihrem Engagement für die Musik der Gegenwart herauszufordern und zu bestärken. „Diese Initiative ist eine vorbildliche Zeichensetzung, die Kräfte freisetzt und zur Gestaltung herausfordert“, erklärt Winrich Hopp, Künstlerischer Leiter der musica viva.

Preisverleihung am 2. Mai 2016 im Münchner Prinzregententheater

Die drei Komponisten-Förderpreise der Ernst von Siemens Musikstiftung werden den jungen Künstlern vom Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung Thomas Angyan (Intendant Gesellschaft der Musikfreunde Wien) bei einem musikalischen Festakt im Münchner Prinzregententheater überreicht. Das Freiburger ensemble recherche spielt je ein eigens für die Preisverleihung komponiertes Werk von Milica Djordjević und Gordon Kampe, Intersections von David Hudry sowie Seadrift und Scintillation des Ernst von Siemens Musikpreisträgers Per Nørgård. Dem dänischen Komponisten wird die mit 250.000 Euro dotierte Auszeichnung vom Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Michael Krüger, überreicht.

18-2-2016